Die besten Duelle zwischen Werder und dem VfB

Von Meisterschaften, Rangeleien und Torfestivals

Zum 101. Mal treffen Werder und Stuttgart am Sonnabend in der Bundesliga aufeinander. Die bisherigen Duelle der beiden Teams lieferten mehrere ungewöhnliche Geschichten.
01.12.2017, 11:56
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Von Meisterschaften, Rangeleien und Torfestivals
Von Christoph Bähr

Werder gegen Stuttgart – das ist zwar kein Derby, aber ein ganz gewöhnliches Spiel ist es auch nicht. Wenn es zum Nord-Süd-Duell kam, ging es in der Vergangenheit häufig hoch her. 100 Bundesliga-Partien zwischen den beiden Mannschaften gab es bereits. Werder und Stuttgart gewannen jeweils 34 davon. In den Spielen wurden Meisterschaften entschieden, ungewöhnlich viele Tore erzielt oder es gab auch mal ordentlich Streit. Hier sind die sieben denkwürdigsten Duelle zwischen dem SVW und dem VfB.

19. Mai 1984: Ihre erste Deutsche Meisterschaft nach der Bundesliga-Gründung machten die Stuttgarter durch einen 2:1-Erfolg im Bremer Weserstadion praktisch perfekt. Asgeir Sigurvinsson und Hermann Ohlicher trafen am 33. Spieltag für die Schwaben, Benno Möhlmann für Werder. Die Bremer ärgerten mit der Niederlage ihren Erzrivalen Hamburger SV, der mit Stuttgart um den Titel kämpfte und parallel gegen Frankfurt mit 0:2 unterlag. Am letzten Spieltag mussten die zweitplatzierten Hamburger somit mindestens 5:0 in Stuttgart gewinnen, um noch Meister zu werden. Am Ende siegte aber der VfB um Trainer Helmut Benthaus mit 1:0 und konnte feiern.

26. April 1986: Die verpasste Meisterschaft 1986 ist im kollektiven Werder-Gedächtnis mit einer Szene verknüpft: Michael Kutzops verschossenem Elfmeter am vorletzten Spieltag gegen die Bayern. Hätte er verwandelt und nicht den Pfosten getroffen, wären die Bremer vorzeitig Meister gewesen, doch die Partie endete 0:0. Was viele angesichts dieser Dramatik vergessen: Tatsächlich verspielt hat Werder den Titel am letzten Spieltag in Stuttgart. Kutzops Fehlschuss hin oder her – schon ein Remis beim VfB hätte gereicht, um die Bayern trotzdem auf Distanz zu halten. Werder verlor jedoch mit 1:2. Karl Allgöwer ließ die Bremer Meisterträume mit einem Doppelpack platzen, Manfred Burgsmüllers Anschlusstreffer kam zu spät. Da der FC Bayern parallel einen 6:0-Kantersieg gegen Mönchengladbach feierte, sicherten sich die Münchener aufgrund des besseren Torverhältnisses die Meisterschale. Und der Unglücksrabe Kutzop? „Ich fühlte mich furchtbar und hatte den kompletten Sommer einen totalen Durchhänger“, erzählte er später.

5. Juni 1993: Es gab viele Parallelen zum Titelkampf im Jahr 1986. Wieder lag Werder vor dem letzten Spieltag vorne. Wieder saßen die Bayern den Bremern im Nacken. Und wieder ging es am letzten Spieltag nach Stuttgart. Dieses Mal gab es allerdings ein grün-weißes Happy End. Da Stefan Kohn schon früh verletzt vom Platz musste, wechselte Trainer Otto Rehhagel seinen Joker Bernd Hobsch ein. Und der Stürmer, der erst während der Winterpause aus Leipzig gekommen war, machte das Spiel seines Lebens. Erst verwertete er einen langen Pass von Uli Borowka zum 1:0, dann bereitete er das 2:0 durch Thomas Wolter vor. Das 3:0 erzielte Hobsch wieder selbst, per Kopf. Die Bayern spielten derweil nur 3:3 auf Schalke, doch das war ohnehin egal. Durch den Sieg in Stuttgart war Werder nicht mehr einzuholen und wurde zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister. „Das war mein absoluter Höhepunkt“, jubelte Hobsch.

28. März 2004: „Wir haben heute alle gewonnen. Das war ein fantastisches Spiel“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem Abpfiff. Die 48.000 Zuschauer in Stuttgart erlebten ein Offensivfeuerwerk mit mehreren unerwarteten Wendungen. Beide Teams stürmten bedingungslos nach vorne. Marcelo Bordon schoss Stuttgart zweimal in Führung, Ivan Klasnic glich zweimal postwendend aus. Nachdem Ailton zugeschlagen hatte, lagen die Bremer plötzlich in Führung, doch Bordon und Marco Streller brachten den VfB wieder in Front. Schließlich sorgte Ailton per Abstauber für das 4:4. Das Unentschieden rettete Werder nach einer Gelb-Roten Karte gegen Christian Schulz in Unterzahl über die Zeit. Am Ende der Saison feierten die Bremer dann den Double-Triumph.

8. März 2008: Das torreichste Duell mit den Stuttgartern nahm für Werder kein gutes Ende. Gleich mit 3:6 verloren die Bremer. Matchwinner war Mario Gomez, dem drei Treffer für den VfB gelangen. Sein Sturmpartner Cacau traf zweimal, Per Mertesacker unterlief ein Eigentor. So kam es, dass Werder die drei Auswärtstore durch Hugo Almeida, Sebastian Boenisch und Markus Rosenberg nicht einmal für einen Punktgewinn reichten. Mit der Klatsche endete übrigens eine schwarze Woche der Bremer. 42 Stunden zuvor hatten sie das Hinspiel bei den Glasgow Rangers mit 0:2 verloren, was zum Ausscheiden aus dem Uefa-Cup führen sollte. Mit der Niederlage in Stuttgart verabschiedete sich Werder dann endgültig aus dem Meisterschaftsrennen. Trainer Thomas Schaaf nahm es mit Galgenhumor: „Ich habe erst mal nachgeschaut, ob der VfB Vereinsjubiläum hat, denn dann hätten sie sich zum Jubiläumsspiel mit uns einen guten Gegner eingeladen.“

15. März 2009: Jens Lehmann war gerade so richtig in Form. In den Wochen zuvor hatte Stuttgarts Torwart den Schuh von Hoffenheims Sejad Salihovic auf das Tornetz gefeuert und dem Mitspieler Khalid Boulahrouz das Stirnband vom Kopf gerissen, weil dieser ein Kopfballduell verloren hatte. In Bremen sorgte Lehmann erneut für Aufregung: Nach der Halbzeit lieferte er sich im Kabinengang eine Rangelei mit Werder-Spielmacher Diego. "Ich habe ihm gesagt, dass er ein sehr guter Spieler, aber auch ein ,Cheater‘ (auf Deutsch: Betrüger, Anm. d. Red.) ist. Einer, der täuscht und Fouls durch Täuschen schindet“, sagte Lehmann nach dem Spiel. Diego legte dem Keeper nahe, „sich darauf zu konzentrieren, die Bälle zu halten“. Schon auf dem Platz hatte der Brasilianer seinen Kontrahenten mächtig geärgert. Diego traf per Freistoß zum 1:0, soll vorher laut Lehmann aber den Ball an eine andere Stelle gelegt haben. Später bereitete der Werder-Regisseur das 2:0 durch Claudio Pizarro ebenso vor wie das 3:0 durch Markus Rosenberg, der auch den 4:0-Endstand markierte.

2. Mai 2016: Schon bei der Ankunft am Weserstadion wurde die Werder-Mannschaft von einem Meer aus grün-weißen Schals begrüßt. Es war der 32. Spieltag, es ging um den Klassenerhalt, und die Fans standen voll hinter dem Team. Die Spieler zahlten das Vertrauen zurück: Sie überrannten die Stuttgarter und siegten im bislang letzten Duell der beiden Vereine mit 6:2. Fin Bartels traf zweimal, dazu kamen ein Eigentor von Federico Barba sowie Treffer von Levin Öztunali, Claudio Pizarro und Anthony Ujah. Für Stuttgart waren Daniel Didavi und Barba erfolgreich. Pizarro schwärmte nach dem Abpfiff, es sei „eines der größten Spiele“ gewesen, das er je für Werder gemacht habe. Die Bremer kletterten durch den Kantersieg auf einen Nichtabstiegsplatz und blieben am Ende auch in der Liga, während Stuttgart abstieg.

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