Corona-Pandemie Was die kurzfristige Absage des Trainingslagers für Werder bedeutet

Der SV Werder Bremen hat am Morgen kurzfristig das in Spanien geplante Trainingslager abgesagt. Grund sind positive Coronatests bei vier Spielern und einem Betreuer. So planen die Bremer die Vorbereitung nun.
02.01.2022, 16:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Es war 11.25 Uhr, als sich der Mannschaftsbus des SV Werder Bremen am Sonntagvormittag bei Nieselregen und grauem Himmel langsam in Bewegung setzte und damit den Startschuss gab für die Reise ins spanische Winter-Trainingslager. Das jedenfalls dachte die Handvoll Beobachter am Wohninvest Weserstadion, ehe der zweite Blick verriet, dass der Bus mit Ausnahme des Fahrers komplett leer war. Über den Osterdeich fuhr er in Richtung Autobahn davon – und spätestens jetzt tauchten Fragen auf. Fragen, die der Verein per Pushnachricht aufs Handy nur wenig später beantwortete: „Werder Bremen sagt das Trainingslager ab“, stand dort geschrieben. 

Kurzfristige Entscheidung

Es war eine Nachricht von der Sorte, für die einst das Wort Paukenschlag entliehen wurde. Denn viel überraschender, viel kurzfristiger und auch unglücklicher hätte diese Entscheidung nicht fallen können, auch wenn sie im Kern natürlich richtig war. Als Grund für den Last-Minute-Verzicht auf die Reise ins Hotel „La Torre Golf Resort“, gelegen nahe der Stadt Murcia, gab Werder die Corona-Infektionen der Profis Niclas Füllkrug, Manuel Mbom, Milos Veljkovic und Marco Friedl sowie von Reha-Trainer Marcel Abanoz an. Ob sich einer der Betroffenen mit der Omikron-Variante des Virus infiziert hat, war am Sonntag noch nicht bekannt. Festgestellt worden waren die Covid-Fälle am Morgen im Rahmen einer Testung, der sich im Stadion der komplette Bremer Reisetross, bestehend aus 45 Personen, unterzogen hatte.

„Es konnte keinen überraschen, dass der eine oder andere positive Fall dabei war. Insgesamt gehen die Zahlen in der Gesellschaft ja hoch“, sagte Sportchef Frank Baumann – und erklärte: „Die Anzahl hat uns aber schon überrascht. Sie war am Ende auch der Grund dafür, warum wir entschieden haben, nicht ins Trainingslager zu fahren.“ Schließlich kann Werder nicht mit Gewissheit sagen, was an Infektionen innerhalb der nächsten Tage möglicherweise noch nachkommt. Baumann: „Auch mit Blick auf den gemeinsamen Flug mit dem FC St. Pauli mussten wir verantwortungsvoll handeln.“ Werder hatte geplant, sich mit dem Zweitliga-Rivalen eine Chartermaschine nach Spanien zu teilen. Letztlich stieg nur der Tross des Tabellenführers am Hamburger Flughafen ein, während Werder um Chefcoach Ole Werner die erste Trainingseinheit des neuen Jahres am Nachmittag kurzerhand in Bremen absolvierte. Viele Journalisten (auch aus unserer Deichstube) sowie Werder-Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt übrigens auf ihrem Weg nach Spanien gestrandet oder sogar schon dort. Die Nachricht von der Absage hatte sie am Vormittag nicht mehr rechtzeitig erreicht. 

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Die Entscheidung, nicht zu fliegen, hatte bei Werder die sportliche Leitung nach Absprache mit den Medizinern des Vereins und natürlich auch mit Trainer Werner getroffen. „Ole trägt die Entscheidung, hierzubleiben, natürlich absolut mit. Er hat sich sofort Gedanken gemacht, wie die nächsten Tage in Bremen aussehen können“, sagte Baumann und ergänzte: „Wenn man es positiv sieht, haben wir heute eine Trainingseinheit dazugewonnen.“ Ursprünglich war der Sonntag als Reisetag geplant gewesen. Dass er nun zur Arbeit auf dem Platz genutzt werden konnte, dürfte allerdings nur ein schwacher Trost für die Bremer sein, die sich übrigens mit Nachdruck gegen den Eindruck wehren, sich in der Trainingslager-Planung angesichts der seit Wochen steigenden Corona-Zahlen naiv verhalten zu haben.

„Wir hätten das Trainingslager sehr gerne gemacht. Natürlich auch aus sportlichen Gründen, aber auch, weil wir uns dort in einer ziemlich sicheren Blase bewegt hätten. Dafür haben wir bei der Planung alles getan“, versicherte Baumann. In Spanien wäre Werder in den Augen des Sportchefs „sogar geschützter gewesen, als wenn wir hier die Zeit verbringen, wo es private Kontakte gibt und die Kinder zum Beispiel in die Kita gehen“. Nach der Testung kurz vor Reisebeginn habe sich aber eine „neue Faktenlage“ ergeben. Die wiederum zur kurzfristigen Absage führte, wodurch der Auftakt ins Jahr 2022 nahtlos ans kurios-chaotische Werder-Jahr 2021 anknüpfte.

Baumann sieht "gute Bedingungen" in Bremen

Dass der Verein die letzte Testung vor Reiseantritt nicht schon am Vorabend durchgeführt hat, was die Turbulenzen am Sonntag vermutlich deutlich abgemildert hätte, erklärte Baumann mit den Schnelltests, denen sich die Profis auf Anweisung des Clubs zuletzt am 1. Januar und 31. Dezember unterzogen hätten. Bis auf eine Ausnahme seien dort „keine Auffälligkeiten“ festgestellt worden.

Als Fehlstart ins neue Jahr sieht Baumann die Absage übrigens nicht an und verwies auf die „guten Bedingungen“, die Werder auch in Bremen habe. „Wir werden dem Trainingslager jetzt nicht groß hinterherjammern“, betonte der 46-Jährige, was sowohl sportlich als auch finanziell gemeint war: „Durch die Absage bleiben wir nicht auf einer nennenswerten Summe sitzen.“ Vertraglich sei da alles entsprechend sorgfältig vorbereitet worden.    

Zur Sache

Werder startet ohne sieben Profis in den Trainingsbetrieb

Grauer Himmel statt Sonnenschein, norddeutsches Schietwetter, statt spanischer Milde – ihren beruflichen Start ins neue Jahr dürften sich die Profis des SV Werder Bremen gänzlich anders vorgestellt haben. Nach der kurzfristigen Absage des Trainingslagers nahe Murcia bat Cheftrainer Ole Werner seine Mannschaft am Sonntagnachmittag kurzerhand zur Auftakt-Einheit am Osterdeich. Neben den vier am Vormittag positiv auf das Corona-Virus getesteten Spielern Niclas Füllkrug, Manuel Mbom, Milos Veljkovic und Marco Friedl fehlten noch drei andere Akteure. Während sich Mitchell Weiser noch in Quarantäne befindet, absolvierten Leonardo Bittencourt (muskuläre Probleme) und Nick Woltemade, der nach seiner Fußverletzung langsam wieder an die Mannschaft herangeführt werden soll, individuell.    

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