Eine Bilanz der Vorbereitung Von Gewinnern und Verlierern

Nach sechs Wochen endet mit dem Pokalspiel gegen Delmenhorst die Vorbereitung. Der WESER-KURIER zieht eine Bilanz und sagt, wer sich in den Vordergrund gespielt hat - und wer enttäuscht hat.
07.08.2019, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Gewinnern und Verlierern
Von Christoph Sonnenberg

Der Start ist wie gemalt: Sonnabendabend, Flutlicht, Anpfiff um 20.45 Uhr, angenehme Temperaturen und das erste Pflichtspiel ist mit 42100 Zuschauern ausverkauft. Werders Auftakt in die Saison beginnt mit dem Pokal-Derby gegen Atlas Delmenhorst. Geht es besser? Es ist angerichtet, der Ball kann endlich wieder rollen.

Auch die ersten vier Gegner in der Bundesliga, Düsseldorf, Hoffenheim, Augsburg und Union Berlin, sind lösbar. Zumindest auf dem Papier. Doch was bleibt, ist die Frage, die keiner beantworten kann – und sei er auch noch so lange im Fußball dabei –: Wie weit ist die Mannschaft? Ist sie ausreichend vorbereitet? Wie ist der tatsächliche Leistungsstand?

Florian Kohfeldt hat mehrere Fazits gezogen. Zwei Trainingslager liegen hinter der Mannschaft, in Zell am Ziller in Österreich und Grassau am Chiemsee. Sieben Testspiele standen auf dem Programm, zwei davon wurden verloren (0:3 gegen Karlsruhe; 0:1 gegen Osnabrück), drei gewonnen (1:0 gegen Tirol; 1:0 gegen Köln, 4:0 gegen Eibar). Zusammengefasst ist er zufrieden mit der Vorbereitung, warnt aber vor zu großen Erwartungen: „Eine gute Frühform bringt keine Punkte."

Gut sechs Wochen hat die Vorbereitung gedauert. Der WESER-KURIER hat diese Phase intensiv begleitet und beleuchtet. Kurz vor dem Start nennt er drei Gewinner der Vorbereitung und warum sie Hoffnung auf eine gute Saison machen. Und er nennt zwei Verlierer, die die Erwartungen nicht erfüllen konnten.

Die Gewinner

Niclas Füllkrug

Zwischenzeitlich hörte es sich an, als wolle Florian Kohfeldt seinen neuen Mittelstürmer ein wenig ausbremsen. „Wir brauchen ein bisschen Geduld. Mich würde überraschen, wenn er gegen Düsseldorf in der Startelf stünde", sagte Kohfeldt. Ein Satz, der auch an Füllkrug adressiert war. Denn der gab so viel Gas im Training, dass er vom Trainer gebremst werden musste. Nur nicht zu viel tun, bloß keine Überlastung.

Über Füllkrug schwebt die stetige Frage: Halten die Knie? Nach drei Knorpelschäden, beide Knie waren betroffen, keine Selbstverständlichkeit. Aber es gibt keine Probleme. Füllkrug, der zuletzt Mitte Dezember 2018 für Hannover in der Startelf stand, strotzt vor Willen und Motivation. „Das Knie ist überhaupt kein Thema mehr", sagt Kohfeldt. Trotzdem bleibt der Trainer vorsichtig.

Auch wenn es noch ein wenig dauern wird, bis er das höchste Leistungslevel erreicht, deutet Füllkrug an, dass er eine der Schlüsselfiguren der Saison werden kann.

Marco Friedl

Seine Entwicklung vom Ergänzungs- zum Stammspieler verlief rasend schnell. Da Sebastian Langkamp und Milos Veljkovic verletzt fehlen, vollzog sich dieser Schritt schneller als geplant. Kohfeldt wollte den Österreicher häufiger einsetzen, jetzt kommt er nicht mehr drum herum, ihn in jedem Spiel aufzustellen. Zuletzt meist als Linksverteidiger für den angeschlagenen Ludwig Augustinsson, in der Liga aber ganz sicher in der Innenverteidigung. Eine Karriere im Zeitraffer.

Beim Trainer genießt Friedl großes Vertrauen, von allen Verteidigern im Kader bescheinigt er ihm die größte Zukunft bei Werder. Niklas Moisander, 33-jähriger Abwehr-Chef sieht das ähnlich. –„Marco hat gezeigt, dass er sehr viel Potenzial hat, ein sehr guter Spieler ist„, sagte der Finne kürzlich. „Dieses Jahr kann er einen weiteren Schritt machen und mehr spielen – neben mir.“

Yuya Osako

Wenn Kohfeldt im Kreis von Journalisten über den Japaner spricht, schaut er oft in etwas ratlose Augen. Aus seiner Vorliebe für Osako macht der Trainer keinen Hehl, er gerät mitunter ins Schwärmen. „Überragend„ oder „unglaublich“ sind Begriffe, die Kohfeldt dann gebraucht. Nicht jeder Journalist teilt seine Sicht. Das hat sich in den vergangenen Woche geändert.

Ohne Turnier in den Bein, dafür mit viel Urlaub, wirkt Osako deutlich präsenter. Er ist einer der Spieler, die vom Abschied Max Kruses profitieren. Osako sei „frisch und frei„, sagt Kohfeldt. Und er habe im Zentrum des Spiels seinen neuen Platz gefunden: „Das ist nun mal seine Idealposition.“ Kohfeldt freut sich darauf, dass Osako seine Zweifler überzeugt

Die Verlierer

Martin Harnik

Vor einem Jahr, Harnik war gerade aus Hannover nach Bremen gewechselt, war die Frage, wie gewichtig seine Rolle werden würde. Er selbst formulierte forsch den Anspruch, ein Führungsspieler sein zu wollen. Jetzt geht es nur noch um die Frage, ob Harnik bei Werder ein Dasein als Bankdrücker fristet, oder ob er doch noch eine neue Herausforderung annimmt.

Kohfeldt hat sich klar positioniert, Harnik wird über die Rolle eines Ergänzungsspieler nicht hinauskommen. Mit Füllkrug, Osako, Milot Rashica und auch Josh Sargent hat Harnik mindestens vier Spieler vor sich. Claudio Pizarro, den Joker für besondere Momente nicht zu vergessen. Akzeptiert Harnik diese Rolle, kann er bleiben, lehnt er sie ab, muss er gehen. Werders Finanzen täte ein Verkauf gut, 2 Millionen Euro Ablöse soll Harnik kosten. Und zwei Millionen Euro Gehalt pro Jahr bis 2021 würde der Klub sparen. Geld, das Werder auf dem Transfermarkt mehr Handlungsspielraum geben würde.

Milos Veljkovic

Wer die ganze Vorbereitung verletzt ist, kann nicht für sich werben. Veljkovic fällt aufgrund einer Zehen-OP seit Wochen aus und wird noch mindestens bis Mitte September fehlen. Eine unglückliche wie ungünstige Voraussetzung, sich in die erste Elf zu spielen. Seinen Stammplatz hatte der Serbe bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison verloren.

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