Nach Ecken und Freistößen passiert zu wenig Werders Standards sind nicht gut genug

Werder hat weiter massive Probleme im Angriffsspiel - umso wichtiger sind eigene Standardsituationen. Aber nicht nur in diesem Bereich lässt die Mannschaft zu viele Möglichkeiten liegen.
17.12.2020, 13:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Rommel

Es soll ja schon Mannschaften gegeben haben, die konnten sich wegen ihrer überragender Stärke bei Standardsituationen in der Liga halten. Das ist freilich eine deutlich überspitzte Bewertung, Darmstadt 98, der FC Ingolstadt, zuletzt Union oder der 1. FC Köln gehen trotzdem als gute Beispiele durch. Und auch Werder profitierte im Frühjahr 2016 von seiner Qualität bei ruhenden Bällen: Ohne 15 Standardtore wäre der Abstieg kaum vermeidbar gewesen.

Die Tendenz der letzten Jahre ist ziemlich eindeutig: Eckbälle, Freistöße und sogar Einwürfe werden immer wichtiger und bedeuten mittlerweile einen großen Faktor im Offensivspiel fast jeder Mannschaft. Bei Werder ist das nicht anders, streng genommen sollten die so genannten Standardsituationen einen ganz wichtigen Platz einnehmen.

Und das könnten sie in Theorie auch, Werder erspielt sich rund ein Dutzend Eck- und Freistöße aus guten Positionen pro Spiel. Nur kommt dabei mittlerweile immer weniger raus. Rechnet man die drei zugesprochenen und auch verwandelten Strafstöße raus, bleibt bisher ein Tor nach einem Freistoß und zwei nach einer von insgesamt 41 Ecken.

Verschenktes Potenzial

Im Liga-Vergleich rangiert Werder damit zwar im gesicherten Mittelfeld, weit weg von sowohl Mainz 05 (bisher gar kein Standardtor) als auch Bayer Leverkusen (schon neun). Eingedenk der Tatsache, dass Werder aber auch nach einem Drittel der Saison massive Probleme im Herausspielen von Torchancen auf dem freien Spiel hat und deshalb kaum zu Schüssen auf das gegnerische Tor kommt, liegt in den Standards aber noch jede Menge nicht ausgeschöpftes Potenzial.

Fast immer tritt in diesen Momenten Ludwig Augustinsson auf den Plan. Der Schwede ist derzeit Werders Schütze Nummer eins, serviert Eckbälle und Freistöße von beiden Seiten. Augustinsson macht auch ganz ordentlich - aber nicht gut genug. Gegen die Verteidigungsstrategien der meisten Gegner ist ein Eckstoß auf den ersten Pfosten ein probates Mittel, dort hat das System der Raumverteidigung einen besonders wunden Punkt. Werder versuchte das oft genug in den letzten Partien, geklappt hat es nur in Wolfsburg, als Kevin Möhwald den Ball etwas glücklich ins lange Eck verlängerte.

Ansonsten ist da momentan nicht viel los bei Werder, obwohl der Standard an sich eine der leichteren Übungen sein sollte für einen Profi: Der Ball liegt ruhig, es gibt keinen Zeit- und keinen Gegnerdruck, die Ausgangspositionen der Mitspieler sollten klar geregelt sein und auch das, was in den nächsten Momenten passieren soll. Planbarer geht es nicht mehr. Natürlich gibt es da auch immer noch einen Gegner, der einen völlig anderen Plan verfolgt. Der aber ist immer in einer reaktiven Rolle gefesselt. Die angreifende Mannschaft bestimmt, was gleich passieren wird. Und das kann man einstudieren.

Augustinsson als Sinnbild

Es ist jedenfalls ein Zufall, dass Union Berlins Christopher Trimmel, wie auch Augustinsson ein Außenverteidger, nach elf Torvorlagen in der letzten Saison nun schon wieder bei deren sechs liegt, fast alle davon nach einem ruhenden Ball. Augustinsson steht hier wie auch in anderen Spielsituationen stellvertretend für die gesamte Mannschaft.

Am Engagement liegt es nicht und auch im freien Spiel bringt sich Augustinsson als deutlich offensiverer Außenverteidiger als Theo Gebre Selassie in durchaus vielversprechende Situationen. Das funktioniert schon besser als noch zum Saisonbeginn, es fehlt dann aber an Präzision und auch Entschlossenheit. Augustinssons Flanken versprühen derzeit kaum Gefahr im gegnerischen Strafraum.

Flanken, Ecken und Freistöße mögen im Fußball das Mittel des kleinen Mannes sein. Wenn die spielerische Armut aber grassiert, werden die vermeintlich einfachen Tore besonders wichtig. Aber auch hier kann Werder momentan nicht auf dem nötigen Niveau reüssieren.

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