Startelf-Comeback verletzungsfrei überstanden Was sich Werder-Trainer Anfang insgeheim von Bittencourt erhofft

Leonardo Bittencourt hat sein Startelf-Comeback gegen Sandhausen verletzungsfrei überstanden. Zu viel dürfe man aber noch nicht von ihm erwarten, sagt Werder-Coach Anfang. Er hat aber eine Hoffnung.
25.10.2021, 18:27
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Von Carsten Sander

Dass er 90 Minuten nicht schaffen würde, war Leonardo Bittencourt schon vorher klar gewesen. „Drei Tage Eisbecken“ – so hätte wohl die Konsequenz ausgesehen, wenn er gegen den SV Sandhausen gleich über die volle Spielzeit gegangen wäre. Es wurden letztlich 77 Minuten, und es ist nicht bekannt, wie lange der 27-Jährige danach die müden Muskeln runterkühlen musste. Bekannt ist aber, dass er sein Startelf-Comeback verletzungsfrei überstanden hat.

Nachdem er eine Woche zuvor nach langer Verletzungspause mit einem Kurz-Einsatz gegen Darmstadt 98 (0:3) seinen Saisoneinstand bei Werder Bremen gefeiert hatte, lieferte er in Sandhausen ein bisschen was von dem, was die Verantwortlichen von ihm sehen wollen. Aber wirklich auf Touren war Bittencourt noch nicht. Kann er auch nicht sein, meint Trainer Markus Anfang mit Blick auf die zurückliegende dreimonatige Zwangspause des Offensivspielers: „Er braucht noch Spielpraxis. Wir dürfen jetzt auch nicht zu viel von ihm erwarten.“

Dass der Coach selbst aber auf den Bittencourt-Effekt gehofft hatte, zeigte sich schon daran, dass er ihn in die Startelf stellte und dann auch erstaunlich lange spielen ließ. „Man hat seine Präsenz auf dem Platz gemerkt. Er kann der Mannschaft helfen“, urteilte Anfang zwar, aber den ganz großen Moment lieferte Bittencourt noch nicht. In der 58. Minute war er nah dran, als er artistisch einen Ball aus spitzem Winkel noch vor das Tor brachte, wo aber kein Abnehmer lauerte. Ansonsten tauchte Bittencourt, der Werder vor allem auf den Flügeln stärker machen soll, hin und wieder in guter Position im Strafraum auf, kam aber nicht zu gefährlichen Abschlüssen. Als Ausgangspunkt für einen Neubeginn konnte die Vorstellung jedoch allemal dienen.

Wie viel sich Anfang insgeheim von der Rückkehr des erfahrenen Offensivmanns verspricht, zeigte ein Vergleich, den er zog. Der FC St. Pauli, aktuell Tabellenführer in Liga zwei, habe 2020 zum gleichen Zeitpunkt der Saison noch weit unten gestanden in der Tabelle, war nach elf Spieltagen Vorletzter. Dann gab Stürmer Guido Burgstaller nach längerer Krankheit sein Comeback, und es ging aufwärts. St. Pauli kletterte bis zum Saisonende noch sieben Plätze nach oben und ist derzeit das beste Team im Unterhaus. Was Anfang damit ausdrücken möchte: „Manchmal sind es ein, zwei Spieler, die ein gewisses Momentum für dich mit einbringen.“ Bittencourt könnte ein solcher Spieler sein.

Clemens Fritz, Leiter Profi-Fußball beim SV Werder, erwartet durch Bittencourt-Einsätze zwar auch eine Qualitätssteigerung in der Offensive, er dreht aber nicht so kräftig an der Erwartungsschraube. „Es wird noch dauern, bis Leo wirklich bei hundert Prozent ist“, sagt er und fordert: „Wir dürfen jetzt auch nicht alles auf seine Schultern laden.“ Das macht auch niemand, aber ein Spieler der Güteklasse Bittencourt sollte in der 2. Liga die Chancen auf Erfolg merklich erhöhen. Auch wenn es in den 77 Minuten in Sandhausen noch nicht geklappt hat.

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