Filbry zur DFL-Versammlung

„Wir fordern keine Lex Fußball"

Der Ball soll in der Bundesliga möglichst schnell wieder rollen, eine Sonderrolle will die DFL laut Klaus Filbry aber nicht. Der Fußball sei sich seiner gesellschaftlichen Rolle sehr wohl bewusst.
01.04.2020, 10:47
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Von Christoph Sonnenberg, Christoph Bähr und Malte Bürger
„Wir fordern keine Lex Fußball"
nordphoto / Ewert

Es läuft gerade nicht viel zusammen im Fußball, deshalb kann die Vollversammlung der 36 Bundesligaklubs am Dienstagmittag durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Zumindest der Ablauf, der in dieser Form erstmalig und dann auch noch reibungslos über die Bühne ging. Statt auf großer Bühne mit vielen Delegierten der einzelnen Vereine gab es eine Videokonferenz mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert als Moderator. Alle Klubvertreter, die zugeschaltet wurden, waren als kleine Ausschnitte auf den Bildschirmen zu sehen. Wer einen Wortbeitrag einbringen wollte, musste eine Nachricht an den Moderatoren schicken. Einige Tonaussetzer hat es gegeben, das waren die einzigen Probleme. Eine „insgesamt gelungene Geschichte" sei es gewesen, sagt Klaus Filbry, der für Werder dabei war.

Der Fußball tut das, was man in Krisen eben tut, er rückt zusammen. Wo es sonst schwierig bis unmöglich ist, 36 Interessen unter einen Hut zu bekommen, erleichtert die plötzliche Notlage gemeinsame Entschlüsse. „Physische Distanz produziert soziale Nähe„, sagt Filbry in Anspielung auf die Videokonferenz. „Es hat alle Vereine näher zusammen gebracht, weil alle Klubs mit den Auswirkungen der der Coronakrise zu tun haben.“

Extreme wirtschaftliche Herausforderungen

Nicht jeder ist gleich vorbereitet, der FC Bayern und Borussia Dortmund gehören neben den Klubs, die einen Investor im Rücken haben wie Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen, zu denen, die länger durchhalten. Andere dürften, so sagte es der DFL-Geschäftsführer, schon bald an ihre Grenzen stoßen. Wird die Saison nicht weiter gespielt und bleiben in Folge dessen die Zahlungen der Fernsehsender aus, gehe es laut Seifert im Mai oder Juni bei einigen Klubs um die nackte Existenz.

Wen das betrifft, wollte er nicht verraten. Und ob Werder dazu zählt, ließ auch Filbry offen. „Es sind extrem starke wirtschaftliche Herausforderungen sowohl für uns als auch die anderen Vereine„, wiederholte Filbry nur das, was er bereits gesagt hatte. „Unsere Aufgabe ist es, Lösungen für unterschiedliche Szenarien zu entwickeln. Und wir müssen immer vom Schlimmsten ausgehen.“ Ein solches Szenario zu entwerfen, darum hatte die DFL im Vorfeld alle Klubs aufgefordert.

Spiel-Pause bis zum 30. April verlängert

Dass Werder auch das Schlimmste Szenario übersteht, davon geht Werders Geschäftsführer aus: „Aktuell ist die Lage für alle Klubs ernst. Über Details will ich nicht sprechen. Wir haben gute Gespräche geführt und gute Rückmeldungen von unseren Partnern bekommen. Darum bin ich zuversichtlich, dass die Situation für Werder hart ist, aber wir am Ende gestärkt aus dieser Situation hervorgehen werden."

Doch das funktioniert nur, wenn die Saison zu Ende gespielt werden kann. Und davon gehen alle 36 Klubs derzeit aus. Die Spiel-Pause ist bis zum 30. April verlängert worden. Dann aber, mit Beginn des Mai, soll der Ball wieder rollen. „Es wäre schön, wenn im Mai wieder gespielt werden dürfte“, sagte Bayerns Karl-Heinz Rummenigge nach der Mitgliederversammlung im Interview bei „Sky". Und das sehen alle anderen Klubvertreter ganz genau so.

Über einen Saisonabbruch wurde nicht gesprochen

Ein vorzeitiges Ende der Saison und die unmittelbaren Folgen wurde gar nicht erst thematisiert in der virtuellen Versammlung, bestätigt Filbry: „Über einen Saisonabbruch ist heute nicht gesprochen worden.„ Was fahrlässig klingt, hat einen einfachen Grund: „Wir wollen signalisieren: Wenn es machbar ist, wollen wir die Saison zu Ende spielen“, sagt Filbry. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – dieser Schluss schwingt mit bei den Sätzen Filbrys, die aber wohl auch jeder andere Funktionär des Fußballs hätte gesagt haben können. Der Fußball scheint entschlossen, die Saison zu einem Ende zu bringen, weil nur dann der finanzielle Schaden einigermaßen zu kontrollieren wäre.

Es kann durchaus der Eindruck entstehen, der Fußball sehe sich in einer besonderen Rolle. Während Virologen immer pessimistischere Prognosen entwerfen und Einschränkungen bis ins kommende Jahr vorhersagen, plant die DFL die nächsten Spiele im Mai. Diesem Eindruck widerspricht Filbry mit Nachdruck. „Christian Seifert hat sehr deutlich gemacht, dass wir uns als Bundesliga hinter den Beschlüssen und Entscheidungen der Politik anstellen. Wir können keine Lex Fußball fordern.„ Eine Sonderstellung des Fußballs zu fordern, sei in der aktuellen Situation der falsche Weg. Dass trotzdem an den verschiedenen Optionen einer baldigen Rückkehr auf den Platz gearbeitet wird, sei der richtige Weg: „Wir müssen auch darauf hinweisen, dass wir etwas produzieren, ein Fußballspiel unter freiem Himmel, in einem Stadion.“

Die Politik beobachtet den Fußball

Seiner Vorbildfunktion sei sich die Liga und der gesamte Sport sehr wohl bewusst, betont Filbry. Das wurde auch der Versammlung auch noch einmal betont. Seifert hat darauf hingewiesen, dass der Fußball von der Politik sehr genau beobachtet wird. Und die Politik sei durchaus zufrieden mit dem, was sie da sehe: „Das ist in erster Linie positiv aufgrund der gesellschaftlichen Verantwortung, die wir übernehmen."

Dazu gehört auch, dass die Liga die „Stay at home“-Kampagne bundesweit unterstützt hat. Um da mit gutem Beispiel voranzugehen, habe Seifert auf die Empfehlung hingewiesen, erst am 5. April wieder ins Training einzusteigen. „Jeder Verein muss für sich entscheiden, wie er damit umgehen möchte“, sagt Filbry. Kein Verein, der es anders handhabt, soll an den Pranger gestellt werden. In der Krise herrscht im Fußball ja Solidarität.

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