Baumann über die Kruse-Gerüchte „Es ist ein positiver Aspekt"

Kommt er, oder kommt er nicht? Frank Baumann erklärt, wie er zu den Rückkehr-Gerüchten um Max Kruse steht. Nebenbei gibt Werders Sportchef zu erkennen, dass er erstaunlich gut informiert ist.
25.07.2020, 11:40
Lesedauer: 3 Min
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„Es ist ein positiver Aspekt
Von Christoph Sonnenberg

Wer Max Kruse bei Instagram folgt, erkennt schnell, dass da einer mit großem Eifer an der eigenen Legende strickt. Geschickt legt er Fährten, deren Ende häufig nicht gleich erkennbar ist und auch nicht sein soll. Einen Besuch auf dem Trainingsgelände des VfB Stuttgart verbreitete er neulich, der sehr schnell und vielfach dazu führte, den VfB als potenziellen neuen Arbeitgeber zu deuten. Kurz darauf klärte Kruse auf, dass das ganze ein gezielter Schwindel seinerseits war. Für eine gute Sache selbstverständlich, in deren Dienst er steht und die er auf diesem Weg beworben hatte.

Kruse hält seine Fans über das soziale Netzwerk mit Fotos, Videos und kleinen Botschaften auf dem Laufenden, er kommentiert aber auch Medienberichte, mitunter entlarvt er sie als falsch. Man kann sich gut vorstellen, wie Kruse auf seinem Handy verfolgt, wie sich die Wirkung seiner Beiträge entfaltet und sich dabei einen feixt.

Kommt er jetzt zurück oder nicht?

Max Kruse mag es, wenn sich die Menschen mit Max Kruse beschäftigen. In Bremen ist das gerade verstärkt der Fall und daran trägt er natürlich auch seinen Anteil. Es geht um eine Rückkehr zu Werder, seit einigen Tagen wabert das Gerücht durch Bremen. Kaum ein Artikel erregt auch nur annähernd so viel Aufmerksamkeit wie die, die den Namen Kruse enthalten. Die Menschen treibt die Frage um: Kommt er jetzt zurück oder nicht?

Frank Baumann könnte, mag dem ganzen Treiben aber kein Ende setzen. So wie er es Mitte Januar getan hat, als schon einmal über eine Rückkehr Kruses spekuliert wurde. „Damals hatten wir daran ein Interesse, weil wir solche Gerüchte im Abstiegskampf überhaupt nicht gebrauchen konnten„, sagt Baumann. „Und weil es völliger Quatsch war.“ Jetzt ist es also kein völliger Quatsch?

Die Nachfrage lässt Werders Sportchef abperlen. Er erklärt den Unterschied von damals, also Mitte Januar, zu heute. „Für uns ist immer wichtig, welchen Einfluss solche Geschichten auf die Mannschaft haben. Im Abstiegskampf, wenn ohnehin viel darüber geschrieben wird, dass Max Kruse fehlt, wir aber unsere Mannschaft stark reden müssen, damit sie Leistung bringt und wir in der Liga bleiben, können wir solche Diskussionen nicht gebrauchen.„ Deshalb zog Baumann schnell den Stecker und verkündete, Kruse kehre keinesfalls zurück. „Damals hätte uns die Geschichte eher geschadet als geholfen.“

„Die Journalisten haben etwas zu schreiben."

Jetzt ist die Situation eine andere. Zum einen, weil weder trainiert noch gespielt wird. Was in der Zeitung steht, kann keine „negativen Einflüsse auf die Mannschaft haben". Baumann sagt: „Jetzt kann ich es sehr gut laufen lassen." Die Effekte seien ja vielfältig, wie er erkennbar amüsiert feststellt: „Die Journalisten haben dann etwas zu schreiben."

Aber nicht nur die, auch Werder profitiert von der Berichterstattung rund um Kruse. Es geht nicht mehr um die kritische Aufarbeitung der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte, die bisher ohne erkennbare Folgen geblieben ist. Ein möglicher Ausverkauf der Mannschaft, mit dem finanzielle Löcher gestopft werden müssen, ist auch kein Thema. Es geht um Kruse und dessen Rückkehr, die wie eine Verheißung behandelt wird. „Es schadet uns nicht„, sagt Baumann über den Kruse-Hype rund um den Klub. „Es ist eher ein positiver Aspekt.“

Im Kern bleibt sich Baumann treu: „In einer Transferphase kommentiere ich solche Gerüchte nicht." Die Frage, ob es Gespräche über eine Rückkehr gegeben hat, lässt er unbeantwortet. Kruse hat im privaten Umfeld darüber gesprochen, nach Informationen des WESER-KURIER liebäugelt er mit einem Vertrag bei Werder. Darauf angesprochen sagt Baumann: „Max kann sich wahrscheinlich viel vorstellen." Um dann zu fragen: „Aber er hat vermutlich auch nicht gesagt, dass er nur zu Werder will."

Baumann ist erstaunlich gut informiert

Auch Baumann entwickelt erkennbaren Spaß, den Meldungen um Kruse gerade so viel Nahrung zu geben, damit sie nicht enden. Es sammeln sich im Gespräch dann aber doch ein paar Indizien die dafür sprechen, dass etwas dran ist an den Spekulationen. Den Vertrag bei Fenerbahce Istanbul hat Kruse einseitig gekündigt, weil es Probleme bei den Gehaltszahlungen gab. Ob das rechtens ist und er ablösefrei zu einem anderen Klub wechseln darf, ist noch ungeklärt. Baumann sagt: „Da lässt sich der Spieler beraten. Die muss schon erfolgt sein, sonst hätte Max oder auch andere Spieler diesen Schritt nicht gemacht." Das legt nahe, dass Baumann über den Sachstand informiert ist.

Auch über die Möglichkeit einer Teilnahme am Training ist offenbar schon gesprochen worden. Auch solange die Frage, wie der Vertragsstand von Kruse ist, nicht einwandfrei klar ist, könnte er bei Werder mitkicken. „Die Verbände, also die Fifa, erteilen da auch Trainings- und Spielgenehmigungen.„ Denn bis Vertragsstreitigkeiten endgültig geklärt sind, kann viel Zeit vergehen: „Eine finale Entscheidung kann bis vor das CAS gehen. Das dauert häufig Monate.“

Bis dahin will Baumann aber verraten haben, wie ernst das Interesse an Kruse ist.

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