Debatte über Werders Möglichkeiten Wann geht der Trainer?

Bremen-Nord. Seit 14 Jahren ist Thomas Schaaf Trainer des SV Werder Bremen. Mit unbestreitbaren Erfolgen wie Meisterschaft und Pokalsieg. Doch nach nunmehr neun sieglosen Saisonspielen droht Werder der Abstieg. Soll Schaaf gehen?
23.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Bremen-Nord. Seit 14 Jahren ist Thomas Schaaf Trainer des Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen. Mit unbestreitbaren Erfolgen wie Meisterschaft und Pokalsieg. Doch nach nunmehr neun sieglosen Saisonspielen droht Werder der Abstieg. Soll Schaaf gehen? "Nicht sofort, aber sofort nach Saisonende", lautet die Bilanz einer Umfrage unter nordbremischen Fußballtrainern und -spielern.

Die blamable Vorstellung der Bremer bei der jüngsten 0:3-Pleite gegen den VfL Wolfsburg habe das Ende der Trainerkarriere von Thomas Schaaf beim ruhmreichen SV Werder eingeleitet. Davon sind die meisten Spieler und Trainer in Nordbremer Vereinen überzeugt.

Die Hilflosigkeit, mit der Schaaf die Prügel für seine Mannschaft durch die Wolfsburger hingenommen habe, sei ein Offenbarungseid gewesen, sagt René Damaschke, Coach des Bezirksligisten Eintracht Aumund. Nach seiner Ansicht hätte Schaaf schon vor drei Jahren Abschied nehmen und seinen Horizont erweitern, sprich: sich nach einem anderen Verein umsehen müssen. Ihm allerdings jetzt bei nur noch vier ausstehenden Spielen den Laufpass zu geben, wäre verwegen, zumal es keine personelle Alternative gebe. Damaschke: "Schaaf muss die Notbremse ziehen und nur noch Spieler einsetzen, die Gras fressen, also über den Kampf zum Erfolg kommen wollen. Mit einem Elia oder Arnautovic geht das nicht."

Einen Traineraustausch zum jetzigen Zeitpunkt stuft auch der Coach des Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack, Kristian Arambasic, als problematisch ein. Wenn-gleich Schaaf ja bereits indirekt seinen Rücktritt angeboten habe. Kurzfristig sei allerdings nur eine vereinsinterne Lösung mit Thomas Wolter als Schaaf-Nachfolger möglich. Wolter trainiert zurzeit Werders Regionalligateam. Spätestens in der neuen Saison aber, so Arambasic, müsse ein neuer Mann mit neuen Ideen die Regie beim Bundesligisten übernehmen. Der Vegesacker Fußballlehrer vertritt die Auffassung, dass sich ein Trainer alle vier Jahre einen neuen Verein suchen sollte, damit seine Arbeit nicht in Routine abgleite.

Diesen Schuh dürfte sich Malte Jaskosch freilich nicht anziehen. Der Trainer des Landesliga-Tabellenführers SV Grohn hat ein Jahrzehnt lang mit Erfolg den FC Worpswede gecoacht, bevor er an den Oeversberg wechselte. "Später ja, im Moment aber nicht", beantwortet Jaskosch die Frage nach einer Ablösung von Thomas Schaaf. Der sei ein hervorragender Trainer und werde der Mannschaft sicherlich klar machen können, was in den letzten vier Bundesligapartien auf dem Spiel stehe, beurteilt der Grohner die Lage am Osterdeich.

Viele Möglichkeiten hat Schaaf allerdings aus Sicht von Bastian Haskamp, Co-Trainer und Abwehrorganisator des Landesligisten TSV Lesum-Burgdamm, nicht mehr. Gefragt seien in dieser verfahrenen Lage nur noch Kämpfertypen und keine Schönwetterspieler, die den Ernst der Lage nicht erkennen können und wollen. Haskamp: "Spieler wie Elia oder Arnautovic haben doch nur Champions-League-Flausen im Kopf."

Auch Johannes Metschuck, Kapitän der SG Aumund-Vegesack, sieht in den bevorstehenden vier Schicksalsbegegnungen der Werderaner die Spieler in der Verantwortung. Sie müssten den Kampf um den Ligaverbleib aufnehmen, Schaaf sei inzwischen ziemlich machtlos. SAV-Co-Trainer Jörg Segerath fügt an: "Er wirkt ausgebrannt."

Ex-Profi: Schluss machen

Einer der Thomas Schaaf besonders gut kennt ist Bastian Haskamps Vater Martin. Er spielte von 1978 bis 1983 zusammen mit dem gebürtigen Mannheimer für Werder in der Bundesliga und kickt heute im Altherren-Team des TSV Lesum-Burgdamm. "Es tut mir zwar Leid für Thomas, aber er sollte umgehend Schluss machen, und mit ihm der gesamte Vorstand", zieht Martin Haskamp aus Werders sportlicher Talfahrt den Schluss. Die Vereinsführung habe viel zu lange die Idylle der Werderfamilie propagiert und ignoriert, dass auch die Fußballzeiten sich geändert haben.

Für Werder-Fan René Damaschke hat es die Chefetage im Weserstadion versäumt, nach dem Ausscheiden von Frings, Mertesacker, Naldo und Pizzaro charakterfeste und fertige Bundesligaspieler anzuheuern. Vor allem sei es ein Fehler gewesen, einen Elia einzukaufen, statt das Geld in einen neuen Vertrag mit Pizzaro zu investieren.

Werders Klubchef Klaus Filbry hat gestern wissen lassen, dass Thomas Schaaf die um den Klassenerhalt spielenden Bremer auch am kommenden Sonnabend bei Bayer Leverkusen betreuen werde. Über diesen Zeitpunkt hinaus wollte der Vorsitzende der Geschäftsführung keine Prognose abgeben. Mit anderen Worten: Wenn Werder am 11. Mai 2013 zum vorletzten Saisonspiel im Weserstadion gegen Eintracht Frankfurt antritt, könnte es sein, dass Schaaf nicht mehr auf der Trainerbank sitzen wird, von der aus er seit dem 10. Mai 1999 das Spiel der Grün-Weißen leitet.

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