Völler, Rolfes, Steidten

Das Bayer-Führungstrio mit Werder-Vergangenheit

Mit der Partie in Leverkusen trifft Werder Bremen am Samstagnachmittag auch auf ein Stückchen Vergangenheit. Denn gleich drei Mitglieder der Bayer-Führungsetage kickten einst für die Grün-Weißen.
09.01.2021, 13:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Es ist nicht überliefert, ob auf der Führungsetage in der BayArena der allseits gebräuchliche Gruß inzwischen zum Standardvokabular gehört. Verwunderlich wäre es nicht, wenn das zackige „Moin“, in norddeutschen Landen zu jeder Tages- und Nachtzeit angebracht, häufiger zu hören wäre. Schließlich hat ein Großteil der Bosse bei Bayer Leverkusen während der mehr oder weniger ausgiebigen Zeit bei Werder Bremen reichlich Bekanntschaft gemacht mit der Formel. Und sie kamen wahrlich nicht drumherum, dieses bekannte „Moin“ zu gebrauchen.

Das Trio, von dem hier die Rede sein soll, weist eine Vergangenheit bei Werder Bremen auf. An erster Stelle steht natürlich Rudi Völler, der Bayer-Geschäftsführer, er trägt den populärsten Namen und ist die bekannte Größe. Der Weltmeister von 1990 und Teamchef der Nationalelf, die 2002 in Asien bei der WM den zweiten Platz belegte, spielte von 1982 bis 1987 für die Grün-Weißen, wo er schon vor seinen herausragenden Erfolgen als Profi in Italien und Frankreich Heldenstatus genießt. Bei Bayer Leverkusen startete er als Funktionär nun seine zweite Karriere, nicht minder spektakulär, dort beendete er seine aktive Laufbahn 1996 nach zwei Spielzeiten.

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Sein Gehilfe im Management des Werksvereins wurde bei Werder groß und zum Profi ausgebildet. Erst bei den Junioren, danach bei den Amateuren, schließlich mit überschaubarem Erfolg bei den Profis trug Simon Rolfes das Trikot mit der Raute. Seine Bilanz: null Einsätze in der Bundesliga für Bremen. Der 38-Jährige, geboren im Münsterland, drehte erst auf bei Zweitligist Alemannia Aachen und sodann beim Erstligisten Leverkusen, wo er zum Nationalspieler avancierte.

Und schließlich der große Unbekannte in dem Trio: Tim Steidten, aktiv fußballerisch bei Werder Bremen nur in der Jugend in Erscheinung getreten, nach einem Ausflug in die USA nach Seattle dafür in der näheren und weiteren Umgebung, in Oberneuland und Oldenburg sowie in Meppen erfolgreicher, machte er sich einen Namen in der Nachwuchsarbeit und diente sich hoch bis zum Chefscout und Kaderplaner. Am Ende seiner Karriere bei Werder, nach dem Abschied von Rouven Schröder nach Mainz 05, rückte der 41-Jährige weiter auf und avancierte zur rechten Hand des Managers Frank Baumann. Im Sommer 2019 ertönte der Lockruf aus Leverkusen, Simon Rolfes wollte den Kaderplaner von der Weser an den Rhein lotsen. Steidten, längst zu einem Urgestein bei Werder aufgerückt, nahm das Angebot an.

Die Drei von der Weser leiten seit über einem Jahr nunmehr gemeinschaftlich die Geschicke unter dem Bayer-Kreuz. Durchaus produktiv, wie die Resultate zeigen, wenngleich auch in der Ära der „Werder-Experten“ Bayer den Makel des „Vize-Kusen“ nicht ablegen konnte. Wie damals auch Bremen in der Anfangsphase der Zeit mit Otto Rehhagel, als dieser im Wettstreit mit seinem Gegenspieler Udo Lattek und den Münchner Bayern zum „ewigen Zweiten“ wurde. Erst der Titelgewinn 1988, übrigens in der Saison nach Superstar Rudi Völler, von einem begeisternd auftrumpfenden Kalle Riedle bestens ersetzt, tilgte diesen Defekt.

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Darauf wartet Bayer Leverkusen noch. Noch nie Deutscher Meister, obwohl es 2002 so greifbar nahe war – Stichwort Unterhaching. Die letzten Titel in der Chronik: 1993 Pokalsieger, 1988 UEFA-Cup-Sieger. Die letzte Chance im letzten Jahr wurde abermals verspielt: Niederlage im Pokalfinale gegen Bayern. Völler muss weiter warten. Wie in damals in Bremen ist dem Rudi in seiner neuen Heimat Leverkusen kein großer Erfolg vergönnt.

Doch sie setzen weiter auf den Input aus der Hansestadt. Simon Rolfes, der Sportdirektor und designierte Nachfolger von Völler als Geschäftsführer, unterstreicht dies. „Ich glaube“, erklärte Rolfes in einem Interview mit der Deichstube, „dass die Werder-Mentalität Bayer gut tut.“ Auch der an der Weser immer noch gern gesehene „Rudi Nationale“, der auch in diesen Breiten Heldenstatus („Es gibt nur ein Rudi Völler...“) erlangt, sieht durchaus positive Effekte, für die die Bremer Filiale bei dem Europa-League-Teilnehmer steht.
Gemeinsamkeiten zwischen Werder und Bayer? „Es gibt viele Gemeinsamkeiten“, behauptet Rolfes. Die Klubs ähneln sich in ihrer Struktur, weisen ein familiäres Klima auf, wie es bei den anderen Vereinen in dieser Größenordnung und Klasse nur selten anzutreffen ist. Dabei haben sich im Laufe der Zeit, erst recht im letzten Jahrzehnt die Gewichte grundsätzlich verschoben – eindeutig zu Gunsten der Rheinländer. Bayer Leverkusen ist eine große Nummer in der Liga, Werder Bremen nur noch ein kleines Licht, das mehr oder weniger nur noch sachte flackert.

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