Baumann pokert wegen der Kaufoption

Verwirrspiel um Bentaleb

Werder pokert um einen Transfer von Schalkes Nabil Bentaleb, Frank Baumann sagte nun jedoch, dass die Gelsenkirchener den Mittelfeldakteur „wieder integrieren“ wollen. Die Wahrheit sieht aber anders aus.
27.08.2019, 18:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger und Jean-Julien Beer
Verwirrspiel um Bentaleb
dpa

Die Sonne schien, die Werder-Profis kreiselten über den Trainingsplatz und ein paar Zuschauer hatten sich dann doch entschieden, lieber den Fußballern zuzuschauen als ins benachbarte Freibad zu gehen. Kurzum: Es war trotz der hohen Temperaturen eine recht idyllische Kulisse, die sich am Dienstagnachmittag am Weserstadion bot. Doch dann gab es leichte Risse in der harmonischen Szenerie. Frank Baumann spielte dabei die entscheidende Rolle. Der Sportchef sprach mit den anwesenden Journalisten nämlich erneut über eine möglicherweise nahende Verpflichtung von Nabil Bentaleb – und berichtete davon, dass alles auch ganz anders kommen könne. Folglich blieb hinterher die Frage: Pokert da jemand verdammt gut oder scheitert der Wechsel tatsächlich?

„Wir haben unser Interesse klar signalisiert, der Spieler hat sich auch so positioniert, dass er sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen kann“, leitete Baumann seine Aussage ein. „Derzeit sieht es aber so aus, dass Schalke ihn wieder integrieren will.“ Stirne wurden gerunzelt, Augenbrauen gehoben. Das widersprach nun doch komplett dem, was in den vergangenen Tagen aus beiden Lagern zu hören war. Recht offensiv hatten Werders Verantwortliche das Thema Bentaleb zuletzt behandelt – nicht selten ein Zeichen dafür, dass der Spieler tatsächlich kommt. Nun rudert der Klub in Person von Frank Baumann recht überraschend zurück.

Kaufoption oder Kaufverpflichtung?

Strittig ist zwischen beiden Vereinen noch, ob es nach der Leihe eine Kaufoption oder eine Kaufverpflichtung geben soll. Werder möchte nur die Option haben, Schalke möchte möglichst viel Geld einnehmen. In jedem Fall liegt die Erwartung des Revierklubs für eine Ablöse im kommenden Sommer im zweistelligen Millionenbereich. Bei den Verhandlungen stand zuletzt im Raum, dass Werder Bentaleb nur dann kaufen muss, wenn die Mannschaft von Florian Kohfeldt in den Europacup einzieht. Weil die Bremer ihr Saisonziel aber auch erreichen könnten, wenn Bentaleb im grün-weißen Trikot nicht einschlägt, erscheint eine an Pflichtspiele gekoppelte Kaufverpflichtung sinnvoller.

Im Bentaleb-Poker spielt Baumann offenbar auf Zeit. Die Schalker wunderten sich, in den letzten Tagen wenig aus Bremen gehört zu haben. Dabei gibt es keine anderen Interessenten mehr. Die zaghaften Versuche französischer Vereine waren aussichtslos, nach einem Gespräch mit Kohfeldt möchte Bentaleb nur noch zu Werder. Auf Schalke geht man davon aus, dass Werder während der Leihe auch das Gehalt des Spielers komplett übernimmt. Aber auch hier scheinen noch nicht alle Parteien deckungsgleich. Bei den Königsblauen schließt man nicht aus, dass der Wechsel deshalb erst am letzten Tag der Transferperiode über die Bühne geht, also am kommenden Montag. Weil unverändert alle Parteien wollen – Werder, Schalke und der Spieler – könnte es aber auch viel schneller gehen. Nur eines kann man ausschließen: Dass Schalke den mehrfach suspendierten Bentaleb wirklich wieder integrieren möchte. Seine monatelange Reha in Frankreich wegen Leistenproblemen hat der 24-Jährige pünktlich zum Ende des Transferfensters abgeschlossen, in Gelsenkirchen darf er nun die für Vertragsspieler vorgeschriebenen medizinischen Tests absolvieren. Eine Rückkehr ins Training steht beim Revierklub jedoch nicht zur Diskussion.

Außenverteidiger kommt definitiv

Wesentlich klarer ist die Sachlage im Defensivbereich. „Wir werden definitiv einen Außenverteidiger verpflichten“, betonte Baumann. Einen genauen Zeitpunkt wollte er noch nicht nennen, dafür skizzierte er das Profil. Das hat sich nämlich verändert. Wo vorher die Priorität vielleicht eher auf einem klassischen Backup für Theodor Gebre Selassie lag, ist nun dank der personellen Umstände eine Soforthilfe nötig. „Wir müssen sehen, dass wir jemanden bekommen, der in der Bundesliga spielen kann“, sagte Baumann. Der neue Mann müsse „nachgewiesen haben, dass er in einer Topliga mithalten kann“.

Offene Worte von Werders Sportchef, die nahelegen, dass nicht mehr allzu viel Zeit ins Land gehen dürfte, bis Vollzug vermeldet wird. Womöglich pünktlich vor dem Augsburg-Spiel am Sonntag, damit die Personalsorgen zumindest etwas kleiner werden. Fest steht: Werder will einen Mann, der Rechtsverteidiger ist und notfalls auch auf der linken Seite spielen kann – die umgekehrte Variante kommt laut Baumann nicht infrage.

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