Seinen neuen Arbeitsplatz hat er sich am vergangenen Wochenende schon einmal aus nächster Nähe anschauen können. Dabei wusste Maximilian Philipp da noch gar nicht, dass er künftig für den SV Werder Bremen spielen soll. Das hat sich erst in den Stunden nach der 1:2-Niederlage seines VfL Wolfsburg ergeben. Bei den Niedersachsen ist der 28-Jährige nämlich zuletzt nur noch Ergänzungsspieler gewesen, lange stand ein Wechsel zu Bundesliga-Konkurrent Hertha BSC im Raum. Doch dann grätschte Werder dazwischen – weil die Grün-Weißen plötzlich doch noch eine neue Offensiv-Alternative brauchten. Der Grund: Stürmer Oliver Burke hat nach nur einem halben Jahr schon wieder den Abflug gemacht. Zumindest für den Rest der Saison. Und so ergab ein Leihgeschäft das andere.
Wochenlang hatten sie am Osterdeich betont, dass während dieser Winter-Transferphase garantiert nichts mehr passieren werde. Entsprechend groß war die Überraschung, als die beiden Wechsel am Montagmorgen Gestalt annahmen. Und die Philipp-Leihe darf durchaus als kleiner Coup bezeichnet werden. Entsprechend groß ist die Freude der Werder-Verantwortlichen. „Wir wollten mehr Flexibilität in unseren Kader bekommen und sehen, dass Maximilian auch mal auf der Acht offensiv, auf der Zehnerposition oder als zweiter Stürmer spielen kann“, zeigt sich Clemens Fritz als Leiter Profifußball gegenüber der DeichStube begeistert. Die unerwartete Verpflichtung wurde überhaupt erst aus zweierlei Gründen möglich. Erste und womöglich wichtigste Voraussetzung für die sechsmonatige Leihe war, dass der VfL Wolfsburg nach Informationen der DeichStube weiterhin einen Großteil des Philipp-Gehalts übernehmen wird. Ein vergleichbares Szenario hatte es während Werders Zweitliga-Saison schon beim Leihgeschäft von Mitchell Weiser mit Bayer Leverkusen gegeben. Hinzu kommt, dass Oliver Burke bis zum Saisonende zum FC Milwall verliehen und dadurch Gehalt eingespart wird. Fritz: „Wir haben durch die Leihe jetzt wirtschaftliche Möglichkeiten zur Verfügung gehabt, um dafür dann Maximilian Philipp zu holen.“ Eine Kaufoption besitzen die Bremer nach Informationen der DeichStube bei diesem Gesamtpaket allerdings nicht.
„Werder ist ein toller Club. Ich freue mich auf die Aufgabe und die Chance, bei Werder spielen zu können. Ich will der Mannschaft helfen und wieder auf mehr Spielzeit kommen“, wird Maximilian Philipp auf Werders Internetseite zitiert. „Ich weiß, dass die Konkurrenzsituation groß ist, aber der stelle ich mich, und ich will meinen Teil dazu beitragen, dass Werder weiter so erfolgreich Fußball spielt.“
Werder will Verpflichtung nicht als Kampfansage verstanden wissen
Vom Neuzugang aus der Autostadt versprechen sich die Grün-Weißen eine Menge, wollen die Verpflichtung aber ausdrücklich nicht als Kampfansage in Richtung Marvin Ducksch und Co. verstanden wissen. „Das ist überhaupt keine Ansage“, wehrt Clemens Fritz ab, der stattdessen unterstreicht, dass es wichtig sei, „dass wir einen gesunden Konkurrenzkampf in der Mannschaft haben. Wenn sich jeder ausruhen kann, dann bringt uns das ja auch nicht weiter.“
Für Maximilian Philipp dürfte die Zwischenstation an der Weser, wo er in Niklas Stark und Mitchell Weiser auf zwei ehemalige Mitspieler trifft, mit denen er 2017 U21-Europameister wurde, eine Art sportlichen Neuanfang darstellen, denn in Wolfsburg, wo er noch einen Vertrag bis 2025 besitzt, kam er kaum noch zum Zuge. Im September wurde Philipp sogar von VfL-Coach Niko Kovac öffentlich wegen seines Defensivverhaltens kritisiert: „Ich erwarte da viel mehr. Er ist mit Sicherheit kein Spieler, der sich bemalt und überall reingeht. Aber wir brauchen das, wir brauchen jeden einzelnen und können nicht mit zwei, drei Mann weniger verteidigen.“
Der Wunsch nach dem richtigen Verhalten auf dem Platz lässt sich auch auf Oliver Burke übertragen. Aufgrund dieses Nachholbedarfs im Training und bei seinen Kurzeinsätzen hatte Werner in der Winterpause offen die Defizite des Schotten angeprangert. Während der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin durfte Burke zwar noch einmal 13 Minuten ran, gegen Köln (1:7) und Wolfsburg (2:1) war aber stets Eren Dinkci erste Sturm-Alternative von der Bank gewesen. Burke kam also nicht einmal mehr richtig in die Rolle des Jokers, die ihn anfangs gegen Stuttgart (2:2) und vor allem beim Triumph in Dortmund (3:2) ausgezeichnet hatte.
Eine Flucht soll der plötzliche Abschied aber trotzdem nicht sein. „Er hätte sich durchaus vorstellen können, auch hier in Bremen zu bleiben“, betont Fritz. „In den letzten zwei Tagen kam aber eine gewisse Dynamik herein, die auch ihm die Möglichkeit gab, mehr Spielpraxis zu sammeln.“ Zurück nach England soll die Reise gehen, genauer gesagt zum Zweitligisten FC Millwall, an den Burke bereits in der Vorsaison von Sheffield United verliehen worden war.
Eine Kaufoption gibt es auch in diesem Fall nicht, eine Rückkehr ist fest vorgesehen. „Es ist nicht so, dass wir die Hoffnung bei ihm aufgegeben haben“, unterstreicht Fritz. „Er ist nach wie vor ein Spieler von uns, in dem wir ein sehr großes Potenzial sehen. Wir erhoffen uns durch mehr Spielpraxis für ihn, dass er auch mehr Konstanz in seine Leistungen bekommt.“ Helfen soll er Werder dann erst später wieder. Jetzt soll dies Maximilian Philipp tun.