Werders Vizekapitän vor Wechsel zu Ajax

Klaassen: Abschied gegen Arminia

Vor zwei Jahren war seine Verpflichtung eine kleine Sensation für Werder, jetzt könnte Davy Klaassen dem Verein durch einen Verkauf zu Ajax Amsterdam sehr helfen. Gegen Bielefeld soll er aber noch mitspielen.
01.10.2020, 19:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Julien Beer
Klaassen: Abschied gegen Arminia

Er würde gerne wieder für Ajax Amsterdam jubeln: Werders Vizekapitän Davy Klaassen.

dpa

Wer am Donnerstag wissen wollte, ob Davy Klaassen beim geheimen Training der Werder-Profis noch dabei ist oder sich schon auf dem Weg nach Amsterdam befindet, der musste zunächst einmal nach oben schauen. Denn beim Torschusstraining flogen die Bälle bei so manchem Bremer Stürmer derart weit und hoch drüber, dass den Spaziergängern entlang der Weser schnell klar war, wo die Mannschaft trainierte. Und ja: Auf diesem Platz gehörte auch Klaassen zur Trainingsgruppe - und bei Werder gingen nach der Übungseinheit alle davon aus, dass der Vizekapitän auch noch am Sonnabend im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr, live bei Sky) für Werder am Ball ist. Denn eine Einigung im Transferpoker mit Klaassens Heimatverein Ajax Amsterdam, der seinen früheren Kapitän gerne zurückholen möchte, steht noch aus.

„Wir sind mit Ajax im Austausch“, erklärte Werders Sportchef Frank Baumann am Donnerstag, „ich gehe aber ganz fest davon aus, dass Davy gegen Bielefeld für uns auf dem Platz stehen wird. Wir haben immer betont, dass er für uns ein ganz wichtiger Spieler ist und dass wir ihn nicht so einfach gehen lassen – sondern nur, wenn unsere finanziellen Forderungen auch erfüllt werden.“ Werder besteht, so heißt es im Verein, auf eine fixe Ablöse im zweistelligen Millionenbereich; die ersten Offerten des niederländischen Traditionsvereins, der in diesem Sommer durch Spielerverkäufe sehr hohe Einnahmen erwirtschaftete, liegen noch darunter. Mit Werder Haltung in dieser Frage „sei die Situation klar“, bekräftigte Baumann und fügte mit Blick auf das Heimspiel gegen Bielefeld hinzu: „Ich glaube auch nicht, dass sich das Thema in den nächsten ein oder zwei Tagen auflösen wird.“ Vielmehr sei es, diese kleine Drohung an Ajax schickte er noch hinterher, auch sehr gut möglich, „dass Davy über den Transferschluss am 5. Oktober hinaus noch bei uns spielt“.

Kohfeldt: „Es darf uns nicht ablenken“

Doch das scheint nicht wirklich realistisch zu sein, schließlich braucht Werder wegen der coronabedingten Mindereinnahmen von mehr als 30 Millionen Euro dringend Transfererlöse, um einigermaßen vernünftig wirtschaften zu können. Und beim ursprünglichen Verkaufskandidaten Milot Rashica hat noch kein Verein zugeschlagen, nachdem RB Leipzig den Bremer Transferpoker nicht länger mitspielen wollte und offenbar final abgewunken hat.

Es hängt also viel an der Personalie Klaassen, und natürlich sei „so ein Transferthema auch in der Kabine präsent“, räumte Kohfeldt ein, „das ist aber in jedem Sommer so“. Im professionellen Fußball, so die Botschaft des Bremer Cheftrainers, gehöre das eben dazu: „Das darf und wird uns nicht ablenken. Ab dem heutigen Training haben wir uns mit dem Gegner beschäftigt, dementsprechend müssen wir solche Themen ausblenden können.“

Ein neuer Spieler soll kommen

Keinen Zweifel hegt Kohfeldt, dass auch seine Vizekapitän Klaassen das hinbekommt. „Davy war bei mir, wir haben offen über seinen Wechselwunsch gesprochen“, berichtete der Trainer, „er wusste es auch schon, bevor wir gegen Schalke gespielt haben. Er hat extra eine Woche gewartet, um es mir erst danach zu sagen. Und gegen Schalke hat keiner gemerkt, dass dieses Thema in seinem Kopf war. Das wird auch gegen Bielefeld so sein.“ Denn er wisse genau, und das schätze er ja so an seinem Mittelfeld-Kämpfer: “So lange er hier ist, wird er 100 Prozent geben. Das merkt man schon die ganze Woche im Training. Und es ist ja noch längst nicht sicher, dass er geht.“

Sollte der Wechsel platzen, würde Klaassen ganz sicher auch weiterhin alles für Werder geben, meinte Kohfeldt. Sollte der Wechselwunsch aber erfüllt werden, dann würde man einen Spieler verlieren, „den wir als Fußballer sehr schätzen und der auch eine unheimlich wichtige Ausstrahlung in der Kabine hat“. Dieser Verkust würde Werder sehr schmerzen, betonte der Trainer, „aber wir haben zu Beginn der Saison alle klar gesagt, dass wir uns auf einen Weg geeinigt haben, den wir alle mittragen. Wirklich alle. Deshalb wird man mich nicht klagen hören.“

Zumindest einen Teil der Klaassen-Ablöse würde Baumann gerne sofort wieder ausgeben, stellte er am Donnerstag in Aussicht. Jedoch würde dann nicht etwa der bislang vergeblich gesuchte Sechser plus ein Klaassen-Ersatz geholt, sondern „sehr gerne ein Mittelfeldspieler“, wie der Manager sagte. Bei diesem Spieler würde man „mindestens ins Gehalt, vielleicht auch in eine Ablöse oder eine Leihgebühr investieren“. Wie viel man ausgeben könne, hänge auch vom Endergebnis des Pokers um Klaassen ab. „Es gibt aber nicht den Zusammenhang, dass wir einem Abgang von Davy nur zustimmen würden, wenn wir selbst einen Neuzugang haben“, stellte Baumann klar. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Klaassen gegen Bielefeld ein letztes Mal im Werder-Trikot aufläuft.

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