Werder-Aufsichtsrat

Möhlmann soll der neue Bode werden

Wer wird Werder Bremen künftig von ganz oben führen? Gleich vier neue Aufsichtsräte werden gesucht - darunter vor allem ein Nachfolger von Marco Bode. Der scheint jetzt gefunden zu sein.
22.07.2021, 14:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Möhlmann soll der neue Bode werden

Benno Möhlmann könnte der neue Bode bei Werder werden (Archivfoto).

Christina Kuhaupt

Die Unruhe beim SV Werder Bremen könnte kaum größer sein. Das liegt weniger am bevorstehenden Saisonstart in die 2. Liga, sondern viel mehr an der Ungewissheit, wer den Bundesligisten künftig von ganz oben führt. Gesucht werden gleich vier neue Aufsichtsräte – und dabei vor allem ein Nachfolger von Marco Bode, den Vorsitzenden des Kontrollgremiums. Der Ehrenspielführer ist die sportliche Instanz im Aufsichtsrat sowie dessen Stimme und Gesicht. Der Verein hat händeringend nach einem Ersatz gefahndet und ist nach Informationen unserer Deichstube inzwischen fündig geworden: Benno Möhlmann soll Bodes Nachfolger werden. Doch der ehemalige Werder-Profi und Trainer diverser Erst- und Zweitligisten ist noch kein sicherer Kandidat für die Wahl bei der Mitgliederversammlung am 5. September im Wohninvest Weserstadion.

„Ich möchte mich zu dem Thema aktuell nicht äußern“, gibt sich Möhlmann auf Nachfrage unserer Deichstube ziemlich zugeknöpft. Aus gutem Grund: Der Wahlausschuss möchte nicht, dass die möglichen Kandidaten für den Aufsichtsrat schon jetzt öffentlich bekanntwerden. Das zur Zeit mächtigste Gremium des Vereins, bestehend aus vier Mitgliedern des Ehrenrates und drei des Präsidiums, will mit Peter Eilers an der Spitze unbedingt im Verborgenen arbeiten und am liebsten erst am Wahltag selbst die Kandidaten vorstellen. Dagegen regt sich allerdings großer Widerstand im Verein. Und viele Bewerber haben sich längst selbst geoutet – wie zum Beispiel Jörg Wontorra, Maria Yaiza Stüven Sanchez, Henning Lühr, Oliver Krieg, Frank Lenk oder Dirk Wintermann.

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Die Personalie Möhlmann ist dabei allerdings eine ganz Besondere. Der 66-Jährige hat sich nicht selbst ins Gespräch gebracht, sondern ist quasi vom Verein angesprochen worden. Die Initiative soll vom noch amtierenden Aufsichtsrat ausgegangen sein. Daraufhin hat Eilers dann Kontakt zu Möhlmann aufgenommen und ihn zur Vorstellung vor dem Wahlausschuss eingeladen. Die Mitglieder seien sehr angetan gewesen sein, heißt es. Dennoch steht eine endgültige Entscheidung, ob Möhlmann wirklich ein Kandidat wird, noch aus.

Ins Profil würde er jedenfalls sehr gut passen. Möhlmann hat von 1978 bis 1987 für Werder gespielt, dabei in 230 Bundesligapartien 33 Tore erzielt. Anschließend wechselte der Mittelfeldspieler zum Hamburger SV, bei dem er 1989 seine Karriere beendete und dann im Nachwuchs als Trainer arbeitete. 1992 übernahm er die Bundesliga-Mannschaft, bis er drei Jahre später entlassen wurde. Es folgte eine lange Zeit als Trainer mit zahlreichen Jobs – vornehmlich in der 2. Liga (Greuther Fürth, Arminia Bielefeld, FSV Frankfurt, 1860 München, FC Ingolstadt). Deshalb wird Möhlmann auch „Mr. 2. Liga“ genannt. 2019 kehrte der Ex-Profi dann noch einmal zu seinem langjährigen Club Greuther Fürth zurück – diesmal als führender Mitarbeiter im Nachwuchsleistungszentrum und im Scouting.

Bremen ist Möhlmann dabei immer treu geblieben. Mit seiner Frau und den vier Kindern lebt der gebürtige Lohner in der Hansestadt. Er schaute auch gelegentlich bei Werder-Spielen vorbei, aber den ganz engen Kontakt zu den Verantwortlichen pflegte Möhlmann nicht. Er gilt daher als unabhängig, was ihn angesichts der Machtkämpfe rund um den Traditionsclub für seine angedachte Aufgabe im Aufsichtsrat sehr interessant macht. Auch deshalb wurde Möhlmann vom Verein kontaktiert.

Der Wahlausschuss ist in diesen Tagen schwer gefordert. Die Kandidatensuche biegt auf die Zielgerade ein. Nachdem Bode, Kurt Zech, Andreas Hoetzel und Thomas Krohne angekündigt haben, sich als Folge des Abstiegs nicht mehr zur Wahl zur stellen, um einer Erneuerung nicht im Wege zu stehen, ist das Interesse an diesen vier Posten förmlich explodiert. Immer mehr Bewerber haben sich gemeldet, von über 30 ist die Rede.

Inzwischen beschäftigten sich Eilers und Co. nur noch mit Personen, die per Unterschrift von mindestens 50 Mitgliedern unterstützt werden. Laut Satzung müssen diese Bewerber allerdings auch angehört werden. Dafür sind einige Interessenten durchaus kreativ geworden. Einer soll sich vor dem Nachwuchsleistungszentrum in der Pauliner Marsch aufgestellt und die Eltern der Jugendspieler um Unterschriften gebeten haben. 

Vier Wochen vor der Mitgliederversammlung endet die Bewerbungsfrist. Der Wahlausschuss muss dann möglichst schnell entscheiden, wer zur Wahl zugelassen wird. Möhlmann dürfte da sehr gute Chancen haben, denn bislang ist noch kein möglicher Kandidat mit fußballerischer Expertise bekanntgeworden. So einen neuen Bode will der Verein aber unbedingt im Aufsichtsrat haben. Denn es geht nicht nur darum, die Geschäftsführung finanziell zu kontrollieren und zu beraten, sondern auch sportlich.    

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