Baumann schließt Zugang nicht aus

Wer ersetzt Bartels?

Die schwere Verletzung von Stürmer Fin Bartels zwingt Werder-Sportchef Frank Baumann dazu, sich Gedanken über eine unplanmäßige Verpflichtung im Winter zu machen. Doch wer käme überhaupt infrage?
10.12.2017, 18:07
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Cedric Voigt und Malte Bürger
Wer ersetzt Bartels?

Fin Bartels wird Werder lange fehlen.

imago

Es gab Phasen in dieser Saison, da fragten sich viele Fans, warum Fin Bartels eigentlich immer noch spielt. Zu durchwachsen waren seine Leistungen noch unter Alexander Nouri gewesen. Wenige Wochen später ist es vor allem eine Frage, die gestellt werden muss: Wann wird Bartels überhaupt wieder spielen können? Der Verdacht hat sich nämlich bestätigt, der 30-Jährige hat sich beim Sieg in Dortmund die Achillessehne gerissen. Bereits am Sonntag ist er im Klinikum Mitte in Bremen operiert worden, nun dürfte er mindestens sechs Monate ausfallen.

„Fin ist als Typ klar und nüchtern und versucht das Beste aus der Situation zu machen“, sagte Frank Baumann. Der Sportchef weiß nur zu genau, dass für ihn ähnliches gilt. Er bestätigte jedenfalls am Sonntag, dass auch ein Transfer im Winter nicht ausgeschlossen sei, um die Lücke zu schließen, die der Bartels-Ausfall verursacht. „Wir müssen uns Gedanken machen, wenn ein Stammspieler und Leistungsträger nicht zur Verfügung steht. Das verändert die Situation“, sagte Baumann zu MEIN WERDER, hob aber auch erneut hervor: „Grundsätzlich sind wir mit dem Kader zufrieden, das haben wir bereits die letzten Monate betont. Wir haben auf der Position andere Spieler, die sich nun zeigen können.“

Ein Konterspezialist ohnegleichen

Dass Bartels trotzdem so schwer zu ersetzen ist, hat mit der Spielweise des Angreifers zu tun, der in verschiedenen Grundordnungen für Werder als zweite Spitze oder Rechtsaußen auf den Platz ging. Denn: Bartels‘ Fähigkeiten sind im Paket einzigartig im Kader des SVW.

Als ausweichender Flügelspieler steht er Freigeist Max Kruse im Zentrum selten auf den Füßen, mit seinen pfeilschnellen Läufen hinter die Abwehr ist er stattdessen der perfekte Empfänger für Kruses Zuspiele durch die Schnittstellen der gegnerischen Defensivformation. Noch dazu ist Bartels ein vorzüglicher Umschaltspieler: Als Durchgangsstation für Angriffe beherrscht er das schnelle Spiel mit einem Kontakt, als balltreibender Spieler dribbelt er clever die richtigen Räume an, und als Verwerter besitzt Bartels ein Gespür für Laufwege und genug Gefühl im Fuß, auch in engen Situationen noch Chancen in Tore umzumünzen.

Kurz gesagt: Bartels ist ein temporeicher, konterstarker Außenstümer ohne Schnörkel und mit viel Zug zum Tor. Am nächsten kommt diesem Profil bei Werder noch Justin Eilers, doch der 29-Jährige muss sich nach einem Kreuzbandriss selbst noch ein bis zwei Monate für ein Comeback gedulden. Vieles spricht also dafür, dass Werder eine externe Lösung ins Visier fasst.

Bundesligaerfahrung ist schwer zu bekommen

Das Problem: Der Markt im Winter ist noch weniger ergiebig als im Sommer, das Bremer Budget dafür bekannterweise schmal. Eine bundesligaerfahrene Lösung dürfte nur schwer zu finden sein. Am ehesten könnte Frank Baumann noch einmal bei Max Eberl in Gladbach anklopfen: Dort streiten sich Jonas Hofmann, Patrick Herrmann und Ibrahima Traore um die Position im rechten Mittelfeld. Auch wenn Herrmann-Berater Thomas Kroth einen angeblichen Kontakt zu Werder zuletzt dementierte, scheint zumindest aus Spielersicht eine Leihe attraktiv.

Wahrscheinlicher dürfte der „neue“ Bartels aber von dort kommen, wo man schon das Original aufstöbern konnte: In der zweiten Liga grüßt derzeit etwa Kiels Rechtsaußen Kingsley Schindler von der Tabellenspitze. Der schnelle 24-Jährige trug in der Hinrunde mit fünf Treffern und drei Vorlagen zur erfolgreichsten Offensive der zweiten Liga bei – und war schon vor der Bartels-Verletzung mit Werder in Verbindung gebracht worden. Lucas Höler vom SV Sandhausen, der als gebürtiger Achimer zuletzt selbst bekundete, gerne einmal bei Werder spielen zu wollen, kommt sogar auf sechs Treffer und einen Assist. Der laufstarke 23-Jährige kann im Sturmzentrum wie auf dem Flügel eingesetzt werden, ähnelt Bartels in seinem Spielstil jedoch eher weniger.

Womöglich setzen die Werder-Scouts allerdings auch auf eine Verstärkung aus dem Ausland. In Russland meldete man zuletzt, dass Flügelstürmer Maxime Lestienne den in Geldnot geratenen Mittelfeldklub Rubin Kazan für 3 Millionen Euro in Richtung Bremen verlassen könnte. Der 25-jährige Belgier konnte allerdings zuletzt 2014 über einen längeren Zeitraum überzeugen.

Für die drei Spiele bis zur Winterpause wird man bei Werder ohnehin hoffen, den passenden Ersatzmann im eigenen Kader zu finden. Florian Kainz, der Bartels schon gegen den BVB ersetzen durfte, Izet Hajrovic, Ishak Belfodil und Aron Jóhannsson dürfen sich Chancen ausrechnen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+