Lieblingsclub Darum fiebert Sandhausen-Torhüter Drewes dem Duell mit Werder entgegen

Patrick Drewes ist Stammtorhüter beim SV Sandhausen. Doch Werder Bremen ist noch immer sein Lieblingsclub. Der 28-Jährige kommt aus Delmenhorst und hatte jahrelang eine Werder-Erinnerung im Kinderzimmer hängen.
21.10.2021, 18:18
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Von Daniel Cottäus

Im Kinderzimmer von Patrick Drewes hing das kleine Stück Papier jahrelang an der Wand. Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember 1999, war Drewes mit seinem Vater das erste Mal im Weserstadion gewesen – Werder Bremen gegen Bayern München. Und obwohl die Bremer – bis heute Drewes’ Lieblingsverein – bei klirrender Kälte eine 0:2-Heimniederlage kassierten, trug der damals Sechsjährige die Eintrittskarte stolz nach Hause ins benachbarte Delmenhorst, wo seine Eltern noch immer leben.

„Ich bin definitiv mit Werder aufgewachsen“, sagt Drewes, der den Grün-Weißen am Sonntag plötzlich als Gegner gegenübersteht – als Stammtorhüter des SV Sandhausen. „Natürlich ist das Spiel für mich eines der Highlights der Saison“, hebt der 28-Jährige hervor. Als talentierter Jugendspieler hatte er Werder früher mehrfach abgesagt, um aus Delmenhorst einen gänzlich anderen Weg in den Profifußball einzuschlagen.

Drewes sammelt Erfahrung bei vielen Vereinen

VfL Wolfsburg, FC Wil, Preußen Münster, Würzburger Kickers, VfL Bochum und seit Juli nun Sandhausen: Wenn Drewes auf seine bisherigen Stationen zurückschaut, schüttelt er selbst etwas mit dem Kopf. „Eigentlich sehe ich mich nicht als den Wandervogel, den meine Vita erkennen lässt“, sagt er. Manchmal, da laufen die Dinge aber nicht schnurgerade, da kann auch der eine oder andere Umweg ins Ziel führen. Eine Erfahrung, die Drewes früh in seiner Karriere gemacht hat – im Grunde schon, bevor sie überhaupt richtig losging.

Beim Delmenhorster Stadtteilverein TuS Heidkrug galt der Torhüter früh als großes Talent. Woche für Woche stach er mit seinen Leistungen auf der Sportanlage am Bürgerkampweg hervor. Das erste Angebot vom benachbarten SV Werder ließ dementsprechend nicht lange auf sich warten. „Ich muss elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein, als die Anfrage kam“, erinnert sich Drewes, der sich damals aber noch nicht bereit für den Wechsel fühlte. Einerseits, weil er gerne weiter mit seinen Freunden zusammenspielen wollte, andererseits aber auch, weil er mit Heidkrug erfolgreich war. Ein paar Jahre später, Werder hatte zwischendrin immer wieder angefragt, war es dann eine spezielle Regelung des Bundesligisten, die Drewes vom Wechsel zu Werder abhielt.

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Delmenhorst zu nah für Werder-Internatsplatz

Die Bremer lassen in der Regel nur Spieler, die außerhalb eines bestimmten Radius wohnen, ins vereinseigene Internat ziehen. Der Delmenhorster Drewes war dafür schlicht zu nah dran und bekam keinen Platz. Weil die Fahrerei nach Bremen für die Familie auf Dauer zu aufwendig geworden wäre, entschieden sich die Drewes‘, das Angebot des VfL Wolfsburg anzunehmen. 2008 wechselte der Keeper ins Nachwuchsleistungszentrum der Wölfe.

„In Wolfsburg hat es sehr gut für mich gepasst“, sagt Drewes, der mit dem Club 2011 Deutscher U18-Meister wurde und sich im Jahr darauf zum Stammkeeper der U19 aufschwang. Es folgten erste Einheiten mit den Profis unter Trainer Felix Magath, später saß Drewes in der Bundesliga sogar ein paar Mal auf der Bank. Seine sportliche Heimat blieb aber die U23. Es folgten Leihen beim Schweizer FC Wil (2015) und bei Preußen Münster (2016), ehe es 2017 zum festen Wechsel zu den Würzburger Kickers in die 3. Liga ging.

Dort verdrängte Drewes den Stammkeeper Wolfgang Hesl schnell aus dem Tor und überzeugte in den folgenden zwei Jahren so sehr, dass ihn der VfL Bochum im Sommer 2019 als Ersatzmann verpflichtete, obwohl er gerade erst einen Syndesmosebandriss hinter sich hatte. „Bochum war ein super Schritt“, sagt der Delmenhorster, der in der vergangenen Saison zum Aufstiegshelden des Clubs wurde. Nachdem sich die Nummer 1 Manuel Riemann die Hand gebrochen hatte, rückte Drewes im Saisonendspurt ins Tor – und trug maßgeblich dazu bei, dass dem VfL der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Perfekt gemacht wurde das Ganze am letzten Spieltag übrigens ausgerechnet gegen Drewes‘ jetzigen Club Sandhausen.

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Drewes verfolgt Werder immer noch

„Damals wusste ich noch nichts von einem möglichen Wechsel“, sagt der Torhüter, den das spätere Angebot der Sandhäuser aber sofort reizte: „Ich wollte lieber die Nummer 1 in der 2. Liga sein, als mich in der Bundesliga auf die Bank zu setzen.“ Bisher geht dieser Plan auf. Drewes ist gesetzt, wird also auch am Sonntag gegen Werder im Tor stehen. „Als der neue Spielplan rausgekommen ist, habe ich mir sofort die Spiele gegen Werder markiert“, schmunzelt er.

Generell verfolgt der Delmenhorster den Weg seines Lieblingsclubs genau: „Meine Sympathie für Werder ist schon noch groß.“ Wenn die Partie am Sonntag läuft, wird Drewes das aber beiseiteschieben. „Unser Ziel ist es, die großen Vereine der Liga zu ärgern. Und Werder gehört definitiv dazu.“
 

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