Vertretungstrainer Brand will bei Werder "nicht alles auf den Kopf stellen"

Anfang ist weg, ein neuer Trainer kommt erst demnächst, solange ist U19-Coach Christian Brand Chef der Mannschaft. Am Samstag geht es gegen Holstein Kiel auf den Platz. Was hat Brand vor?
26.11.2021, 18:17
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Von Daniel Cottäus

Die Fußballsprache, das ist gemeinhin bekannt, ist nicht gerade arm an Wortneuschöpfungen. Saison für Saison tauchen mit großer Verlässlichkeit neue davon auf. Die Beispiele „Chipball“, „Zielspieler“ und – besonders schön – „wegverteidigen“ sollen an dieser Stelle schon reichen, vielleicht noch garniert mit der irritierten Nachfrage, wohin man eigentlich sonst verteidigen sollte, wenn nicht weg? Aber egal. Denn eines ist die Fußballsprache bisher definitiv schuldig geblieben: Ein Wort, mit dem sich Christian Brands aktuelle Aufgabe beim SV Werder Bremen beschreiben ließe.

Nach dem Rücktritt von Cheftrainer Markus Anfang und der Corona-Erkrankung von Interimstrainer Danijel Zenkovic wird der 49-jährige Bremer U19-Coach die Mannschaft am Samstagabend während des Zweitligaspiels bei Holstein Kiel betreuen – als eine Art „Interimstrainer-Vertretungstrainer“. Was, zugegeben, extrem sperrig klingt, Brand wiederum aber herzlich egal sein dürfte. Denn wenn er während der Pressekonferenz am Freitag eines ausgestrahlt hat, dann die Haltung, dass für ihn einzig und allein das Spiel zählt.

„Nach Danijels Corona-Infektion und einem kurzen Gespräch mit Frank Baumann war klar, dass ich die Mannschaft in Kiel übernehme“, sagte Brand, lobte die Spieler für deren „professionellen Umgang mit der Situation“ und betonte: „Es geht nur darum, die Mannschaft bestmöglich auf das Spiel vorzubereiten.“ Der Tonfall, den der Ex-Profi bei all dem anschlug, war mit dem Adjektiv „nüchtern“ fast noch eine Spur zu euphorisch beschrieben. Es wirkte fast so, als wollte sich Brand seine Worte lieber für die Gespräche mit den Spielern aufsparen, von denen er in den vergangenen Tagen bereits etliche geführt hatte.

„Wir setzen uns hin, trinken einen Espresso zusammen. Dann höre ich zu und stelle Fragen“, beschrieb Brand das Prozedere mit dessen Hilfe er sich ein Gespür für die „Gefühle und Sorgen“ der Profis verschaffen wollte. Das hatte während der vergangenen Tage für ihn im Mittelpunkt gestanden, weil sich in rein fußballerischer Hinsicht innerhalb so kurzer Zeit ohnehin eher wenig ändern lässt. „Die Basis wurde in den Monaten zuvor gelegt“, sagte Brand – und betonte: „Da werde ich sicher nicht in einer Woche alles auf den Kopf stellen, zumal die Mannschaft ja auch auf einem guten Weg ist.“ Ein Weg, dessen Ausgangspunkt und Richtung Brand seit der Vorbereitung im Sommer hautnah mitverfolgt hat.

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Kurz nachdem Markus Anfang in Bremen Cheftrainer geworden war, kam es zu einem Treffen mit den Trainern des Nachwuchsleistungszentrums, an dem auch U19-Coach Brand teilnahm. „Wir haben zusammengesessen und darüber gesprochen, was man von den Ideen des Profitrainerteams für die Jugendmannschaften übernehmen kann“, berichtete Brand, der in den „Anfang-Fußball“ also sehr früh eingebunden war – und deshalb jetzt nicht bei Null anfangen muss. Schon Interimstrainer Danijel Zenkovic hatte nach dem 1:1 gegen Schalke 04 gesagt: „Es war heute sehr viel Markus Anfang auf dem Platz.“ Ähnlich dürfte es auch in Kiel sein. Christian Brand sprach von „kleineren Anpassungen“, die er vornehmen wolle. Dabei im Blickpunkt: das Ausspielen von Überzahlsituationen: „Da müssen wir konzentrierter vorgehen.“

Nach dem Spiel in Kiel, so hat es Werder bereits verkündet, wird sich Brand dann umgehend wieder um seine U 19 kümmern, die am Sonntagmittag in der Junioren-Bundesliga beim VfL Osnabrück gastiert – mit ihm an der Seitenlinie. Unter der Woche hatte der Coach sowohl Profis als auch Nachwuchs im Training betreut. „Das Zweitligateam trainiert vormittags, die U19 abends, sodass die zeitlichen Abläufe gepasst haben“, erklärte Sportchef Frank Baumann und lobte Brand für dessen Einsatz: „Er verfügt wirklich über sehr viel Energie.“ Mit Sicherheit ist das nicht die schlechteste Eigenschaft, die so ein „Interimstrainer-Vertretungstrainer“ mitbringen kann.

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