Künftiger Trikotsponsor Weiter mit Wiesenhof? Bloß nicht, sagen Werders Fans

Bis zum Sommer 2017 ist Werder Bremen noch an seinen Trikotsponsor Wiesenhof gebunden. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Klarer ist da schon das Meinungsbild unter den Fans des Bremer Bundesligisten.
28.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Weiter mit Wiesenhof? Bloß nicht, sagen Werders Fans
Von Olaf Dorow

Bis zum Sommer 2017 ist Werder Bremen noch an seinen Trikotsponsor Wiesenhof gebunden. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Klarer ist da schon das Meinungsbild unter den Fans des Bremer Bundesligisten.

Viele wünschen sich, dass es nicht weitergeht. „Man sitzt da und denkt: „Hoffentlich ist bald 2017. Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei“, sagt Duduhan Dogru von der Online-Plattforum Worum. Sie ist die Vorsitzende des Trägervereins. Das Worum versammelt immerhin knapp 9000 User, und Dogru ist überzeugt, dass wie sie eine Mehrheit das Ende der Verbindung zwischen Werder und Wiesenhof herbeisehnt.

Zuletzt hatte ein als geschmacklos empfundener Werbespot des Werder-Partners für Empörung gesorgt. Darin wirbt der Comedian Atze Schröder für eine Wiesenhof-Wurst und reißt einen zotigen Witz, gemünzt auf das TV-Model Gina-Lisa Lohfink. Werder verurteilte den Spot scharf, Wiesenhof und Schröder entschuldigten sich. Der Spot wurde aus dem Netz genommen.

Lange Zeit war er allerdings online. Der Geflügelproduzent reagierte erst, als am Wochenende nach einem Twitter-Eintrag die Aufregung in der Netzgemeinde schnell immer größer wurde. „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, sagt Dogru. Der Spot ist ihrer Meinung nach extrem frauenverachtend und „geht gar nicht“, auch unabhängig von seiner Anspielung auf Gina-Lisa Lohfink. Wie dieser Spot es geschafft habe, von allen Instanzen abgenickt zu werden, sei ihr schleierhaft.

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Nachfolger der Targobank

Wiesenhof selbst verweist darauf, dass der Spot bereits im vergangenen Jahr gedreht wurde – und dann vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess um Gina-Lisa Lohfink nicht hätte veröffentlicht werden dürfen. Dies sei „im Tagesgeschäft übersehen“ worden. Der Sänger Jan Delay twitterte, dass er sein Amt als Werder-Botschafter vorläufig niederlege.

Der jüngste Fauxpas ist nicht eben das, was nötig wäre, um das Verhältnis der Werder-Fans zum Hauptpsonsor ihres Klubs zu verbessern. Als vor vier Jahren Wiesenhof – für rund sechs Millionen Euro – als Nachfolger der Targobank auf die Werder-Brust rückte, führte das zu etlichen Protesten und Austritten. Viele Werder-Freunde betrachten Wiesenhof seither als eine Art notwendiges Übel.

Mit einem Geldgeber, dessen Name auch mit Tierhaltung in riesigen Ställen, geschredderten Küken oder Eklats um unzumutbare Arbeitsbedingungen verbunden ist, können sich viele nicht identifizieren. „Ich als passionierter Trikotsammler würde nie ein Wiesenhof-Shirt kaufen, und damit bin ich alles andere als allein“, sagt Steffen Scholz vom Fanclub „WFC #TWERDER“, der zuletzt im Abstiegskampf die großangelegte Aktion „greenwhitewonderwall“ organisiert hatte.

Moral vs. wirtschaftliche Zwänge

Auf der einen Seite steht für viele Fans die Moral, auf der anderen stehen die wirtschaftlichen Zwänge. „Bin froh, wenn Wiesenhof nicht mehr Hauptsponsor bei uns ist. Andererseits haben die Werder in schwierigen Zeiten immer gut unterstützt“, schreibt ein Worum-User. In dieser Einerseits-Andererseits-Schere sieht Duduhan Dogru viele Werder-Anhänger. Sie rechnet jetzt nicht mit einer spontanen Austrittswelle aufgrund des Atze-Schröder-Spots. Sie hofft einfach, dass es bald vorbei ist.

Im Auftrag von Werder vermarktet die Agentur Infront die grün-weiße Brust. Vorteil für Werder: Findet sich kein Sponsor, zahlt Infront eine Garantiesumme. Nachteil: Nimmt der Klub den akquirierten Sponsor nicht, muss er selbst einen suchen. „Wiesenhof wäscht sich mit Werder das üble eigene Image rein, Werders Image leidet aber unter dieser Partnerschaft“, sagt Scholz. Wie Dogru hofft auch er, „dass sie diesen für Werder moralisch absolut unpassenden Vertrag wirklich Ende der kommenden Saison auslaufen lassen“.

Zuletzt hieß es allerdings, dass Wiesenhof Werder treu bleiben wolle. Wenn nicht als Trikotsponsor, dann womöglich als einer der Top-Sponsoren. Auf Nachfrage ließ Marketing-Chef Ingo Stryck mitteilen: „Wir haben bislang eine sehr gute Zusammenarbeit mit Werder Bremen und sehen dieser Partnerschaft auch zukünftig positiv entgegen.“

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