Werder - Freiburg Verlieren verboten

Es findet zwar erst der siebte Bundesliga-Spieltag statt, aber für Werder ist die Partie gegen den SC Freiburg mehr als nur eines von 34 Saisonspielen. Von dem Ausgang der Begegnung wird ganz entscheidend die Stimmung in den nächsten Wochen abhängen.
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Verlieren verboten
Von Marc Hagedorn

Es findet zwar erst der siebte Bundesliga-Spieltag statt, aber für Werder ist die Partie gegen den SC Freiburg mehr als nur eines von 34 Saisonspielen. Werder ist Zweitletzter in der Tabelle, hat noch kein Spiel gewonnen, und von dem Ausgang der Begegnung mit Freiburg wird ganz entscheidend die Stimmung in den nächsten Wochen abhängen. Gerade für Trainer Robin Dutt wäre ein Sieg besonders wertvoll. Die Kritik an seiner Arbeit wird lauter.

Robin Dutt sagt, dass er zurzeit keine Zeitungen lese. Vielleicht ist das im Moment auch gar keine schlechte Idee, denn so erspart sich der Werder-Trainer viele Negativschlagzeilen. Eine kleine Auswahl aus dieser Woche: „Die Gegentorkrise“ (Weser-Kurier), „Werder wie trocken Brötchen“ (Frankfurter Rundschau), „Werder-Welt gerät ins Wanken“ (Sport-Informationsdienst) und schließlich am Donnerstag: „Dutt gerät in die Kritik“ (Kicker).

Preisfrage: Wie lange dauert es in der Fußball-Bundesliga, dass sich eine Stimmung dreht? Antwort: In Bremen 14 Tage. Noch vor zwei Wochen, damals stand Werder nach drei Spielen ohne Niederlage vor der Reise zum FC Augsburg, war alles im grünen Bereich bei den Grün-Weißen. Werder hatte viele herausgespielte Tore geschossen, Werder hatte Rückstände aufgeholt, Werder hatte Kampfkraft und Teamgeist nachgewiesen.

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Tage beziehungsweise drei Niederlagen später ist alles anders. Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den SC Freiburg: Robin Dutt, der so gern und so gut über Fußball dozieren kann, ist kurz angebunden. Nach den Pleiten gegen Augsburg, Schalke und Wolfsburg wirkt der Werder-Trainer angeschlagen. Oder ist er schon im Tunnel vor dem wichtigen Spiel gegen den SC Freiburg? Eben hat sein Sitznachbar bei dieser Pressekonferenz, Geschäftsführer Thomas Eichin, gesagt: „Drei Punkte bisher sind viel zu wenig. Ein Sieg ist Pflicht.“

Das ist von Eichin als klare Ansage in Richtung der Mannschaft gedacht. Aber wenn eine Mannschaft gemeint ist, gilt das automatisch auch für ihren Trainer. Er ist für die Mannschaft verantwortlich. Anfangs ist viel von den spielerischen Fortschritten der Werder-Truppe die Rede gewesen, jetzt fallen vor allem die Defizite ins Auge: Werder hat die meisten Gegentore kassiert. Werder ist so schlecht wie seit fast 40 Jahren nicht gestartet. Werder schaltet bei Ballverlusten viel zu langsam in den Rückwärtsgang. Und überhaupt: Nur zehn Siege hat es in 40 Spielen unter Dutt gegeben – das ist die schwächste Bilanz aller Werder-Trainer, die 40 oder mehr Spiele im Amt waren.

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Mindestens Ernüchterung, zunehmend aber auch Enttäuschung macht sich breit. Nach drei Spielen hatten viele angenommen, dass die Mannschaft weiter wäre in ihrer Entwicklung. Ist sie aber offenbar nicht. Die Profis reihen viele kleine Fehler aneinander, deren Verkettung im schlimmsten Fall zum Gegentor führt. Und dieser schlimmste Fall tritt verdammt oft ein.

Noch herrscht in Bremen relative Ruhe. Die Mannschaft hat ungestört arbeiten können in dieser Woche. Dutt hat Einzelgespräche geführt, Spielsituationen analysiert und üben lassen. „Ich habe keine Anzeichen dafür, dass hier jemand mit den Knien schlottert“, sagt Eichin. „Wir sind eher noch enger zusammengerückt“, sagt Dutt. Aber niemand gibt sich der Illusion hin, dass dies bei weiteren Pleiten so bleibt. Cedrick Makiadi sagt: „Wenn du die Ergebnisse nicht lieferst, ist es irgendwann mit der Ruhe vorbei.“ So ist Bundesliga.

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Werder steht unter Dutt nicht zum ersten Mal an einem Punkt, an dem die Stimmung kippen könnte. Im Vorjahr gab es wenigstens zwei solcher Phasen mit vielen Niederlagen und Gegentoren: Die erste endete mit einem 1:0-Sieg im letzten Hinrunden-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, die zweite mit einem 1:0-Sieg über den HSV. Heute ist wieder so ein Tag nötig. Irgendwann im Lauf der Pressekonferenz wird Robin Dutt nach dem Gegner, seinen Ex-Klub SC Freiburg, gefragt. Dutt sagt: „Unser Gegner ist uns völlig egal. Es zählen nur drei Punkte.“ Sie würden auch ihm gut tun.

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