Viele Alternativen für vier Positionen Wo bei Werder der Konkurrenzkampf tobt

Ein Grund für Werders jüngsten Aufwärtstrend ist der gestiegene Konkurrenzkampf im Kader. Besonders auf vier Positionen hat Trainer Florian Kohfeldt jetzt viel mehr Möglichkeiten als in der bisherigen Saison.
01.06.2020, 16:40
Lesedauer: 4 Min
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Wo bei Werder der Konkurrenzkampf tobt
Von Christoph Bähr

Die Startelf-Aufstellung bereitet Florian Kohfeldt seit Saisonbeginn Woche für Woche großes Kopfzerbrechen. Lange Zeit musste der Werder-Trainer darüber nachdenken, wie er auf immer neue Verletzungen, immer neue Fehler und diverse Formschwächen reagieren sollte. Auf einmal jedoch steht Kohfeldt vor ganz anderen Fragen. Zuletzt drängten sich mehrere Spieler auf und er muss entscheiden, wer spielen darf. Besonders auf vier Positionen hat der Konkurrenzkampf bei Werder Fahrt aufgenommen.

Rechter Innenverteidiger

Nicht jedem dürfte es noch präsent sein, aber ursprünglich war für die Rolle des rechten Innenverteidigers mal Ömer Toprak eingeplant. Wegen mehrerer Verletzungen spielte er dort fast nie, momentan fällt Toprak wegen einer Syndesmosebandverletzung aus und soll in den kommenden Wochen langsam wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Auch ohne den Ex-Dortmunder bewerben sich aber mehrere Spieler für die Position des rechten Innenverteidigers. Milos Veljkovic spielte dort gegen Freiburg (1:0) und Gladbach (0:0) gut, ehe er gelbgesperrt fehlte. „Das tut weh. Er hat starke Leistungen gebracht", sagte Kohfeldt vor dem Sieg gegen Schalke und zauberte dann Sebastian Langkamp als Veljkovic-Ersatz aus dem Hut. Der Routinier hatte seit November nicht mehr gespielt und bot dann eine bemerkenswert souveräne Vorstellung mit nur einer kleinen Unsicherheit. Langkamp habe sein Vertrauen „mit einer starken Leistung bestätigt“, freute sich Kohfeldt, nachdem der durchaus gewagte Schachzug aufgegangen war.

Anstelle von Langkamp hätten viele eher Christian Groß in der Startelf erwartet. Er hatte gegen Gladbach überraschend den verletzten Kevin Vogt in der Abwehrzentrale ersetzt und ganz stark gespielt. „Jeder hat gesehen, was Christian Groß in der Bundesliga zu leisten imstande ist“, betonte Kohfeldt danach. Vogt kehrte nun zurück und war für die Rolle als zentraler Pendler zwischen der Dreierkette und dem defensiven Mittelfeld gleich wieder gesetzt. Groß kann auch Innenverteidiger spielen, musste allerdings Langkamp den Vortritt lassen. Am Mittwoch gegen Frankfurt kann Kohfeldt dann für den vakanten Posten in der Dreierkette zwischen Veljkovic, Langkamp und Groß auswählen. Die wahrscheinlichste Wahl dürfte Veljkovic sein, doch der Werder-Trainer war ja zuletzt öfter für Überraschungen gut.

Linker Außenverteidiger

Nach dem 1:4 gegen Leverkusen war klar: Ludwig Augustinsson wird schnellstmöglich wieder auf Werders linker Abwehrseite benötigt. Sein Vertreter Marco Friedl hatte gegen Bayer einige Male schlecht ausgesehen und sich allzu leicht überlaufen lassen. Augustinsson fehlte aufgrund einer Muskelverletzung jedoch auch gegen Freiburg. Sollte also der verunsicherte Friedl erneut eine Chance erhalten oder der gelernte Rechtsverteidiger Michael Lang auf die linke Seite rücken? Kohfeldt entschied sich für Friedl und der spielte plötzlich wie verwandelt, ging energisch in die Zweikämpfe, leitete das Siegtor ein. Da der Österreicher anschließend auch gegen Gladbach und Schalke überzeugte, sitzt der wieder genesene Augustinsson erst einmal auf der Bank.

„Marco hat zuletzt defensiv sehr stabil gestanden. Er zeigt die Ernsthaftigkeit und Verbissenheit, die ich von ihm erwarte“, lobte Kohfeldt. Außerdem auffällig: Friedl ist bei Werder zum Standardschützen avanciert und schlägt oft gute Flanken, auch wenn noch kein Tor dabei heraussprang. Zum ersten Mal seit seinem Wechsel zu Werder im Sommer 2017 muss Augustinsson somit um seinen Platz auf der linken Seite kämpfen. Der schwedische Nationalspieler gehört eigentlich zum Tafelsilber im Bremer Kader und wird immer mal wieder als Wechselkandidat gehandelt. Kohfeldt weiß auch weiterhin, was er an Augustinsson hat und sagt: „Er hat taktisch und offensiv eine unheimliche Qualität und liefert physisch viel ab.“ Erst einmal gibt es aber wohl keinen Grund, Friedl wieder aus der Mannschaft zu nehmen.

Offensiver Mittelfeldspieler

Er ist der Spieler, der zweimal den Unterschied ausmachte: Leonardo Bittencourt. Mit seinen herrlichen Toren gegen Freiburg und Schalke sicherte er Werder insgesamt sechs Punkte. Und dennoch saß Bittencourt dazwischen gegen Gladbach unerwartet auf der Bank. Yuya Osako spielte auf der Zehner-Position, weil der Japaner laut Kohfeldt besser zum Gegner passte. „Er sollte sich in den Zwischenräumen gegen die Gladbacher Physis behaupten“, erklärte der Coach. Da der Plan nur bedingt aufging, stand gegen Schalke wieder Bittencourt in der Startelf, zog sich aber eine Beckenprellung zu und wurde zur Pause gegen Osako ausgewechselt. Nach der Partie lobte Kohfeldt Bittencourts Einstellung: „Wenn man mal ein Spiel nicht spielt, wird es im nächsten Spiel in positive Energie umgewandelt. Das hat er getan.“ Bittencourt dürfte somit im Konkurrenzkampf erst einmal die Nase vorn haben.

Mittelstürmer

Dreimal spielte Werder zuletzt überzeugend, doch es läuft natürlich noch längst nicht alles rund. Was etwa fehlte, war die konstante Torgefahr durch die Offensivspieler. In erster Linie ist dafür der Mittelstürmer zuständig, doch Josh Sargent hatte kaum nennenswerte Abschlussaktionen. Kohfeldt setzte trotzdem auf den US-Nationalspieler, weil Sargent im Pressing viel arbeitete und seine taktischen Aufgaben erfüllte. „Er ist einer von den Jungs, die alles reinlegen“, lobte ihn Kohfeldt. Dazu gelingt es Sargent zunehmend besser, Bälle zwischen den gegnerischen Reihen festzumachen.

Davie Selke, der in der Winterpause als Stammspieler für das Sturmzentrum geholt wurde, blieb zuletzt nur die Jokerrolle. Im Umgang mit den Ball offenbart er immer wieder Schwächen, dafür ist er physisch stark und torgefährlich. Gegen Gladbach vergab Selke kurz vor Schluss eine Riesenchance, auch gegen Schalke kam er einmal in eine gute Abschlussposition. Die Tore allerdings fehlen noch, Selke traf in der Rückrunde nur einmal im Pokal. Kohfeldt lobte den Stürmer zuletzt, weil er sich nach dem Freiburg-Spiel deutlich gesteigert habe.

Eine klare Nummer eins im Bremer Angriffszentrum gibt es derzeit nicht. Niclas Füllkrug hätte diese Rolle wohl inne, doch nach seinem Kreuzbandriss soll er in den kommenden Wochen vorsichtig wieder ins Training einsteigen. Ein Einsatz noch in dieser Saison ist nicht geplant. Kohfeldt hat in vorderster Reihe somit weiter die Wahl zwischen Sargent und Selke. Für Sargent spricht, dass er seine taktischen Aufgaben in den jüngsten drei Partien gut erfüllte, vom Toreschießen einmal abgesehen.

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