Neuzugang aus Kopenhagen

Was Anthony Jung von seinem Start bei Werder erwartet

Neuer Trainer, neue Liga, neue Spieler. Einer davon ist Anthony Jung, der von Kopenhagen nach Werder gewechselt ist. Für ihn ist das eine große Chance, wie er erzählt.
22.06.2021, 18:17
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Von Björn Knips
Was Anthony Jung von seinem Start bei Werder erwartet

Neuzugang Anthony Jung beim Training am Dienstag.

nordphoto GmbH / Stoever

Als Anthony Jung seinen Wechsel begründen soll, da gehen seine Augen ganz weit auf. „Werder Bremen – das ist einfach eine Adresse“, sagt der 29-Jährige. Schon als „kleiner Bub“ habe er so empfunden, deswegen sei er „sofort hellhörig geworden, als mir vom Werder-Interesse berichtet wurde“. Nun sitzt Jung tatsächlich im Weserstadion bei seiner offiziellen Vorstellung, hat eine mögliche Zukunft in der Champions League bei Bröndby Kopenhagen gegen eine Saison in der zweiten Liga mit Werder eingetauscht – und ist damit sehr zufrieden. Wenn da nur nicht dieses Problem mit der eigenen Adresse wäre ...

„Mit Wohnungen und Häusern ist das in Bremen offenbar etwas schwierig“, berichtet Jung, der ein bisschen unter Druck steht: „Wir erwarten Ende Juli unser erstes Kind. Zwei kleine französische Bulldoggen bringen wir auch noch mit.“ Da kommt das Trainingslager nächste Woche im Zillertal nicht wirklich gelegen, zumal Jung bei der Geburt „auf jeden Fall“, wie er ausdrücklich betont, dabei sein will: „Ich drücke uns die Daumen, dass ich nicht ganz schnell wegmuss.“

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Denn eigentlich freut er sich auf die Tage in Österreich. Dort kann der bislang einzige Bremer Neuzugang seine Kollegen noch besser als bislang kennenlernen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Er weiß nicht, wie lange seine Mitspieler noch bleiben. So ziemlich jeder Werder-Profi ist nach dem Abstieg ein Verkaufskandidat. „Ganz optimal ist das mit dem Kader natürlich nicht“, gibt Jung zu, will das aber nicht als Klage verstanden wissen. Er erwartet professionelles Verhalten von allen Beteiligten.

Jung ist dabei jemand, der vorangeht. Nicht polternd, sondern besonnen. Er sei nicht der geborene Leader gewesen, sondern sei in Kopenhagen in diese Rolle reingewachsen, „und dann habe ich sie gerne angenommen“. Er war absoluter Stammspieler in der Bröndby-Abwehr und irgendwann dann auch Publikumsliebling. „Das hat sich so entwickelt“, sagt der Verteidiger, als sei ihm das fast schon ein bisschen peinlich: „Ich habe einfach versucht, so zu bleiben, wie ich bin, so authentisch wie möglich.“ Die Fans wollten unbedingt, dass Jung seinen auslaufenden Vertrag verlängert, widmeten ihm sogar einen eigenen Song. „Ich habe mich sehr geehrt gefühlt.“ Doch nach vier Jahren brauchte er eine neue Herausforderung.

Und das, obwohl er nach der Meisterschaft mit Bröndby von Einsätzen in der Champions-League träumen durfte. „Sie müssen aber noch die Play-offs spielen“, schränkt Jung gleich ein. Aber auch die Europa League wäre gewiss nicht schlecht für ihn gewesen. Doch das alles zählt nicht so sehr für den 29-Jährigen, sondern: „Werder ist eine große Chance für mich. Es war mein Ziel, mich noch einmal in Deutschland zeigen zu dürfen.“

Jung hat als Profi für FSV Frankfurt, RB Leipzig und den FC Ingolstadt gespielt – dabei sowohl Bundesliga- als auch Zweitliga-Erfahrung gesammelt. Nun also Werder. Natürlich hat er dabei auch den Wiederaufstieg im Hinterkopf. „Klar möchte man oben mitspielen“, sagt er. Mehr nicht. Es ist noch zu viel ungewiss, um klare Ziele zu formulieren oder eine Aufbruchstimmung zu entfachen. Es gehe jetzt darum, die Spielidee des neuen Trainers Markus Anfang möglichst schnell zu verinnerlichen. „Das ist spannend“, sagt Jung: „Es gibt viel zu entdecken.“ Ihm komme es dabei entgegen, dass der Coach auf das Spielerische setzt. Er sei zwar durchaus auch ein Kämpfer, scheue auch keine direkten Duelle, „aber ich habe mal gelernt: Wenn man grätschen muss, dann hat man vorher etwas falsch gemacht. Ich spiele gerne vorausschauend.“

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