Kritik an Umgang mit Werder-Chefcoach

Ausgeübter Druck auf Kohfeldt wird angeprangert

Florian Kohfeldt bleibt Chefcoach des SV Werder Bremen, wird aber zugleich vom Verein öffentlich stark unter Druck gesetzt, beim nächsten Spiel einen Sieg einzufahren. Reaktionen.
27.04.2021, 18:45
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Carsten Sander und Björn Knips
Ausgeübter Druck auf Kohfeldt wird angeprangert

Willi Lemke findet es "wenig zielführend", wie mit Kohfeldt umgegangen wird. Das passe nicht zu Werder Bremen.

Axel Heimken /dpa

Selten hat die Antwort in einer Trainerfrage beim SV Werder Bremen für so viel Wirbel gesorgt wie im Fall Florian Kohfeldt. Es gibt jede Menge Kritik, denn der 38-Jährige darf trotz einer vereinshistorischen Niederlagenserie und größter Abstiegsgefahr überraschend weitermachen. Doch fast noch mehr wird angeprangert, wie massiv der Club seinen Trainer für das Pokal-Halbfinale am Freitag gegen RB Leipzig unter Druck gesetzt hat – und zwar öffentlich.

Unsere Deichstube hat ehemalige Werder-Profis und Ex-Manager Willi Lemke gefragt, was sie von der Entscheidung halten.

Sebastian Prödl: „Das ist eine etwas eigenartige Entscheidung, denn am Freitag gibt es ja eigentlich nichts zu verlieren, was die Liga betrifft. Was passiert denn, wenn sie 0:3 untergehen, aber gut gespielt haben? Ich bin kein Freund von Aktionismus. Wenn ein Trainerwechsel angedacht ist, hätte man ihn unbedingt vor dem Pokalspiel durchführen müssen, weil der neue Trainer zumindest zwei Wochen Zeit gehabt hätte, die Mannschaft auf den Endspurt in der Bundesliga vorzubereiten. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung, egal, was am Freitag passiert, pro Kohfeldt ausfallen wird.“

Lesen Sie auch


Willi Lemke: „Ich habe diese Entscheidung nicht erwartet. Sie ist unangemessen und respektlos. Nun steht der Mensch Florian Kohfeldt, und ich meine ausdrücklich nicht den Cheftrainer Florian Kohfeldt, unglaublich unter Druck. Und das gegen so einen starken Gegner. Florian hat es schon schwer genug mit dieser Mannschaft, deren Qualität auch unter der schlechten Kaderplanung leidet. Da ist es wenig zielführend, so mit ihm umzugehen, das passt auch nicht zu Werder Bremen.“

Christian Schulz: „Ich kann die Entscheidung, die jetzt getroffen wurde, verstehen. Ich hätte allerdings auch verstanden, wenn es in die andere Richtung gegangen wäre. Florian Kohfeldt hat jetzt sicherlich nicht die perfekte Rückendeckung bekommen, aber das ist im Fußball manchmal so. Ich hoffe, dass die Saison für Werder gut ausgeht.“

Lesen Sie auch

Fabian Ernst: „Dass die Mannschaft ausgerechnet gegen Leipzig zeigen kann, was sich der Trainer und damit auch Vereinsführung vorstellen, wage ich ein bisschen zu bezweifeln. Das wird extrem schwierig. Man muss aber auch sehen: Was gibt es überhaupt für Alternativen? Es schreit bestimmt niemand Hier, um den Job bei Werder zu übernehmen - vor allem nicht für nur drei oder vier Spiele. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ein Feuerwehrmann, der bald wieder weg ist, so einen Motivationsschub bei den Spielern auslöst. Die Mannschaft muss sich jetzt einfach zerreißen und alles geben!“

Jurica Vranjes: „Werder ist der beste Verein für Trainer, da bekommst du so viele Chancen wie nirgends. Ich kann Florian Kohfeldt nichts vorwerfen, er holt eigentlich das Beste aus dieser Mannschaft heraus. Aber nach sieben Niederlagen in Folge hätte ich mich für einen neuen Impuls, also einen neuen Trainer entschieden. Und zwar sofort, damit der neue Trainer das Pokalspiel nutzen kann, um die Mannschaft besser kennenzulernen. Aber gut: Wenn Werder am Freitag gegen Leipzig gewinnt, kann der Plan von Frank Baumann mit Kohfeldt aufgehen. Es wird allerdings verdammt schwer.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+