„Wichtige Einnahmen, die uns fehlen"

Baumann kündigt Gespräche zu Gehaltsverzicht an

Mindestens bis zum 31. Oktober sind keine Fans in den Stadien zugelassen. Für die Klubs bedeutet das weitere Mindereinnahmen. Werder will deswegen Gespräche über einen Gehaltsverzicht mit den Spielern führen.
11.08.2020, 17:50
Lesedauer: 3 Min
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Baumann kündigt Gespräche zu Gehaltsverzicht an
Von Christoph Sonnenberg
Baumann kündigt Gespräche zu Gehaltsverzicht an
Nordphoto

Die finanzielle Lage fast aller Bundesligisten bleibt durch die Folgen der Corona-Pandemie angespannt. Der Hoffnung der Deutschen Fußball Liga (DFL), schon zum Start der kommenden Saison zumindest einige Zuschauer in die Stadien zu lassen, hat die Politik gerade eine Abfuhr erteilt. Die Gesundheitsminister der Länder verständigten sich bei ihrer Konferenz am Montag einhellig darauf, eine Öffnung der Stadien bis zum 31. Oktober nicht zu befürworten. Für die Klubs bedeutet das weiterhin verminderte Einnahmen. Werder will darauf erneut Gespräche mit den Spielern über einen Gehaltsverzicht führen, kündigte Frank Baumann an.

„Das sind wichtige Einnahmen, die uns fehlen„, sagte Baumann über die Konsequenz aus weiteren Geisterspielen. Aus finanzieller Sicht sei das alles andere als gut, so der Sportchef. „Wir werden die schwierige finanzielle Lage die nächsten Monate überbrücken und das auch schaffen. Aber wir müssen uns definitiv Einsparungen vornehmen und das Thema Gehaltsverzicht mit den Spielern besprechen.“

Über die Höhe will Baumann nichts sagen

Bereits in der vergangenen Saison haben die Bremer Profis auf Teile ihres Gehalt verzichtet. Über die Höhe und die Dauer dieses Gehaltsverzichts hat Werder keine Angaben gemacht. Auch jetzt will Baumann sich nicht auf einen prozentualen Anteil festlegen: „Ich will den Gesprächen mit den Spielern nicht vorgreifen. Über die Höhe möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen."

Auf rund 30 Millionen Euro berechnen sich laut Werder die Mindereinnahmen durch die Pandemie. Je länger ohne Zuschauer gespielt werden muss, desto höher dürfte sich der Verlust jedoch summieren. „Die Ausgaben orientieren sich an den Einnahmen„, sagte Baumann. „Und uns fallen dort sehr viele Einnahmen weg.“ Das könnte erneut auch Konsequenzen für die Profis haben.

„Wir hoffen auf Verständnis unserer Spielern."

Bei Rund 72 Millionen Euro lagen die gesamten Personalkosten im Geschäftsjahr 2018/2019. „Die Spielergehälter machen den größten Teil der Kosten, die wir zu tragen haben, aus„, so der Sportchef. „Insofern hoffen wir auf Verständnis bei unseren Spielern.“ Das Baumann das Vorhaben öffentlich bekannt gibt, lässt den Schluss zu, dass es bereits erste Gespräche zumindest mit Teilen der Mannschaft gegeben hat.

In der vergangenen Saison habe das reibungslos funktioniert, sagte Baumann. Damals seien es sogar die Spieler gewesen, die das Thema Gehaltsverzicht pro-aktiv vorangetrieben haben. „Wir haben einvernehmlich eine gute Lösung mit allen Spielern gefunden. Unser Bestreben ist, das in den nächsten Wochen für die neue Saison hinzubekommen."

Zwei Verträge bereits mit Pandemie-Klausel

Ein Gehaltsverzicht ist nicht die einzige Maßnahme, mit der Werder auf die Folgen der Corona-Krise reagiert. In die ersten beiden Verträge wurde eine sogenannte Pandemie-Klausel eingebaut. Es geht darum, bei unvorhergesehenen Ereignissen, durch die Werder finanzielle Einbußen erleidet, die Spieler in die Pflicht nehmen zu können. Wenn höhere Gewalt Einfluss auf die Einnahmestruktur des Vereins nimmt, sollen auch die Einnahmen der Spieler sinken. Bei Neuzugang Patrick Erras ist die Klausel bereits Vertragsbestandteil. Ebenso bei Luc Ihorst, dessen Kontrakt bis 2022 verlängert wurde, bevor er an den VfL Osnabrück verliehen wurde.

Nach Informationen des WESER-KURIER umfasst die Klausel zwei Punkte. Einmal geht es um eine komplette Spielbetriebsunterbrechung (Lockdown). In dem Fall kann Werder bis zu 20 Prozent des Grundgehalts einbehalten. Der zweite Punkt umfasst den Fall einer bedingten Durchführung des Spielbetriebs ohne Zuschauer. Dann kann der Verein bis zu 10 Prozent des Grundgehalts kann einbehalten. Unklar ist offenbar noch was passiert, wenn Zuschauer teilweise zugelassen sind und wie sich das auf die Auszahlung des Gehalts auswirkt.

Ausreichend ist die Summe nicht, deswegen sollen alle Spieler auf Geld verzichten.

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