Eigene Qualitäten Warum Werder-Neuzugang Stage wenig Lust auf Delaney-Vergleiche hat

Schon als Werder-Neuzugang Jens Stage seinen Vertrag unterschrieben hat, kam ein Name immer wieder ins Spiel: Thomas Delaney. Die Mittelfeldakteure haben einiges gemeinsam. Doch Stage mag den Vergleich nicht.
01.07.2022, 19:20
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Warum Werder-Neuzugang Stage wenig Lust auf Delaney-Vergleiche hat
Von Malte Bürger

Ein Name schwebte immer wieder über dem Trainingsgelände in Zell am Ziller – dabei war die zugehörige Person nicht einmal anwesend: Thomas Delaney hat seinerzeit im Mittelfeld des SV Werder Bremen einen hervorragenden Eindruck hinterlassen und kam genau wie Neuzugang Jens Stage vom FC Kopenhagen. Stage muss sich nun damit herumplagen, dass er immer wieder auf seinen dänischen Landsmann angesprochen wird. Denn auch er bevorzugt eine robuste Interpretation seines Berufes. Im Mediengespräch am Freitag machte Stage weitgehend gute Miene zum bösen Spiel, doch ihm war deutlich anzumerken, dass er lieber unabhängig vom allgegenwärtigen Delaney betrachtet werden möchte.

„Er ist ein fantastischer Spieler und ein Vorbild für alle zentralen Mittelfeldspieler in Dänemark. Also schauen ich und alle anderen ganz genau hin, was wir von ihm lernen können“, erklärte Stage. „Er hat eine besondere Karriere, gerade hier war er fantastisch. Aber bitte vergleicht uns nicht zu sehr, ich würde lieber gern selbst von Beginn an zeigen, was ich kann.“ Der 25-Jährige ahnte jedoch, dass ihn die Vergleiche noch eine Zeit lang begleiten werden. „Ich fürchte, dass das noch häufiger passieren wird“, gestand er lächelnd und seufzte ein wenig.

Ähnlich häufig wie das Wort „Delaney“ fiel auch das Adjektiv „intensiv“. Unterschied: Dieses Mal kam es ausschließlich aus dem Mund der Neuverpflichtung. Denn genau so will sich Stage präsentieren. „Werder ist ein großer Club, mit einer großen Historie, tollen Fans und hohen Ambitionen. Das ist genau das, was ich mag. Ich möchte intensiven Fußball vor vielen Zuschauern und großen Gefühlen spielen“, erzählte er. Oder auch: „Ich habe immer schon den deutschen Fußball im Fernsehen geschaut. Dort wird intensiv gespielt und ich habe immer versucht, mit solch einem Stil zu spielen. Deshalb glaube ich, dass ich auch sehr gut in diese Liga passe.“ Und womöglich deshalb auch zu Werder – schließlich kann der Bundesliga-Rückkehrer in der Zentrale durchaus jemanden gebrauchen, der mittendrin ist, wenn es auch mal schmerzhaft werden könnte. „Ich möchte so viel ins Spiel involviert sein wie möglich“, hob Jens Stage hervor. „Ich liebe es, lebendig Teil des Geschehens zu sein, Zweikämpfe zu führen und 90 Minuten lang intensiv zu spielen.“

Lesen Sie auch

Im vergangenen Winter wollte ihn wegen dieser Qualitäten schon ein anderer Erstligist nach Deutschland lotsen: der FC Augsburg. „Es war aber nicht die richtige Zeit, ich hatte eine Meisterschaft zu gewinnen“, meinte Stage. „Und deshalb habe ich auch nicht viel Energie dabei verschwendet, mich mit dem Thema zu beschäftigen.“ Die Zeit in Kopenhagen endete tatsächlich höchst erfreulich, der 25-Jährige verabschiedete sich mit dem Gewinn des Titels. Auf die Champions League verzichtet er nun trotzdem gern. „Natürlich hätte das schön sein können. Aber als sich Werder gemeldet hat, habe ich überhaupt nicht nachdenken müssen.“

Es ist in der Nähe zu Dänemark und Werder ist ein großer Verein in einer der besten Ligen.
Jens Stage über seine Entscheidung nach Bremen zu gehen

Vier Millionen Euro lassen sich die Bremer nach Informationen unserer Deichstube den Transfer kosten, spätere Bonuszahlungen sind möglich. Doch das waren Dinge, die Jens Stage nicht interessierten. Stattdessen besprach er sich nach eigenen Angaben nur ein wenig mit seinem Vater – und der brachte kurz und knapp auf den Punkt, warum der Sohnemann künftig in Norddeutschland wohnen sollte. „Er hat mir gesagt, dass es keinen besseren Ort für mich geben könnte“, verriet Stage. „Es ist in der Nähe zu Dänemark und Werder ist ein großer Verein in einer der besten Ligen.“

Und bei dem versucht er sich nun zurechtzufinden. Ein paar Brocken Deutsch spricht Jens Stage zwar dank vergangener Schultage noch, doch wenn um ihn herum zu schnell oder durcheinandergeredet wird, bekommt er noch Probleme. Das soll sich aber bald ändern. Umgekehrt muss der Mann, der in Höjbjerg bei Aarhus geboren wurde, aktuell immer wieder ein dänisches Wort erklären – seinen Nachnamen. „Jeder im Team fragt mich da die letzten Tage nach“, sagte er lachend und gab folglich auch den Journalisten vor Ort etwas Nachhilfe. Demnach werde Stage im Grunde wie das englische Wort „Stay“ ausgesprochen.

Am Freitagnachmittag packte der Däne dann im Training gleich einmal die erste Grätsche aus, schickte auch auf diese Art ein paar knackige Willkommensgrüße in die Runde. Wenn alles gut läuft, dann erfährt bald auch die gesamte Bundesliga, dass Werder da einen neuen Kämpfer im Mittelfeld hat. Mit ein wenig Glück geht es danach für Jens Stage auch zurück in die dänische Auswahl, für die er bislang ein Mal auflief. Zumal mit der WM in Katar ein besonderer Anreiz vorhanden ist.

Ich habe jetzt die Chance, mich in Bremen und der Bundesliga zu beweisen.
Jens Stage

„Ich weiß nicht, ob es zu früh für mich wäre, darüber zu sprechen. Aber natürlich ist es ein großer Traum, in der Nationalmannschaft dabei zu sein. Es wäre eine Lüge, wenn ich etwas anderes sagen würde“, unterstrich er, betonte aber zugleich. „Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ist sehr groß. Da gibt es Thomas Delaney und noch ein paar weitere fantastische Spieler. Warten wir es ab. Ich habe jetzt die Chance, mich in Bremen und der Bundesliga zu beweisen.“ Da war es dann auch egal, dass dieses Mal ausgerechnet Jens Stage selbst den Namen des einstigen Werder-Profis Delaney erwähnt hatte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+