Werder Bremen Viel Arbeit und wenig Zeit

Bremen. Was nun? Der Pokal ist futsch, die Fans sind wütend, der Etat ist ausgereizt. Dabei muss es klappen in dieser Saison. Trainer Thomas Schaaf hat viel Arbeit, aber wenig Zeit.
02.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Viel Arbeit und wenig Zeit
Von Olaf Dorow

Bremen. Was nun? Der Pokal ist futsch, die Fans sind wütend, der Etat ist ausgereizt. Viele Spieler sind immer noch verletzt. Oder waren zu lange verletzt, um gleich wie gewünscht zu funktionieren. Oder sind zu neu, um gleich wie gewünscht zu funktionieren. Oder funktionieren eben einfach nicht.

Dabei muss es klappen in dieser Saison. Es muss klappen, dass Werder zurückkehrt ins internationale Geschäft. Viel zu teuer ist diese Mannschaft, um zum zweiten Mal in Folge den internationalen Wettbewerb zu verpassen. Thomas Schaaf, der Trainer, scheint vor einer Herkulesaufgabe zu stehen. Um in der griechischen Mythologie zu bleiben, könnte man auch das Bild entwerfen, wie Schaaf ähnlich dem Sisyphos den großen schweren Stein wieder dorthin rollen muss, wo er ihn schon so oft hatte: nach oben.

"Leider ist es so, dass im Moment keine Sicherheit da ist", sagt Sisyphos Schaaf. Viereinhalb Wochen Vorbereitung liegen hinter ihm. Bis auf den deplatzieren Auftritt in Southampton sei es eine gute Vorbereitung gewesen. Dann kam am Wochenende das Pokalaus gegen den Drittligisten Heidenheim. Um im Sisyphos-Bild zu bleiben: Der Stein war ganz gut in Schwung gekommen, aber nun ist er mit Karacho wieder zurückgerumpelt.

Als Thomas Schaaf mit seinen Jungs gestern Nachmittag auf den Trainingsplatz zog, konnte man das schon spüren, was hinterher analysiert wurde. Die Sicherheit, die Automatismen, wie Fußballer es oft nennen, sie waren wirklich nicht so oft da, wie sie da sein müssten, damit es verlässlich läuft. Vielleicht können sie das noch nicht, weil die Saison gerade erst losgegangen ist, weil diese Mannschaft eine neu zusammengestellte Mannschaft ist, in der noch nicht mal der neue Kapitän bestimmt worden ist. Das Problem ist: die Vorsaison. Werder scheint eine Mannschaft zu haben, die sich auch erstmal finden muss - hat aber eigentlich keine Zeit dafür.

Die Fans wollen nach der vergeigten Vorsaison nun endlich wieder Siege feiern. Möglichst Siege, die durch attraktiven Fußball zustande kamen. Ein peinliches Aus gegen einen Außenseiter in der ersten Runde des DFB-Pokals kommt nie gut. In der Situation, in der Werder Bremen derzeit steckt, kommt sie erst recht ungelegen.

Bei einem Erfolg in Heidenheim würde die öffentliche Kritik wohl etwas milder ausfallen, sollte nun der Start in die Bundesliga misslingen. Dass Werder Bremen bei all den beschriebenen Probleme vielleicht auch mit einem Misserfolg in die Liga geht, kann nicht ausgeschlossen werden. Vor dem Heidenheim-Hintergrund ist Werder am Sonnabend gegen den 1. FC Kaiserslautern aber fast schon einem Erfolgsdruck ausgesetzt, als ob Schaafs Spieler nicht für Werder Bremen sondern für Bayern München auflaufen.

Vieles klappt nicht in diesem Montagstraining. Flanken kommen nicht an, Pässe verfehlen den Adressaten. Laut ist es auf dem Platz, positiv interpretiert: lebhaft. Immer wieder unterbricht Thomas Schaaf. Spricht auf die Spieler ein. Erklärt die Laufwege. Später sagt er den Reportern, dass es für ihn sehr sehr wichtig sei, herauszufinden, warum das passiert ist, was in Heidenheim passierte.

"Und ich versuche, eine Struktur zu schaffen. Indem ich den Spielern Aufgaben an die Hand gebe." Die Leistung jedes Einzelnen werde überprüft. Schaaf warb gegenüber den Vertretern der Öffentlichkeit dafür, dieser Mannschaft, über deren Pokalniederlage er sich natürlich auch maßlos geärgert habe, angesichts der bekannten Schwierigkeiten nicht schon vor der Liga-Saison alle Chancen abzusprechen.

Es fällt ihm ja auch nicht so leicht herausfinden, warum das in Heidenheim nun so passiert ist. Warum das Team nach einem vergebenen Elfmeter den mühsam eingeschlagenen Pfad verließ. "Ich kann es Ihnen nicht erklären", sagte Schaaf zu den Reportern. Vielleicht sei der eine oder andere Spieler abgelenkt gewesen, vielleicht habe der eine oder andere Angst gehabt zu verlieren.

Eine allgemeine Überheblichkeit war schon oft genug der Grund für die Pokalblamage eines Favoriten. Das scheint aber im vorliegenden Fall eher nicht der Fall zu sein. Dazu ist die letzte Saison zu schlimm gewesen, ist die Lage zu ernst, und ist die Grundstimmung in der Mannschaft doch zu gut.

So stand gestern am späten Nachmittag, als sowohl das Training der Werderaner als auch das kleine Pressegespräch mit dem Werder-Trainer vorbei war, nur eine Erkenntnis: Es bleibt noch viel zu tun. Und es bleibt wenig Zeit es anzupacken.

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