Wer noch gehen könnte

Entweder oder: Die Transferduelle bei Werder

Im Kader von Werder Bremen stehen noch einige Verkaufskandidaten. Auf einigen Positionen wird es deshalb zu einer Art Verkaufsduell kommt. Wer könnte Werder noch verlassen?
11.07.2021, 18:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander
Entweder oder: Die Transferduelle bei Werder

Milos Veljkovic und Ömer Toprak sind zwei mögliche Wechselkandidaten, doch nur einen würde Werder Bremen wohl ziehen lassen.

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Elf Millionen! Das war doch mal was! Als Werder Bremen den Verkauf von Milot Rashica an Premier-League-Aufsteiger Norwich City vermeldete, war ein erster Schritt getan. Ein guter erster Schritt. Denn die Ablösesumme erfüllte die Erwartungen und zugleich die selbst gesetzte Vorgabe, bis Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni einen Transferüberschuss von mindestens neun Millionen Euro zu erzielen. Erledigt. Und das mit nur einem Deal. Doch dabei ist es bis dato auch geblieben.

Knapp drei Wochen später hat der Bundesliga-Absteiger aus Bremen keinen weiteren großen Verkauf tätigen können. Die Geschäfte kommen nicht wirklich ins Laufen, Entwicklung und Umbau der Mannschaft stocken. Dabei ist im Wesentlichen klar, wen Werder Bremen noch abgeben möchte. Ludwig Augustinsson, Josh Sargent, Marco Friedl, Maximilian Eggestein – aus diesen vier Spielern besteht die Gruppe, hinter der kein Fragezeichen steht, sondern ein Ausrufezeichen. Sie sollen Transfereinnahmen in einer Höhe bringen, mit denen Werder den sportlichen Verlust vielleicht nicht ausgleichen, die Qualität und Gehälter auf den Positionen aber der neuen Spielklasse angleichen kann. Doch es gibt auch Spieler, bei denen die Sache nicht so klar ist. Mitunter weil es in den Mannschaftsteilen zu einer Art Duell kommt. Entweder der eine geht oder der andere. 

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Entweder Ömer Toprak oder Milos Veljkovic

Dass Werder Bremen einen von beiden abgeben will und wird, war spätestens mit der Verpflichtung von Lars Lukas Mai klar. Die Bayern-Leihgabe ist derzeit Spieler Nummer drei für die rechte Innenverteidigerposition. Das ist einer zu viel, zumal der Kader in Christian Groß und auch Nicolai Rapp weitere Optionen bereithält.
Wäre es ein Wunschkonzert, würde sich Werder aus rein finanziellen Gründen wohl lieber von Toprak als von Veljkovic trennen. Der 31-Jährige hat zwar viel Erfahrung und steht für eine hohe fußballerische Qualität, die Werder jedoch mit geschätzt zwei Millionen Euro Gehalt auch teuer bezahlen muss. Eine verlockende Ablöse wird ein Toprak-Verkauf dagegen wegen des Alters und der umfangreichen Verletzungshistorie nicht mehr einbringen.

Bei Veljkovic gilt: Er ist jünger und deutlich günstiger im Gehalt. Allerdings: Wenn Werder mit dem 25-Jährigen noch einen Transfererlös erzielen will, dann jetzt. Der aktuelle Vertrag endet 2022. Und es gibt aus Veljkovics Sicht derzeit keinen Grund, den Kontrakt zu verlängern.
Werder-Sportchef Frank Baumann hat diese Argumente alle schon durchgespielt und kommt doch zu keinem klaren Ergebnis. Es sei „schwer vorherzusagen“, welcher der beiden Innenverteidiger geht oder bleibt. Denn letztlich entscheidet Werder nicht allein. „Wir können die Transfers ja nicht mit uns alleine machen. Die Frage ist immer, für wen ein attraktives Angebot reinkommt“, meint Baumann. Bisher offenbar für keinen von beiden.

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Entweder Yuya Osako oder Leo Bittencourt

So radikal wie es das „Entweder-oder“ suggeriert, sieht Baumann die Lage bei Osako (31) und Bittencourt (27) nicht. „Es kann auch sein, dass beide bleiben“, sagt er. Ein anderer Satz verrät aber auch, dass mindestens ein Abgang eingerechnet ist, zwei allerdings nicht. „Einer von beiden würde uns schon gut zu Gesicht stehen“, erklärt der Sportchef und meint die Qualität, Erfahrung und Flexibilität, die beide Spieler ins Team einbringen. Osako kann im 4-3-3 im offensiven Mittelfeld und im Sturmzentrum spielen, Bittencourt im offensiven Mittelfeld und auf den Flügeln. Doch zusammen sind sie für die 2. Liga ein finanziell gesehen schweres Paket, beide zu behalten, wäre fast schon ein Luxus.

Wer die besseren Karten hat? Klar ist, als Außenspieler wird Bittencourt gebraucht, Werder hat ansonsten in Eren Dinkci, Abdenego Nankishi und Nick Woltemade (19) viele forsche, aber eben auch unerfahrene Akteure für die Flügel. Die Bremer fahnden deshalb aktuell nach einem Neuzugang für die Positionen links und rechts im Angriff. „Klar ist: Wir wollen noch einen Spieler für die Außenbahnen holen“, sagt Baumann. Weil alle anderen Anwärter rechts ihren starken Fuß haben, wäre ein Linksfuß wünschenswert. „Wir müssen uns auf diesen Positionen Flexibilität erarbeiten“, meint Baumann. Bittencourt bietet sie schon, wieso also abgeben?

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Entweder Jiri Pavlenka oder Stefanos Kapino

Der Ausgang dieses Duells war lange vorgezeichnet: Pavlenka wird verkauft, Kapino übernimmt den Platz im Tor. Dachte man. Aber jetzt wird Pavlenka wohl doch nicht verkauft. Statt nach einem Verein sucht er nach den Gründen für seine Rückenprobleme (siehe Extra-Meldung) und will Werder offenbar nicht verlassen. Das durchkreuzt Kapinos Pläne. Clubintern ist deshalb längst geregelt, dass der Grieche – zuletzt schon an den SV Sandhausen verliehen – gehen wird, wenn Pavlenka bleibt. Ein weiteres Miteinander ist ausgeschlossen.    

Zur Sache

Dass die Räder in Sachen Spielerver- und damit auch -einkäufe seit dem Rashica-Transfer stillstehen, ist für Werder-Trainer Markus Anfang ein großes, hinlänglich beschriebenes Problem. Sportchef Frank Baumann kann dem Coach auch keine Versprechen machen, dass sich bis zum Saisonstart am 24. Juli gegen Hannover 96 noch besonders viel tun wird im Bremer Kader. Es ist aus seiner Sicht „nicht seriös zu beurteilen“, wann tatsächlich Schwung in die Angelegenheit kommt und der Transfermarkt wieder anspringt. Die Bundesligisten als potenzielle Käufer möglicher Werder-Profis haben gerade mit ihrer Saisonvorbereitung begonnen, werden wohl erst aktiv, wenn sich Lücken in ihren eigenen Kadern auftun. „Es kann sein, dass bis zu unserem Saisonauftakt noch in beide Richtungen etwas passiert“, sagt Baumann zwar, allerdings spielt auch er auf Zeit, will jetzt niemanden „unter Wert abgeben“. Leisten kann er es sich, glaubt der 45-Jährige: „Unsere Liquidität betreffend ist durch den Rashica-Transfer und die Mittelstandsanleihe der größte Druck raus.“    

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