Werder Bremen Warum es mit Marin bei Chelsea klappen könnte

Bremen. Marko Marin ist ein Spieler, der eine Partie allein entscheiden kann - wenn er denn die nötigen Freiheiten bekommt. Bei Werder Bremen ist das nur selten so gewesen, beim FC Chelsea könnte dies weitaus häufiger funktionieren.
01.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Warum es mit Marin bei Chelsea klappen könnte
Von Marc Hagedorn

Bremen. Joachim Löw ist ein Fan von Fußballern, wie es Marko Marin einer ist. Zwar hat der Bundestrainer den kleinen Flügelspieler seit gut eineinhalb Jahren nicht mehr in die deutsche Nationalmannschaft berufen, aber als Löw kürzlich wegen des Länderspiels gegen Frankreich in Bremen weilte, da lobte er im Vorfeld ausdrücklich die Vorzüge der Spielweise Marins. Marin, so Löw, könne immer noch ein Spiel allein entscheiden, weil er im Eins-zu-eins-Duell so trickreich sei. „Also ich würde ihn nicht abschreiben“, schloss Löw seine Ausführungen damals im Februar.

Beim FC Chelsea in London müssen sie esganz ähnlich sehen, denn der Klub von Milliardär Roman Abramowitsch ist bereit, geschätzte sieben bis acht Millionen Euro für Marinzu zahlen, damit dieser ab der neuen Saison möglichst für die vollen fünf Jahre an der heimischen Stamford Bridge und durch die übrigen Stadien in der englischen Premier League wirbelt. Auf den ersten Blick mag esverwundern, dass sich der Champions-League-Finalist FC Chelsea einen Spieler holt, der seit gut zwei Jahren in seiner Entwicklung nicht so recht vorankommt. Dazu ist beim FC Chelsea immer noch unklar, wer überhaupt der Trainer sein wird in der neuen Spielzeit. Interimscoach Roberto di Matteo ist zwar gerade dabei, sich für eine Langzeitbeschäftigung zu qualifizieren, aber sicher ist seine Weiterverpflichtung längst nicht.

Trotzdem könnte das passen: Marinund der FC Chelsea. Denn der Klub aus London praktiziert ein System mitklassischen Flügelspielern. Chelseas Konzept fußt darauf, dass hinter der meist einzigen, robusten Spitze (Didier Drogba oder Fernando Torres) wuselige Außenbahnflitzer die gegnerischen Abwehrreihen mitihren Dribblings aus dem Gleichgewicht bringen und Lücken reißen. „In 1:1-Situationen ist Marko immer gefährlich“, sagt etwa Werders Innenverteidiger Naldo, „das kann auch in England klappen.“

In Bremen hat esoft nicht geklappt, weil für Marindie richtige Position im System Schaaf fehlte. Eine echte zweite Spitze neben einem Vollblutstürmer wie Claudio Pizarro war er nie – und auch keiner für die zentrale Mittelfeldposition, wo Trainer Thomas Schaaf ihn zuletzt immer wieder einsetzte. Schließlich war Marinauch kein Mann für die Halbpositionen in der Mittelfeldraute, dafür ist er zu defensivschwach und überdies eine stete Gefahr für die eigene Mannschaft, wenn er nach Ballverlusten hinten fehlte und die Abwehr in Unterzahl geriet. Bezeichnend, dass Marinseine besten Spiele machte, als er an der Seite von Mesut Özil und Aaron Hunt auf einer Linie hinter Pizarro als einziger Spitze dribbeln durfte. In dieser Formation sicherte sich Werder vor zwei Jahren seine letzte Champions-League-Qualifikation.

Vor den großen Namen seiner künftigen Kollegen, die gleichzeitig seine ärgsten Konkurrenten sein werden, muss Marinnicht unbedingt bange sein. Auf dem linken Flügel spielt bei Chelsea Salomon Kalou, dessen Zeit nach sieben Jahren bei den „Blues“ aber abzulaufen scheint. Erst unter di Matteo kam Kalou überhaupt wieder zum Zuge. Jetzt haben die Tottenham Hotspur ein Auge auf Kalou geworfen. Die übrigen Flügelspezialisten sind der in die Jahre gekommene Florent Malouda und Daniel Sturridge, ein Talent wie Marin, 22 Jahre jung und zweifacher Nationalspieler Englands. Ein kleiner, leichtfüßiger Techniker wie Marinist auch Juan Mata, Nationalspieler Spaniens und Werder-Schreck, als er noch beim FC Valencia spielte und beim 4:4 im Weserstadion in der Europa-League-Saison 2009/2010 auftrumpfte.

Das große Fragezeichen bei MarinsWechsel auf die Insel entsteht eher, weil man sich fragt, ob er, 1,70 Meter klein und 64 Kilogramm leicht, robust genug für all die 1,90 Meter langen und 90 Kilogramm schweren Verteidiger ist. Zumal sich Marinbei vielen Bundesligafans den zweifelhaften Ruf erworben hat, ein Spieler zu sein, der sehr schnell und sehr gern im Zweikampf zu Boden geht. Etwas, was die Zuschauer in England nun partout nicht mögen. „Von den körperlichen Voraussetzungen her gibt essicher andere Kaliber“, sagt MarinsNoch-Kollege Sebastian Prödl, „aber die bei Chelsea werden sich schon Gedanken gemacht haben, weshalb sie ihn holen – sonst hätten sie nicht so viel Geld für ihn ausgegeben.“ Prödl, jahrelang Marin-Gegenspieler im Training, weiß wovon er spricht, wenn die Rede auf MarinsTempo und Antrittsschnelligkeit kommt. „Als Abwehrspieler musst du ihn erstmal kriegen.“ Bald hat ihn der FC Chelsea.

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