Kandidaten für Werder-Aufsichtsrat Oliver R. Harms: Ich garantierte sichtbare Ergebnisse

Im Gespräch mit unserer Deichstube zur Wahl des Werder-Aufsichtsrates am 5. September gibt sich Kandidat Oliver R. Harms selbstbewusst. Und er äußert eine klare Meinung zur aktuellen Geschäftsführung.
30.08.2021, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Als das Gespräch fast vorbei ist, bittet Oliver R. Harms noch um eine Schlussbemerkung. So wie im September 2020, als er vom Wahlausschuss des SV Werder Bremen angehört worden ist. „Ich habe den damals Anwesenden am Ende gesagt: Sollte ich in den Aufsichtsrat gewählt werden, garantiere ich Ihnen gute und sichtbare Ergebnisse innerhalb der ersten zwölf Monate“, erzählt der 53-Jährige und behauptet: „In meiner bisherigen Arbeit als Aufsichtsrat ist mir das immer wieder gelungen – egal, in welcher Branche.“

Im Gespräch mit unserer Deichstube, die in diesen Tagen alle sieben Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat bei der Mitgliederversammlung am 5. September vorstellt, gibt sich Harms nicht nur sehr selbstbewusst, sondern äußert auch eine klare Meinung zur aktuellen Geschäftsführung.
„Wir sind sang- und klanglos abgestiegen und haben so massive Probleme im sportlichen Bereich, dass dort meiner Meinung nach personelle Veränderungen unvermeidbar sein werden“, sagt Harms und antwortet auf die Anschlussfrage, ob er damit den Geschäftsführer Sport Frank Baumann meine, mit einem klaren „Ja“.

Der Aufsichtsrat ist zugleich auch für den kaufmännischen Geschäftsführer zuständig, also Klaus Filbry. Bei ihm gibt sich Harms wegen fehlender Informationen etwas zurückhaltender: „Ich kenne nicht die einzelnen Zielvorgaben, die der Aufsichtsrat den Geschäftsführern gemacht hat. Diese Zielvorgaben müssen dann auf dem Zielerfüllungsgrad überprüft werden. Daraus abgeleitet kann man dann Entscheidungen treffen, so auch bei Klaus Filbry.“

Diese Vorgehensweise gehört quasi zu Harms` Handwerk. Er hat nach eigenen Angaben in vielen Aufsichtsräten gesessen – vornehmlich in Asien. Aktuell ist er bei drei Unternehmen aktiv. Namen möchte Harms nicht nennen. Es geht um Vertraulichkeit gegenüber den Mandanten, den Wahlausschuss habe er aber umfangreich informiert. „Es ist mir immer wieder gelungen, mich in kurzer Zeit in komplexe Materien einzuarbeiten, dann auch Impulse zu setzen, damit die Unternehmen gute Ergebnisse erzielen können“, behauptet der Vater von zwei Kindern.

Aufgewachsen ist er in Bremen. An der Hochschule für Wirtschaft hat er Wirtschaft und Chinesisch studiert. „Ich habe fast 25 Jahre in China gelebt, spreche die Sprache gut, habe dort viele Kontakte – auch zu Unternehmen. Ich habe auch ein paar Ideen, das zu nutzen. Aber andere Dinge sind nun wichtiger“, betont Harms, der seit den 1980er Jahren Werder-Fan ist und seit 2019 wieder in Bremen lebt: „Eines der Kernthemen auf der Werder-Agenda muss die wirtschaftliche Nachhaltigkeit sein. Der Verein muss saniert werden.“ Dabei sei es wichtig, dass sich Werder in den nächsten ein, zwei Jahren auf sich selbst fokussiere und erst dann wieder etwas internationaler denke. „Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist nicht rosig, die müssen wir dringend in den Griff kriegen“, so Harms.

Er selbst will sich dabei mehr engagieren, als das für Mitglieder in diesem Kontrollgremium eigentlich üblich ist. „Ich werde ein aktiver Aufsichtsrat sein“, betont Harms: „Ich bin bereit, für mindestens ein Jahr jede Woche einen bis eineinhalb Tage für den Verein aufzuwenden. Ich halte es ansonsten nicht für möglich, den Verein wieder in die Spur zu bringen.“ Harms profitiert gerade davon, dass er wegen der Corona-Pandemie nicht so viel wie sonst beruflich reisen kann, das spare Zeit. Von seinen künftigen Kollegen erwartet er auch mehr Einsatz als von den Vorgängern. „Ein Aufsichtsrat arbeitet aus der Vogelperspektive, aber er muss auch bereit sein, in die Tiefe zu gehen.“

Harms selbst hat das zum Teil schon gemacht. Viele Prozesse bei Werder könnten optimiert werden. Zum Beispiel die Suche nach neuen Spielern oder die Entwicklung der Talente. Da empfiehlt er eine Zusammenarbeit mit Universitäten oder sich einfach mal bei erfolgreicheren Clubs wie dem SC Freiburg umzuschauen. Nach seiner Bewerbung beim Wahlausschuss hat er außerdem schon vor über einem Jahr sämtliche Fan-Clubs angeschrieben, ihnen einen Austausch angeboten. Auch künftig will er offen für Ideen von außen sein, gerne auch von den Bewerbern, die es nicht in den Aufsichtsrat geschafft haben. Harms nennt es „einen Wettbewerb von Ideen“.

Was auf keinen Fall wieder passieren dürfe, sei so eine Wette, wie sie Werder seiner Meinung nach vor zwei Jahren eingegangen ist. „Es wurde viel Geld in die Mannschaft investiert in der Annahme, so in den Europapokal zu kommen und damit das Geld für den Rückfluss zu erhalten“, erinnert sich Harms: „Die Wette ging verloren, die Folgeschäden sieht man jetzt.“ Das sei gegen alle kaufmännische Grundsätze entschieden worden. Er habe mal von einem Bremer Unternehmer den Satz gelernt: „Man muss jedes Geschäft auch überleben können.“

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