Zurückgeblättert: 17. Februar 2009

„Vorhang auf für Diego“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
17.02.2019, 08:23
Lesedauer: 2 Min
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Von mw
„Vorhang auf für Diego“
Archiv WESER-KURIER

Am 17. Februar 2009 schrieb der WESER-KURIER:

Diego kam als letzter Werder-Profi zum Trainingsplatz. Er schlenderte auf die wartenden Fans zu, Kinder zumeist. Als die ihn ansprachen, lächelte Diego. Als sie ihm die Hände hinstreckten, klatschte er sie ab. Diego hatte seinen Spaß, dann zog er plötzlich das Tempo an, joggte zum Spielfeld, wo sich die Kollegen schon um Trainer Thomas Schaaf zur Übungseinheit versammelt hatten. Es war nur ein kleiner Auftritt für Diego, aber es war einer, den er, der Gefühlsfußballer, sichtlich genoss.

Dem kleinen Auftritt von gestern beim Training soll morgen ein großer folgen, wenn der noch größere AC Mailand ins Weserstadion kommt (20.35 Uhr/ZDF). Diego kann es kaum erwarten. „Ich bin glücklich“, sagt der Mittelfeldregisseur, „ich kann dann endlich wieder das tun, was ich liebe.“ Und zwar Fußball spielen unter Wettkampfbedingungen. Drei Wochen Training, schön und gut. „Aber das ersetzt kein Spiel.“ Schon gar nicht ein Spiel wie das anstehende gegen Milan – „das Stadion ist voll, der Gegner großartig, dafür leben wir Fußballer.“

Einmal in diesem Jahr, im DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund, war Diego bis dato für Werder im Einsatz, Werder gewann 2:1, Werder war gut, Diego auch. Danach, in den folgenden drei Bundesligaspielen, war Diego gesperrt. Werder spielte schlecht gegen Bielefeld (1:2), etwas besser auf Schalke (0:1) und sehr viel besser gegen Gladbach (1:1). Trotz der leicht ansteigenden Formkurve sehnt ganz Grün-Weiß die Rückkehr des kleinen Brasilianers herbei. Kapitän Frank Baumann verriet gestern auch, warum: „Diego kann ein ganzes Spiel mit einer einzigen Aktion entscheiden.“

Diego lächelt glücklich, wenn er solche Sätze hört, passt den Ball aber direkt weiter und lobt die gegnerischen Spieler in höchsten Tönen. Er spricht von Ronaldinho, von Pato und von Kaká. Ronaldinho und Pato, okay. Aber Kaká? Ist er nicht verletzt? Sein Einsatz morgen Abend unmöglich? Diego lächelt zum wiederholten Mal an diesem Tag, diesmal verschmitzter. Vor zwei, drei Tagen, so erzählt Diego, habe er noch mit seinem „Freund Kaká“ telefoniert. „Und da hat er mir gesagt, dass er auf jeden Fall gegen Werder spielen will.“

Aber selbst wenn Kaká dann doch aussetzen sollte – Milan wird auch so schon schwer genug. „Sie sind eine typisch italienische Mannschaft: Defensiv ganz stark“, sagt Diego, „und vorne brauchen sie manchmal nur eine Chance, um ein Tor zu machen.“ Was man von Werder dieser Tage nicht gerade behaupten kann. Und trotzdem beziffert Diego die Siegchancen auf 50 Prozent. Wirklich? „Wirklich. Wir haben in diesem Stadion schon Chelsea, Inter und Real geschlagen“, sagt Diego, der außerdem noch erklärt, dass er mit Werder den Wettbewerb gewinnen will. Wirklich. Eher gelangweilt nimmt er die Rolle von Milans David Beckham als „Glamour Boy“ zur Kenntnis. Auf die Frage eines Reporters, ob er, also Diego, Werders „Glamour Boy“ sei, antwortet Diego: „Die Leute gratulieren mir nicht, weil ich in irgendeinem Magazin auftauche. Die Leute gratulieren mir, wenn wir gewinnen.“ Dafür wird ein großer Auftritt morgen unumgänglich sein.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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