Schalke-Idol freut sich für Werders Stürmer

Waldoch: „Goller sucht das Risiko“

Auf Schalke schaffte er nicht den Durchbruch, dafür wurde Benjamin Goller nun in Bremen zum Bundesligaspieler. Beim Revierklub gehörte Tomasz Waldoch zu seinen Trainern. Er kennt seine Stärken und Schwächen.
25.09.2019, 10:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer

Die Spieler von RB Leipzig schreckt so schnell nichts. Gerade in der Abwehr hat der Spitzenreiter einige Profis unter Vertrag, die dermaßen groß, schnell und physisch stark sind, dass man als Stürmer lieber einen weiten Bogen um sie macht. Doch ein paar Tage nach ihrem 2:1-Sieg in der Champions League bei Benfica Lissabon mussten sich selbst diese Leipziger Hühnen mal kurz sortieren. Mit der Rückennummer 39 rannte ihnen im Weserstadion recht nervig ein junger Spieler vor der Nase rum, den sie überhaupt nicht kannten: Benjamin Goller. Es dauerte etwas mehr als eine Viertelstunde, bis sie ihr Problem mit dem 20-jährigen Bremer weitgehend gelöst hatten und ihn nur noch in den Räumen spielen ließen, die sie ohne größere Torgefahr kontrollieren konnten.

Doch bei so manchem frechen Dribbling des jungen Goller wird sich auch der ein oder andere Leipziger gefragt haben: Wo hat Werder den denn her? Die Antwort lautet: Aus der Oberliga Westfalen. Mit der U23 von Schalke 04 ging Goller vergangene Saison weit unterhalb des richtigen Profifußballs auf Tour, am Ende hatte Goller in elf Spielen ein Tor und eine Vorlage zum Aufstieg in die Regionalliga beigetragen. Sein Co-Trainer in der Schalker U23 hieß Tomasz Waldoch, Schalker Ehrenspielführer und langjähriger Kapitän. „Der Benni hat schon bei uns seine Qualitäten angedeutet“, erzählt Waldoch im Gespräch mit dem WESER-KURIER und beschreibt Goller so, wie man ihn nun auch bei seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga erlebte: „Der Junge ist sehr schnell und viel in Bewegung. Ein technisch starker Spieler mit einer sehr guten Ballbehandlung. Ein gutes Dribbling und Finten zeichnen sein Spiel aus.“

„Er hat bei den Profis trainiert“

Diese Qualitäten führten Goller schon lange vor seinem Bundesligadebüt in Bremen bis in die Champions League. Schalkes damaliger Trainer Domenico Tedesco vertraute dem jungen Angreifer beim 1:0-Heimsieg gegen Lokomotive Moskau sogar einen Platz in der Startelf an. „Er hat bei den Profis trainiert und dann am Wochenende bei uns gespielt“, berichtet Waldoch, „das war vielleicht etwas undankbar für ihn. Er wusste nicht so richtig, wo er hingehört.“

2016 war der gebürtige Reutlinger aus der Jugend der Stuttgarter Kickers in die berühmte Schalker Knappenschmiede gewechselt. Im königsblauen Trikot hinterließ er in der U19-Bundesliga prompt markante Spuren. In 52 Spielen auf diesem Niveau schoss er 16 Tore und bereitete 24 vor. In der Folge waren es vor allem Verletzungsprobleme, die seinen Durchbruch auf Schalke nicht gerade begünstigten. „Er war leider oft angeschlagen wegen muskulärer Probleme“, erklärt Waldoch, „ich würde ihm wünschen, dass er jetzt hart an seiner Physis arbeiten kann und mal vier bis sechs Monate gesund bleibt und zu Einsätzen kommt, damit er Konstanz in seine Entwicklung bekommt.“ Das Problem ist im Fußball bekannt: Gerade solche Spieler wie Goller, die von der Schnelligkeit leben, haben manchmal muskuläre Probleme. Waldoch weiß aus seiner eigenen, internationalen Profikarriere: „Immer mal ein- oder ausgewechselt zu werden oder wieder ein paar Spiele zu fehlen, das bringt ihn auf Dauer nicht weiter.“ Ein Problem, dass sich leider auch bei Werder schon bemerkbar machte, als Goller in der Saisonvorbereitung wegen eines Muskelfaserrisses mehrere Wochen ausfiel.

„Bei Schalke war die Konkurrenz groß“

Zuvor hatte Goller die Schalker ablösefrei verlassen, auch wegen der großen Konkurrenz auf seiner Position. „In einem Verein wie Schalke gibt es in jedem Jahrgang viele gute Spieler“, sagt Waldoch, „bei uns hatte er große Konkurrenz, gerade auf den offensiven Außenbahnen.“ Trotzdem verbindet sein Co-Trainer rein fußballerisch vor allem positive Dinge mit Goller. „Er fordert den Ball und will immer Aktionen haben und am Spiel beteiligt sein“, lobt Waldoch, „das ist natürlich ein großer Vorteil gegenüber Spielern, die sich in manchen Situationen eher verstecken. Benni sucht das Dribbling und das Risiko. Natürlich klappt das nicht immer, das gehört bei dieser Spielweise aber dazu.“ Wenn man etwas bemängeln könnte, dann wäre es, „dass er seine Defensivarbeit noch verbessern kann“. Aber das sei normal bei offensiven Spielern, gerade in diesem Alter, „das gehört dann zur weiteren Entwicklung dazu“.

Gerne ein Tor gegen Dortmund

Als die Schalke-Legende mitbekam, dass Goller für Werder – natürlich auch wegen der vielen verletzten Stammspieler – zunächst gegen Union Berlin seinen ersten Kurzeinsatz feierte und dann gegen Leipzig sogar durchspielte, hat das Waldoch „sehr gefreut“, wie er betont: „Dass Benni Fußball spielen kann und auch die Qualität hat, sich vielleicht in der Bundesliga durchzusetzen, das hat man auch bei uns schon gesehen. Es freut uns, wenn Jungs, die es bei Schalke nicht geschafft haben, dann vielleicht woanders den Durchbruch schaffen.“

Am Wochenende könnte Goller seinem Ex-Verein im Revier noch ein besonderes Dankeschön für die gemeinsamen Jahre zukommen lassen. Mit einer guten Leistung und vielleicht einem Tor beim Schalker Rivalen in Dortmund, wenn Werders Trainer Florian Kohfeldt ihn denn noch einmal auf eine so starke Abwehr loslässt. Frech und schnell genug wäre Goller dafür jedenfalls. Waldoch würde ein Goller-Tor gegen den BVB „natürlich wie jeder andere Schalker auch sehr gerne sehen“, gibt ihm aber aus Trainersicht vor allem diesen Ratschlag: „Er ist jetzt ein Bremer und soll sich auf seine Arbeit bei Werder konzentrieren. Ich wünsche ihm das nötige Glück, dass er sich weiter so gut entwickelt.“

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