Nach Bartels-Verletzung

Vier wollen einen Platz

Fin Bartels und Max Kruse – das war ein Duo, das so gut funktionierte, dass niemand bei Werder auf die Idee gekommen wäre, es zu trennen. Nach Bartels' Verletzung entbrennt ein neuer Konkurrenzkampf.
10.12.2017, 18:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Cedric Voigt

Am Sonntag bestätigte Werder die unheilvolle Diagnose – Achillessehnenriss bei Fin Bartels, wohl das Saisonaus. Damit ist klar: Der 2:1-Erfolg in Dortmund wurde teuer erkauft. Neben der für den Spieler persönlich frustrierenden Nachricht leidet auch die Mannschaft erheblich unter Bartels‘ Ausfall. Niemand im Kader verbindet Tempo und Geradlinigkeit so wie Bartels, dessen blindes Verständnis mit Sturmpartner Max Kruse in den letzten Spielen bereits wieder an die herausragende Rückrunde der Vorsaison erinnerte.

Für mindestens drei Spiele muss Werder Bartels nun ersetzen, ehe sich im Winter die Möglichkeit eröffnet, mit einem externen Neuzugang nachzulegen. Die Stürmer und Flügelspieler aus Werders zweiter Reihe lauern nun auf ihre Chance – doch jeder von ihnen bringt andere Fähigkeiten mit, die wohl eine Umstellung des Spielstils nach sich ziehen würden. Wir haben uns die Kandidaten für eine kurzfristige Bartels-Nachfolge angeschaut und analysiert, wie sie die Rolle des Außenstürmers interpretieren könnten.

Von der Bank in die Startelf?

Florian Kainz durfte Bartels als Einwechsler gegen Dortmund vertreten. Auf den ersten Blick erscheint Kainz wie die logische Wahl: Mit ebenfalls 1,75 Metern Körpergröße und einem guten Antritt bringt Kainz rein körperlich etwa diesselben Voraussetzungen mit wie Bartels. Spielstilistisch unterscheidet sich der Österreicher jedoch deutlich: Kainz fehlt Bartels Direktheit, auch Läufe hinter die Abwehr sieht man von ihm selten. Am liebsten hat es Kainz, wenn er selbst den entscheidenden Pass spielen oder eine Flanke mit Zug zum Tor schlagen kann. Man könnte es auch so ausdrücken: Bartels ist ein Außenstürmer, Kainz ein äußerer Mittelfeldspieler. Sollte Kainz die Position einnehmen, würde Max Kruse noch stärker in den Fokus von Abschlusssituationen rücken.

Izet Hajrovic wäre die positionsbezogene Variante: Wie Bartels ist der Bosnier grundsätzlich ein Rechtsaußen. Je weiter Hajrovic jedoch im Zentrum agieren muss, desto weniger wohl fühlt er sich: Der 26-Jährige ist sehr stark auf seinen linken Fuß festgelegt. An der Seitenlinie ist diese Präferenz leichter zu verschmerzen als in der Mitte – während Hajrovic auf dem Flügel oft lediglich gegen einen Gegenspieler steht, dribbeln und in Arjen-Robben-Manier nach innen ziehen kann, ist das Spielgeschehen zentral deutlich komplexer. Bartels‘ Schuss mag nicht so wuchtig sein wie der von Hajrovic, in puncto Vielseitigkeit und Aktionsradius ist Bartels dem zweiten Rechtsaußen im Werder-Kader jedoch klar voraus.

Eine unkonventionelle Besetzung des rechten Flügels entstünde durch Ishak Belfodil. Der Algerier sieht sich selbst im offensiven Mittelfeld. In seinen bisherigen Einsätzen als Stürmer für Werder wich Belfodil gerne auf die Außenposition aus. Sollte er als Rechtsaußen starten und regelmäßig in den Strafraum einrücken, könnte Werder endlich Ludwig Augustinssons Hereingaben von links besser nutzen und hätte endlich einen kopfballstarken Angreifer auf dem Feld. Aber: Im Direktspiel und im Antritt ist Belfodil klar unterlegen. Auch in der Defensivarbeit müsste er sich steigern.

Überraschungskandidaten aus den USA

Bleibt Aron Jóhannsson. Der ehemalige US-Nationalspieler wähnte sich schon als möglicher Gewinner des Trainerwechsels zu Florian Kohfeldt, ehe ihn Knieprobleme ausbremsten. Sollte Jóhannsson wieder fit werden, könnten ein ordentliches Grundtempo und eine Prise Spielwitz ihn durchaus zu einem aussichtsreichen Kandidaten für Bartels‘ Planstelle machen. Jóhannsson ist der einzige im Bunde der möglichen Nachrücker, der sich selbst als Stürmer sieht – für das Zentrum fehlte ihm jedoch auf Bundesliganiveau bislang die Robustheit. Ob Jóhannsson als nach rechts versetzte zweite Spitze jedoch mehr überzeugen könnte, bleibt schwer zu prognostizieren.

Eher eine Wildcard als ein realistischer Kandidat ist Isaiah Young: Der 19 Jahre alte US-Stürmer verdrängte in Werders U23 jüngst Johannes Eggestein – zumindest für eine Partie. Young ist ein Hochgeschwindigkeitsdribbler, wie er dem Spielertyp Bartels noch am ehesten gleichkommt. Aber: Das Talent konnte seine gute Form aus der letztjährigen A-Jugend-Saison in der kriselnden U23 noch nicht so zeigen, trifft oft noch übermütige und unpassende Entscheidungen am Ball. Bundesligafußball dürfte für den Teenager noch deutlich zu früh kommen. Für die Zukunft sollte man Young jedoch auf dem Zettel haben.

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