2:0-Triumph im Pokal auf Schalke Werder abgezockt ins Halbfinale

Werder hat es geschafft: Die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt ist durch einen 2:0 (0:0)-Erfolg auf Schalke ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen und darf weiter von einer Reise nach Berlin träumen.
03.04.2019, 22:36
Lesedauer: 4 Min
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Werder abgezockt ins Halbfinale
Von Malte Bürger

Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, da gab es schon die ersten Überraschungen. An oberster Stelle: Der eigentlich Unverzichtbare fehlte. Theo Gebre Selassie musste aufgrund von Oberschenkelproblemen kurzfristig passen. Der Tscheche fehlte in dieser Saison somit erstmals in einem Pflichtspiel, bis dato hatte er sogar in jeder einzelnen Minute auf dem Platz gestanden. Da sich Felix Beijmo bislang nicht wirklich als Alternative aufgedrängt hat, rückte Marco Friedl ins Team.

In der Innenverteidigung vertraute Trainer Florian Kohfeldt erneut Milos Veljkovic, nachdem es in den Wochen zuvor noch so ausgesehen hatte, als hätte sich Sebastian Langkamp den Platz neben Abwehrchef Niklas Moisander gesichert. Es war also im Vorfeld wieder einmal reichlich Bewegung in Werders Hintermannschaft – zumal auch noch Nuri Sahin den weiterhin verletzten Philipp Bargfrede auf der Sechserposition vertrat.

Rashicas erste Versuche

Wesentlich gemächlicher war der Bremer Einstieg in das Viertelfinale. Schalke gehörte die Anfangsphase, das Heimteam war zunächst deutlich aggressiver in den Zweikämpfen und erarbeitete sich so ein kleines Übergewicht. Bereits nach zwei Minuten musste Jiri Pavlenka im Strafraum gegen Breel Embolo klären. Werder wurde kurz darauf erstmals nach einem schnellen Konter gefährlich, der Abschluss von Milot Rashica war letztlich aber doch zu harmlos (9.).

Die Szene taugte aber ganz gut als Beleg dafür, wie die Gäste an diesem Abend zum Erfolg kommen wollten. Den Ball durch ein gesundes Pressing erobern, dann blitzschnell umschalten und so den Gegner überrumpeln. Das Problem war, dass Werder zu Beginn noch die nötige Präzision im Passspiel vermissen ließ, über gute Ansätze kam die Mannschaft so anfangs nicht hinaus.

Kreativität bleibt auf der Strecke

Je länger die erste Hälfte jedoch dauerte, desto auffälliger wurde Werder - ohne jetzt die ganz große spielerische Kontrolle zu besitzen. Ein weiterer Rashica-Schuss wurde von Schalke-Keeper Alexander Nübel pariert (18.), bei einem Abschluss von Marco Friedl hatte er zwar mehr Probleme, doch die Heimelf bekam die Situation noch geklärt (25.). Und trotzdem, so richtig schön war es nicht, was auf beiden Seiten gezeigt wurde. Zu jeder Sekunde war zu spüren, wie viel für beide Teams auf dem Spiel stand, einen womöglich entscheidenden Fehler wollte sich partout niemand leisten. Dadurch minimierte sich nicht nur das Risiko, auch die Kreativität litt erheblich.

Kurz vor der Pause hätte dann eine Co-Produktion der Eggestein-Brüder fast doch noch zu einem Werder-Treffer geführt. Maximilian setzte Johannes in Szene, dessen Schuss jedoch knapp am Tor vorbeiging (41.). Drei Minuten später spielten die Bremer einen Konter nicht genau genug zu Ende, sodass aus einer aussichtsreichen Gelegenheit letztlich nur ein Schuss in die Wolken wurde (44.). Es war der letzte - wenn man es so nennen möchte - Höhepunkt einer doch recht ereignisarmen ersten Hälfte.

Per Traumtor zur Führung

Gleich nach dem Seitenwechsel wurde es dann erstmals so richtig brenzlig vor dem Werder-Tor. Der erst 19-jährige Nassim Boujellab nahm Fahrt auf, wurde nicht entscheidend bei seinem Sololauf gestört und setzte den Ball nur knapp über den Kasten (47.). Dann segelte ein Freistoß von Sebastian Rudy in den Strafraum, zum Bremer Glück traf Embolo völlig freistehend das Spielgerät nicht richtig (50.). Nur 120 Sekunden später klatschte ein Schuss von Guido Burgstaller an den Pfosten. Nein, wirklich gut waren die Gäste nicht aus der Kabine gekommen.

Immerhin, Werder überstand diese Phase unbeschadet. Die nächste eigene Chance ließ jedoch bis zur 59. Minute auf sich warten, als Johannes Eggestein aus knapp 16 Metern deutlich verzog. Wesentlich besser machte es kurz darauf Milot Rashica. Friedl hatte dem Kosovaren den Ball aufgelegt - und der setzte ihn mit einem ebenso fulminanten wie schönen Distanzschuss unhaltbar ins Netz (65.). Ein echtes Traumtor.

Klaassen legt nach

Da war sie also, die Führung, die sich Werder so sehr gewünscht hatte. Die Führung, die den Klub möglichst ins Halbfinale bringen sollte. Doch es war noch ein weiter Weg zu gehen. Schalke probierte es verständlicherweise mit neuem Personal im Angriff und brachte nun Mark Uth. Und tatsächlich rollte zügig der nächste Angriff aufs Bremer Tor, der Abschluss des ebenfalls eingewechselten Yevhen Konoplianka war aber viel zu harmlos (69.).

Und was tat Werder? Antwort: Erhöhte die Führung. Rashica legte auf Ludwig Augustinsson ab, der perfekt auf Davy Klaassen flankte. Der Niederländer pflückte den Ball nicht nur aus der Luft, sondern setzte ihn auch überlegt ins lange Eck (72.). Eine unheimlich abgezockte Aktion des Rekordtransfers. 2:0 lagen die Bremer nun vorn - und es war nur schwer vorstellbar, dass das Weiterkommen jetzt noch einmal ernsthaft in Gefahr geraten sollte. Tat es auch nicht mehr. Einziges kleines Ärgernis: Nuri Sahin sah in der 90. Minute noch wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte und muss in der nächsten Runde zuschauen.

Wunschgegner: Hamburger SV

Es war vielleicht nicht Werders bester Auftritt in dieser Saison, es war aber ein unheimlich reifer. Einer, der Erfolg bringt. Und das ist gerade im DFB-Pokal das, was einzig und allein zählt. Eine knappe Viertelstunde vor dem Ende der Partie dachten die Fans im Gästeblock bereits über einen möglichen nächsten Gegner nach. Die Bayern sollten es nicht sein, auch RB Leipzig zählte nicht zu den Favoriten. Stattdessen soll es doch bitteschön ein Nordderby sein. „Über Hamburg fahr'n wir nach Berlin“ sang der Werder-Anhang laut, endgültig Klarheit herrscht darüber allerdings erst am kommenden Sonntag, wenn zeitgleich zum Auswärtsspiel in Mönchengladbach gelost wird.

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