System-Frage „bringt nichts“ Warum Werder-Coach Werner die Taktik-Diskussion stört

Eine Diskussion über eine mögliche Änderung des Spielsystems hält Werder-Trainer Ole Werder nicht für zielführend. "So einfach ist das nicht", sagte er am Dienstag in einer Pressekonferenz.
25.01.2023, 10:33
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Von Marius Winkelmann

Als Ole Werner am Dienstag während der Pressekonferenz des SV Werder Bremen vor dem Heimspiel gegen Union Berlin (Mittwoch, 20.30 Uhr) die Frage nach einer möglichen Systemänderung gestellt wurde, lockte das den Cheftrainer der Grün-Weißen durchaus ein wenig aus der Reserve. Jedenfalls machte der 34-Jährige nach der 1:7-Niederlage gegen den 1. FC Köln ziemlich deutlich, dass er von derlei Diskussionen nicht viel hält.

„Das ist immer das Ding, was man sich sehr schnell herauspicken kann. Die spielen in der Grundordnung, jetzt weiß ich über alles Bescheid“, entgegnete Werner leicht angesäuert und stellte klar: „So einfach ist das nicht.“ Auch eine Mannschaft wie Union Berlin, derzeitiger Tabellendritter der Fußball-Bundesliga, spiele die gesamte Saison über konsequent in einem 3-5-2. Und schließlich stellt auch bei den Eisernen niemand so schnell die taktische Ausrichtung in Frage. Generell berge es „relativ wenig Überraschungen, wenn wir mal unsere Grundordnung ändern“, erklärte Werner weiter. Nach 16 Bundesliga-Spielen sei es ihm und seinem Trainerteam beziehungsweise der Mannschaft – mit Ausnahme der Partie gegen Freiburg, die gegen Werder erstmals überhaupt aus einer Dreierkette heraus agierten -, „nie passiert, dass wir mal überrascht davon waren, welche Grundordnung der Gegner gespielt hat“.

Wichtiger als die Wahl der Grundformation sei vielmehr, in den Abläufen eine gewisse Flexibilität zu haben. Werner dazu: „Wer  bei uns genauer hinschaut und nicht nur das 3-5-2-System sehen möchte, der wird erkennen, dass die Raumaufteilung, je nachdem wie der Gegner gegen uns spielt, eine andere ist.“ Auch die Art und Weise, wie sich die Spieler in ihren jeweiligen Positionen bewegen würden, sei verschieden. Mal laufe sein Team gegen den Ball in der ersten Reihe mit drei Spielern an, mal mit zwei Spielern. „Und vielleicht auch mal nur mit einem Spieler.“ Wer solche Feinheiten genau sehen wolle, „der wird es wahrscheinlich auch finden können“, konnte sich der Bremer Chefcoach einen kleinen Seitenhieb in Richtung System-Kritiker, die eine zu ausrechenbare taktische Marschrichtung monieren, nicht verkneifen. Das sei „plakativ, das kann man so machen. Da kann man gerne auch drüber diskutieren, aber das bringt uns in unserer Arbeit überhaupt nichts“, kritisierte Werner. 

Eine Änderung des Systems, beispielsweise hin zu einer Viererkette, dürfte beim SV Werder damit auch gegen Union Berlin so gut wie ausgeschlossen sein. Möglich erscheinen da in der Englischen Woche eher personelle Veränderungen oder eine Anpassung des Anlaufverhaltens. Ohnehin hatte Werner in der Vergangenheit ja schon häufiger betont, dass sich seine Mannschaft in der 3-5-2-Grundordnung am wohlsten fühle und sich aus diesem System auch taktisch viele Dinge entwickeln ließen. Und: Spätestens mit Herausgabe der Spielberichtsbögen wüssten die Coaches in der Regel ohnehin Bescheid, in welcher Grundordnung der Gegner agiere. Werner ahne darüber hinaus schon jetzt „mit hoher Wahrscheinlichkeit, was Union Berlin morgen spielen wird. Genauso wie sie wahrscheinlich auch wissen werden, was wir spielen.“ Letztlich gehe es schlichtweg darum, wer es in seinen Abläufen besser mache. Und da wollen und müssen es die Bremer logischerweise wesentlich besser machen als zuletzt gegen Köln. Das dürfte auch die Laune des Trainers wieder verbessern.

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