Zurückgeblättert: 7. Juli 2004

„Von Beruf Werder-Fan“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
30.06.2019, 11:18
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Von (mw)
„Von Beruf Werder-Fan“
Weser-Kurier Archiv

Am 7. Juli 2004 schrieb der WESER-KURIER:

Es gibt solche und solche unter den Werder-Fans. Stille Daumendrücker genauso wie den Typ heißblütiger Südländer. Den Fan, der Werder klasse findet weil es derzeit schick ist. Oder aber den treuen Anhänger, der mit seinem Club durch dick und dünn ging und geht. Und es gibt Hans Sodke. Den Edelfan schlechthin. Der Mann toppt alles, was sich Werder-Fan nennt. Und zwar um Längen.

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, der kann dies in genau einer Woche tun: Am Mittwoch, den 14. Juli, hier im Landkreis. Dann sind die Profis von Werder Bremen um 19 Uhr beim Landesligisten SV Blau-Weiß Bornreihe zu Gast. Gesponsort vom Möbelhaus Meyerhoff, anlässlich der Einweihung des Vereinsheimes in Bornreihe. Die Partie findet natürlich statt unter der Aufsicht von Hans Sodke, denn der ist immer genau dort, wo Werder gerade ist. Derzeit auf Norderney, in Kürze im Teufelsmoor, schon bald vielleicht in Madrid, Manchester, Mailand oder Moskau. Die Champions League ruft.

Hans Sodke kennt die Macher in Bomreihe. Der 55-Jährige weilt oft auf dem Campingplatz an der Teufelsmoorschleuse. In Berlin beim Pokalendspiel hat der Hardcore-Fan, der sich selbst als „ein bisschen durchgeknallt" bezeichnet, dem Bornreiher Vorsitzenden Jan Flathmann angeboten, persönlich die Werbetrommel für das Gastspiel des Deutschen Meisters und Pokalsiegers bei Posteis zu rühren. Gesagt - getan. Wahrscheinlich war das aber kaum notwendig, das Spiel des Jahres stößt ohnehin auf riesiges Interesse. Rund eineinhalb Wochen vor der Partie waren bereits gut 2000 Karten verkauft. Gut möglich, dass rund 3000 Zuschauer kommen, vielleicht sogar noch mehr. Dann wird es knuffig eng bei Posteis. Aber eng ist gemütlich.

Keine Frage, einen besseren Zeitpunkt hätte es nicht geben können für das ungleiche Duell der Moorteufel mit dem Doublegewinner. Am 14. Juli wird Hans Sodke natürlich mit seinem liebsten grün-weißen Spielzeug
kommen: Mit dem mittlerweile schon legendären Werder-Polo, Baujahr 99. Alles in grün-weiß - vom Kerzenstecker bis zum Heckspoiler. Noch lieber wäre er mit dem Vorgänger gekommen, Baujahr 75. Sodke: „Aber da ist mir einer reingefahren. Da konnte ich nur noch die Haube retten." Wer Lust hat, kann den 56-Jährigen in Bomreihe ja mal ansprechen. Aber Vorsicht, wer Hans Sodke nach Werder fragt, der tritt eine Lawine los, der sorgt für einen Redeschwall ohne Punkt und Komma.

Selbst zu Wort kommen ist praktisch ausgeschlossen. Dafür hat das Werder-Unikum viel zu viel zu erzählen. Und das tut er gern, gestenreich und mit viel Herzblut. Dann wird auch sein Werder-Zahn sichtbar: Das grüne Werder-W auf dem Schneidezahn. Wie lässt sich ein solches Leben finanzieren? Das muss doch alles eine schöne Stange Geld kosten, den Profis über den kompletten Globus hinterherzureisen und stets in den edelsten Hotels zu logieren. „ Ich bin finanziell unabhängig. Ich habe mal viel Glück gehabt. Das ist alles sauber angelegt", sagt Hans Sodke, von Beruf Werder-Fan. So lässt sich ein Leben leben, passend zur Meister-Hymne der Deutschmacher: Werder Bremen - lebenslang grün-weiß.

Das hochauflösende PDF von der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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