Löw verzichtet auf Kruse Wenn nicht jetzt, wann dann

Bundestrainer Joachim Löw hat darauf verzichtet, Max Kruse für den Confed-Cup zu nominieren. Und dass es mit einer Nominierung für die WM 2018 klappt, ist sehr fraglich.
17.05.2017, 18:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Marc Hagedorn Nico Schnurr

Bundestrainer Joachim Löw hat darauf verzichtet, Max Kruse für den Confed-Cup zu nominieren. Und dass es mit einer Nominierung für die WM 2018 klappt, ist sehr fraglich.

Max Kruse schlenderte zum Trainingsplatz. Er scherzte mit Claudio Pizarro, tätschelte ihn immer wieder an der Schulter und lachte fast die ganze Zeit – über Pizarros Späße, über die Horde an Kindern im Grundschulalter, die den Profis folgten, um sich ein Autogramm zu ergattern. „Max, Max“, riefen sie. „Autogramme machen wir nach dem Training“, sagte Max, also Kruse. Alles an ihm, das unverkrampfte Witzeln, der Smalltalk mit den kleinen Fans, der leichtfüßige Gang zum Platz, drückte aus: alles gut, alles wie immer.

Aber wie immer war am Mittwoch dann doch nicht alles. Gut zweieinhalb Stunden vor dem Werder-Training in Bremen war in Frankfurt der Kader der deutschen Nationalmannschaft für den Confed-Cup in Russland bekanntgegeben worden. Dabei waren interessante Namen gefallen. Sandro Wagner etwa – ist dabei. Amin Younes – ist dabei. Kerim Demirbay – dabei. Lars Stindl – auch. Max Kruse – fehlt. Und das war einigermaßen überraschend, denn mit Kruse hatten die meisten Experten gerechnet, da Kruse aus den herausragenden Werder-Wochen noch ein bisschen mehr als alle anderen Werderaner herausgeragt hatte. "Wir hätten uns alle für Max gefreut", sagte Werders Sportchef Frank Baumann. Kruse hatte es im März und April hingekriegt, über eine Strecke von acht Bundesliga-Spielen zehn Tore zu schießen und fünf weitere vorzubereiten. Besser war in dieser Zeit kein anderer deutscher Erstligaprofi gewesen. Für eine Berufung zum Confed-Cup hatte es trotzdem nicht gereicht.

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„Ich hätte ihn mitgenommen“, sagte Thomas Delaney, „Max Kruse hat super für uns gespielt.“ Der Hakan an der Sache: Thomas Delaney ist zwar vieles, er ist dänischer Nationalspieler, einer der besten Profis bei Werder und ein meinungsstarker Anführer sowieso. Aber er ist nicht der Bundestrainer. Das ist Joachim Löw, und der hat die Absage an Kruse am Mittwoch als Lob verkleidet. Löw sagte: „Bei Max weiß ich, was er kann.“ Und: „Die Tür ist für ihn nicht zu.“

Selbst im ausgedünnten Kader ist kein Platz für Kruse

Zwar glaubt auch Baumann nicht, dass Kruses Karriere beim DFB damit endgültig zu Ende ist. "Max wird weiter seine Leistung bringen und versuchen, Jogi Löw für die Zukunft zu überzeugen. Wer Max kennt, weiß, dass er sehr ehrgeizig ist. Er wird weiter das Ziel haben, in die Nationalmannschaft zurückzukehren." Ob das tatsächlich noch einmal klappt, ist allerdings sehr zweifelhaft.

Löw nämlich hatte ein paar Stunden zuvor auch sehr ausführlich darüber referiert, welche Rolle das Turnier ein Jahr vor der WM in seinen Planungen spielen soll und das klang für einen erfahrenen Spieler, wie Kruse einer ist, nicht so gut. Löw benutzte Begriffe wie „Perspektivkader“, sprach von einem „Sommer mit besonderen Herausforderungen“, da parallel zum Confed-Cup auch die U21-Europameisterschaft in Polen stattfindet. Da Löw in enger Absprache mit U21-Trainer Stefan Kuntz einige Confed-Kandidaten wie Serge Gnabry, Max Meyer oder Maximilan Arnold für die U21 freigegeben hatte, war der ohnehin schon sehr ausgedünnte A-Kader für Russland noch dünner geworden. Aber immer noch nicht so dünn, dass Löw auf Kruse hätte zurückgreifen müssen.

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Vermutlich wird sich Max Kruse, der bisher 14 Länderspiele gemacht und dabei vier Tore geschossen hat, darauf einstellen müssen, dass er in Löws Planspielen für die WM 2018 eine sehr untergeordnete Rolle spielen wird. Löw hatte zu Beginn der Kaderpräsentation mit Blick auf die Nominierten schließlich auch noch gesagt: „Alle diese Spieler stehen in der nächsten Saison unter unserer besonderen Beobachtung.“ Max Kruse steht demnach maximal am Rand.

Kruse kann "richtigen Urlaub" machen

Löw ist auf andere Spieler neugieriger. Etwa auf den Ex-Bremer Sandro Wagner (1899 Hoffenheim) und Amin Younes von Ajax Amsterdam. Ihre Namen nannte Löw ganz explizit, als er erklären sollte, weshalb er auf Max Kruse verzichte. „Ich habe mich entschieden für Spieler, die gewisse Perspektiven haben“, sagte Löw. Wagner verfügt in Zeiten, in denen in den Leistungszentren der Republik robuste Stoßstürmer kaum noch ausgebildet werden, über ein Alleinstellungsmerkmal. Sandro Wagner ist noch einer der wenigen aus dieser Gattung, er habe „eine andere Art und Weise zu spielen“, wie Löw sagte. Wagner ist als Ersatz für Mario Gomez vorgesehen, der wie andere etablierte Nationalspieler den Confed-Cup mit seinen Spielen gegen Australien, Chile und Kamerun auslassen darf, um nach der EM 2016 und vor der WM 2018 einen freien Sommer zu haben.

Frei hat jetzt auch Max Kruse. Und das ist aus Bremer Sicht vermutlich die gute Nachricht an Löws Entscheidung. Max Kruse kann ab Sonntag – dann liegt das letzte Punktspiel der Saison in Dortmund hinter Werder – in einen vierwöchigen Urlaub gehen, einen "richtigen Urlaub", wie Baumann es nannte.

Ende Juni, Anfang Juli nimmt Werder dann die Vorbereitung wieder auf: mit einem ausgeruhten Max Kruse, der von Beginn an dabei ist. Eine Teilnahme am Confed-Cup, der vom 17. Juni bis 2. Juli terminiert ist, hätte dazu geführt, dass Kruse den ersten Teil der Werder-Vorbereitung verpasst hätte. Wenn man weiß, wie sehr Kruses Spiel von einer starken Physis und erstklassiger Fitness lebt, dann darf man vorhersagen: Dem Bremer Spiel wird es nicht schaden, dass Max Kruses Nationalmannschaftskarriere weiter Pause macht.

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