Kohfeldt über ersten Test am Sonntag

Von 0 auf 100 Minuten gegen die Kaizer Chiefs

Florian Kohfeldt ist vor dem ersten Test des Trainingslagers am Sonntag sehr zufrieden mit der Arbeit seiner Mannschaft. Gegen die Kaizer Chiefs trifft Werder auf einen alten Bekannten aus der Bundesliga.
05.01.2019, 22:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Jannik Sorgatz
Von 0 auf 100 Minuten gegen die Kaizer Chiefs
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Nein, eine Rückkehr als Trainer nach Deutschland komme nicht infrage, hat Ernst Middendorp vor ein paar Jahren gesagt, „ich habe keinerlei Ambitionen, mein Leben langweilig werden zu lassen." Arminia Bielefelds Jahrhunderttrainer kann mittlerweile auf eine echte Weltenbummler-Karriere zurückblicken. In Ghana hat er gearbeitet, im Iran, auf Zypern, in China, bis vor Kurzem in Thailand, aber in keinem Land machte der 60-Jährige so oft Station wie in Südafrika, das längst seine zweite Heimat geworden ist. Kein Wunder, dass Middendorp vor einem Monat schon zum zweiten Mal bei den Kaizer Chiefs angeheuert hat, dem Klub, gegen den Werder am Sonntag (15 Uhr MEZ) das erste Testspiel des Jahres austrägt.

Die Kaizer Chiefs, 1970 in Soweto gegründet, sind neben den Orlando Pirates wohl das unter deutschen Fußball-Fans bekannteste Team aus Südafrika. Was Werder für eine Partie erwarten kann gegen den 13-maligen Meister, ist allerdings nicht ganz so bekannt. Die südafrikanische Liga ist nach einer kurzen Winterpause direkt in eine Englische Woche gestartet. Am Sonnabend hatten die Kaizer Chiefs ein Heimspiel gegen die Mamelodi Sundowns.

Das Ziel ist die Tiefe

Middendorp saß übrigens im September 2007 bei Bielefelds 1:8 gegen Werder auf der Bank, es war eines seiner letzten Spiele als Bundesligatrainer. Zwar vereint ihn mit Florian Kohfeldt die Tatsache, dass er nie Fußballprofi war, aber Middendorp stammt trotzdem aus einer völlig anderen Epoche der Bundesliga-Historie. Kohfeldt bereitet Werder in Südafrika zum zweiten Mal auf eine Rückrunde vor, allerdings fußt das Erreichte zum ersten Mal auf einer Hinrunde, die er komplett zu verantworten hatte. Der 36-Jährige hat, wie er gegenüber Mein Werder sagte, mit seiner Mannschaft direkt in den ersten Tagen einen „harten Block“ abgearbeitet. „Mit den ersten vier Einheiten bin ich taktisch sehr zufrieden“, sagte Kohfeldt. Der wichtigste Inhalt: Besser in die Tiefe kommen. „Die Zwischenräume haben wir schon gut bespielt, aber was dann passiert, ist der nächste Schritt. Das versuchen wir, zu systematisieren“, sagte Kohfeldt.

Gegen die Kaizer Chiefs stehen am Sonntag nicht die üblichen 2x45, sondern 4x25 Minuten auf dem Programm. „Zwei Halbzeiten wären von der Belastung her schon gut gewesen. Wir werden zwei unterschiedliche Mannschaften auf den Platz bringen. Aber der Gedanke hinter den 4x25 Minuten ist, dass wir jeweils noch eine kurze Pause zusätzlich haben“, erklärte Kohfeldt. „Da werden wir aber nicht in die Kabine gehen, sondern uns kurz besprechen.“ Unabhängig von der Qualität des Gegners findet der Trainer ein paar Testspiele in der kurzen Vorbereitung sinnvoll. Was er seinen Spielern mit an die Hand gegeben hat, lässt sich eben realistischer umsetzen, wenn der Gegner nicht mit an der Taktiktafel gestanden hat. Nach einem kräftigen Regenguss ist das Spiel ins 94.000 Zuschauer fassende FNB Stadium verlegt worden, wo sich Spanien bei der WM 2010 den Titel sicherte. Der Trainingsplatz in Randburg soll geschont werden.

Pizarro und Co. scouten die Chiefs

„Wir wollen in den Tests in erster Linie sehen, wie weit wir physisch und taktisch sind“, hat Werders Abwehrchef Niklas Moisander angekündigt. Für ihn und seine Kollegen standen am Ende des dritten Tages in Johannesburg noch Steigerungsläufe an, allzu frisch werden die Beine am Sonntag nicht sein. Immerhin ging es rechtzeitig vor dem ersten Wolkenbruch des Trainingslagers in den Bus.

Vor dem Testspiel werden vormittags keineswegs die Beine hochgelegt. Kohfeldt bittet zu einer Einheit auf den Platz, in der er sich ein weiteres Das-muss-besser-werden-Thema vornehmen will: Standards. „Vor allem offensive (Standards, Anm. d. Red.) werden auf dem Programm stehen. Bei denen ist in der Hinrunde nicht genug Ertrag rausgekommen“, sagte der Trainer.

Nach dem Spiel gegen die Kaizer Chiefs ist aber wirklich mal einen Tag Ruhe angesagt. Am Montag geht es dann auf Mini-Safari oder ins Apartheid-Museum. Etwas mehr als ihre Kollegen konnten Claudio Pizarro, Theodor Gebre Selassie und Sebastian Langkamp am Samstag von Johannesburg sehen. Sie schauten sich mit einer Delegation um Sportchef Frank Baumann und Präsident Hubertus Hess-Grunewald die Partie der Chiefs im FNB Stadium an. Dabei hatten sie auf jeden Fall mehr Spaß als Ernst Middendorp und seine Mannschaft. Die Chiefs verloren 1:2 gegen die Mamelodi Sundowns. Die Schlagzeilen der lokalen Sportzeitungen, ob Middendorp der richtige für die Chiefs sei, werden so nicht verschwinden. Aber der Trainer wollte Langeweile ja ohnehin vermeiden.

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