Vier Kandidaten für Werders Abwehrzentrum

Wer wird der Sané-Nachfolger?

Und plötzlich muss es nicht nur ein torgefährlicher Außenstürmer sein, sondern auch noch ein weiterer Innenverteidiger: Wer könnte Lamine Sané bei Werder ersetzen?
29.01.2018, 13:09
Lesedauer: 5 Min
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Von Cedric Voigt

Auf der Zielgeraden der Transferphase sieht sich Werder-Sportchef Frank Baumann der enorm anspruchsvollen Aufgabe gegenüber, den Kader gleich auf zwei Positionen verstärken zu müssen: Neben einem Flügelspieler muss kurzfristig auch in der Defensive nachgelegt werden, denn Lamine Sané wird den Verein mit großer Wahrscheinlichkeit verlassen.

Angesichts der konsequenten Reaktion auf den Trainings-Boykott von Sané steht zu vermuten, dass man bei Werder auf eine Situation wie diese durchaus vorbereitet war. Schließlich war abzusehen, dass die Sané-Nachfolge spätestens im Sommer zum Thema werden würde: Unter Florian Kohfeldt ist der 30-Jährige nur noch Ersatz, die fehlende Gelegenheit, sich für die Nationalmannschaft des Senegal zu empfehlen, sorgte für Frust.

Ein neuer Innenverteidiger soll also bis zum Ende der Transferfrist am Mittwoch noch zum Team stoßen. „Wir spielen mit dem Gedanken, da noch etwas zu tun“, sagt auch Baumann – eine Ansage, die konkreter sein dürfte, als sie klingt. Aber wie könnte Werder Sané ersetzen? Möchte man die Kopfballstärke des 1,92 Meter großen Hünen zurück in den Kader holen? Sucht man einen neuen dritten Innenverteidiger oder jemanden, der dem zuletzt schwächelnden Milos Veljkovic Dampf machen kann? Und wie viel ist man bei Werder bereit, für einen Neuen auszugeben? Wir haben uns auf dem Transfermarkt nach Optionen umgeschaut.

Variante 1: Der Stilwechsel

Er wurde nach MEIN-WERDER-Informationen intern längst diskutiert und dürfte auch jetzt der Top-Kandidat auf die Sané-Nachfolger sein: Serdar Tasci vom russischen Spitzenclub Spartak Moskau geht in sein letztes halbes Vertragsjahr, noch dazu pausiert die Premier Liga bis März. Genug Zeit, einen Nachfolger einzuarbeiten, gäbe es für Spartak also wohl. Der 30-Jährige kennt die Bundesliga, wurde 2007 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und schaffte es 2010 in den WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft, für die Tasci insgesamt 14 Spiele absolvierte.

Tasci gilt als technisch guter Fußballer und würde nicht nur einen Back-Up mit Perspektive abgeben, sondern klare Stammplatzambitionen anmelden. Das ist womöglich ein zweischneidiges Schwert: Der 2019 auslaufende Vertrag von Milos Veljkovic soll verlängert werden, regelmäßiges Spielzeit wäre ein gutes Argument dafür. Dass diese allerdings mit Leistung verdient werden muss, ist ebenfalls klar. Ein Tasci, der mit seinen Fähigkeiten gut zum unter Kohfeldt praktizierten flachen Aufbauspiel passt, könnte die langfristige Planung verkomplizieren, kurzfristig aber das Niveau heben.

Zu bedenken ist, dass Tasci mit 1,86 Metern Körpergröße und grundsolider, aber nicht herausragender Zweikampfführung ein ganz anderer Spielertyp als Sané ist. Ob man seinen Kader mit Spielern füllen möchte, die allesamt zum bevorzugten Spielstil passen, oder unterschiedliche Spielertypen für unterschiedliche Gegner zur Verfügung haben möchte, ist letztlich eine Grundsatzfrage.

Alternative für einen Stilwechsel: Kaan Ayhan (Fortuna Düsseldorf, 22 Jahre, 1,85 Meter)

Variante 2: Die Leih-Lösung

Die Transfers von Ishak Belfodil und Marco Friedl zeigen, dass es für Werder oft schwierig ist, sich mit knappen Geldmitteln über Festverpflichtungen zu verstärken. Immer wieder soll ein Leihgeschäft helfen – auch der Sané-Abgang könnte auf diese Weise abgefedert werden. 2016 trug schließlich mit Papy Djilobodji auch ein Leih-Verteidiger maßgeblich zum Klassenerhalt bei.

Auch diesmal könnte Werder sich bei einem Top-Klub der Premier League umschauen: Der FC Arsenal verpflichtete Anfang Januar Konstantinos Mavropanos, 20 Jahre jung, 1,94 Meter groß und ein Shootingstar der griechischen Liga. Auch über eine Leihe zu Werder gab es im Rahmen des Transfers, der die Londoner etwa zwei Millionen Euro gekostet haben soll, rege Spekulationen. Mavropanos-Berater Konstantinos Farras wohnt in Bremen und vertritt eine ganze Reihe Ex-Werderaner, etwa den Dortmunder Verteidiger Sokratis.

Als groß gewachsener, körperlich starker Rechtsfuß könnte Mavropanos durchaus zum Sané-Vertreter werden. Allerdings fehlt dem Talent, das bis dato nur bei PAS Giannina in Griechenland zum Einsatz kam, die Erfahrung. Außerdem wäre der dritte Leihspieler womöglich einer zu viel – zumal Arsenal-Coach Arsene Wenger bereits betonte, Mavropanos nicht unbedingt­ verleihen zu wollen.

Alternative für eine Leih-Lösung: Krystian Bielik (FC Arsenal, 20 Jahr, 1,89 Meter)

Variante 3: Der sichere Back-Up

Eine unspektakuläre, aber nachvollziehbare Lösung wäre die Verpflichtung einer klaren Nummer 3 in der Hierarchie. So könnte man sich in Bremen weitere Konflikte wie im Fall Sané sparen und auf einen soliden Defensivmann setzen, der seine Abwehrarbeit zuverlässig verrichtet, wenn er gebraucht wird, aber vielleicht nicht ganz die Fantasie einer Spitzenverstärkung weckt.

Lasse Sobiech könnte ein solcher Spieler sein. Der Vertrag des 27-Jährigen, seit Jahren Abwehrchef des FC St. Pauli, läuft zum Saisonende aus. Niemand in der 2. Bundesliga kommt im Schnitt auf mehr klärende Aktionen pro Spiel (7,7), bei den gewonnen Kopfballduellen steht Sobiech ligaweit auf Platz fünf (6,6 pro Spiel). Der in Dortmund ausgebildete Verteidiger ist nicht der Schnellste und auch kein Filigrantechniker, aber ein abgeklärter, über Jahre hinweg zu den besten Verteidigern der zweiten Liga zählender Führungsspieler am Millerntor.

Als Back-Up mit kurzer Eingewöhnungszeit könnte ein Spieler wie Sobiech für Werder durchaus eine Überlegung wert sein – zumal in den letzten Jahren immer mal wieder Meldungen über ein loses Werder-Interesse an Sobiech kursierten.

Alternative als sicherer Back-Up: Toni Leistner (Union Berlin, 27 Jahre, 1,90 Meter)

Variante 4: Die günstige Gelegenheit

Ein Problem bei Transfers im Winter ist, dass man die Spieler, für die es in ihren Klubs gut läuft und die nicht unbedingt schon zur Saisonmitte den Sprung in eine stärkere Liga wagen wollen, schwer bekommt. Andererseits eröffnen sich auch Chancen, Spieler nach Bremen zu lotsen, deren großes Potential zuletzt nicht ganz ausgeschöpft werden konnte.

Ein Beispiel dafür wäre der Däne Alexander Scholz. Noch vor Jahresfrist galt der 25-Jährige als einer der besten Verteidiger der belgischen Liga, inzwischen ist Scholz bei Standard Lüttich nur noch Ersatz. Auch mit Scholz als Teilzeitkraft reicht es für die Wallonen bislang nur zum zehnten Tabellenplatz. Grund genug für den 1,89 Meter großen Abwehrmann, einen Vereinswechsel noch vor seinem Vertragsende 2019 zu erwägen.

Als Sohn deutscher Eltern hätte der in Kopenhagen aufgewachsene Scholz keinerlei Sprachprobleme. Bereits im Sommer soll Werder laut belgischen Medienberichten beim 14-maligen dänischen U21-Nationalspieler vorgefühlt haben. Mit Ishak Belfodil steht zudem ein ehemaliger Teamkamerad von Scholz bei Werder im Team. Rechtsfuß Scholz gilt als kompletter Verteidiger, der sowohl Robustheit und Dynamik als auch ein gewisses Maß an Ballsicherheit miteinander vereint. Fraglich ist allerdings die Form des in der letzten Saison zeitweilig sogar als Kapitän der Lütticher aufgelaufenen Abwehrspielers.

Alternative als günstiger Gelegenheit: Leo Lacroix (AS Saint-Etienne, 25 Jahre, 1,97 Meter)

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