Unentschieden in Frankfurt

1:1 wird Werders Lieblingsergebnis

Die Serie hält: Werder ist im fünften Spiel in Folge ungeschlagen geblieben. Beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt hatten die Bremer in einigen Phasen Glück und konnten letztlich mit dem Punkt zufrieden sein.
31.10.2020, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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1:1 wird Werders Lieblingsergebnis
Von Christoph Bähr
1:1 wird Werders Lieblingsergebnis

Josh Sargent traf zum zwischenzeitlichen 1:0 für Werder.

nordphoto

Jeder Spielplan hält diese merkwürdigen Zufälle bereit. Mannschaften, die einander im Pokal zugelost werden, treffen zum Beispiel oft direkt danach oder davor in der Liga aufeinander. Florian Kohfeldt bescherte solch ein Zufall nun ein Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt – an dem Ort also, an dem er vor fast genau drei Jahren erstmals als Werders Cheftrainer auf der Bank saß. Der Kreis schloss sich gewissermaßen. Am 3. November 2017 verloren die Bremer bei Kohfeldts Debüt unglücklich mit 1:2 in Hessen. Am Sonnabend lief es besser für Werder: Die Partie in Frankfurt endete 1:1. Die Bremer sind jetzt seit fünf Spielen ungeschlagen, und Kohfeldt zog nach der Partie ein positives Fazit: "Ich bin zufrieden. Die Eintracht hatte viel Ballbesitz, aber wir waren diszipliniert und aktiv bei Kontern. Der Punkt ist verdient, den haben wir uns nicht erschlichen."

Im Vergleich zum vorherigen Remis gegen Hoffenheim hatte Kohfeldt nur eine personelle Änderung vorgenommen: Tahith Chong rückte für den verletzten Niclas Füllkrug in die Startelf. Werder setzte in der Abwehr also erneut auf eine Dreierkette um Kapitän Niklas Moisander. Theo Gebre Selassie und Manuel Mbom spielten auf den Außenbahnen. Christian Groß und Maximilian Eggestein bildeten eine Doppelsechs. Josh Sargent rückte ins Sturmzentrum vor. Chong agierte als rechter Flügelstürmer, Leonardo Bittencourt spielte auf der linken Offensivseite.

Vielversprechender Beginn

Für Werder begann die Partie vielversprechend. Die Bremer standen hinten stabil und gingen engagiert in die Zweikämpfe. Im Spiel nach vorne lauerten sie auf Umschaltmomente und kombinierten zunächst durchaus gefällig. Sargents Schuss blockte Makoto Hasebe ab (2.). Nach einer kreativen Eckballvariante schoss Milos Veljkovic im Fallen weit über das Tor (4.). Die Frankfurter boten ihrem Gegner immer wieder Räume an, doch Werder machte zu wenig daraus, weil die letzte Präzision fehlte. Sargent spielte den Ball etwa in aussichtsreicher Position einem Gegenspieler in die Beine (29.).

Was folgte, war die vermeintliche kalte Dusche für die Gäste. Steven Zuber ließ Eggestein und Gebre Selassie stehen und passte auf Andre Silva. Torwart Jiri Pavlenka rettete zwar, doch der Nachschuss von Daichi Kamada war drin. Mit der ersten Chance waren die Frankfurter erfolgreich, aber Video-Assistentin Bibiana Steinhaus meldete an Schiedsrichter Felix Brych, dass Silva hauchdünn im Abseits gestanden hatte. Der Treffer zählte nicht. Schon beim 1:1 in Freiburg hatte Werder von einem aberkannten Tor des Gegners profitiert, auch bei dem Spiel war Steinhaus Video-Assistentin. Die Eintracht ärgerte sich nicht lange, sondern war in der Folge besser im Spiel. Silva prüfte Pavlenka (38.). Nach einem Ballverlust von Chong musste Werders Torwart gegen Kamada retten (45.+1).

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Nach dem leistungsgerechten Remis zur Pause starteten die Gastgeber besser in die zweite Hälfte. Silva köpfte platziert aufs Tor, Pavlenka parierte stark (49.). Und dann schlug plötzlich Werder zu: Nach einem grenzwertigen Zweikampf zwischen Marco Friedl und Bas Dost passte Groß auf den startenden Sargent, der frei auf Eintracht-Torhüter Kevin Trapp zulief. Werders Stürmer blieb eiskalt und sorgte mit seinem ersten Ligator der Saison für das 1:0 (51.). Auch dieser Treffer wurde noch einmal überprüft, zählte aber zu Recht, denn Sargent hatte beim Zuspiel nicht im Abseits gestanden. Dost hätte allerdings im Vorfeld des Tores gerne einen Freistoß erhalten. "Ich falle auf den Rasen, und der fällt komplett auf mich. Den Freistoß kann man schon geben, aber das ist kein Muss-Freistoß", sagte der Eintracht-Stürmer bei Sky.

Chong vergibt gute Chance

Werders Führung war jedenfalls eher schmeichelhaft. In der 56. Minute hätte Chong dann sogar beinahe das 2:0 nachgelegt. Er klaute Hasebe den Ball, zögerte aber zu lange, sodass Frankfurts Abwehrchef noch klären konnte (57.). Auf der Gegenseite wurde es ebenfalls brenzlig: Eine Hereingabe von David Abraham grätschte Silva knapp neben das Bremer Tor (61.). Vier Minuten später schlug es im Werder-Gehäuse ein: Silva traf nach einer Vorlage von Kamada zum 1:1 (65.). Für den Eintracht-Stürmer war es das vierte Tor im vierten Spiel gegen die Bremer. Den Gegentreffer musste sich Mbom ankreiden lassen, der sich einen unnötigen Ballverlust gegen Aymen Barkok geleistet hatte. Werder wackelte nun. Dost schoss an den Außenpfosten (69.). Kohfeldt reagierte, indem er Ömer Toprak und Yuya Osako für Mbom und Bittencourt einwechselte. Zuvor war schon Milot Rashica für Chong in die Partie gekommen.

Die Eintracht drückte auf das Führungstor. Werder kam bei einem Entlastungsangriff zu einer guten Chance durch Sargent (72.). Danach beruhigte sich das Spiel wieder. Der Frankfurter Druck ließ nach, und es blieb bis zum Abpfiff beim Unentschieden, auch weil der starke Pavlenka in der Nachspielzeit einen Kopfball von Moisander aufs eigene Tor entschärfte. Für Werder war es das dritte 1:1 in Serie. "Frankfurt ist immer ein schwieriges Auswärtsspiel. Mit dem Punkt können wir zufrieden sein", bilanzierte Torvorbereiter Groß. Und Kohfeldt hielt angesichts von neun Punkten aus sechs Spielen fest: "Der Saisonstart ist in Ordnung."

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