Baumann und Kohfeldt warnen vor Heidenheim

Ein Wiedersehen unter veränderten Vorzeichen

Heidenheim hat nicht solch einen großen Namen wie der Hamburger SV. Werder hat das Team aus Baden-Württemberg im Pokal zudem klar geschlagen. Unterschätzen will den Relegationsgegner in Bremen aber niemand.
29.06.2020, 13:18
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Malte Bürger, Christoph Bähr und Christoph Sonnenberg
Ein Wiedersehen unter veränderten Vorzeichen

Im DFB-Pokal gewann Werder um Maximilian Eggestein klar mit 4:1 gegen Heidenheim (hier mit Marnon Busch).

nordphoto

Die Fernbedienung war im Dauerbetrieb. Werders Sportchef Frank Baumann verfolgte den letzten Zweitliga-Spieltag am Sonntag am Fernseher und schaltete immer wieder zwischen den Spielen der möglichen Relegationsgegner Heidenheim und Hamburger SV hin und her. „Erst sah es nach Heidenheim als Gegner aus, also haben wir das Spiel geguckt. Dann hätte es kurzzeitig eher der HSV werden können und wir haben umgeschaltet“, erzählte Baumann im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Die Hamburger wichen dem möglichen Nordderby jedoch durch eine peinliche 1:5-Niederlage gegen Sandhausen aus, Heidenheim verlor in Bielefeld mit 0:3, blieb aber Tabellendritter. Wie schon im Herbst beim 4:1-Erfolg in der zweiten Pokalrunde bekommen es die Bremer also mit Heidenheim zu tun. Damals wie heute ist Werder der haushohe Favorit – und muss dieser Erwartung am 2. und 6. Juli erst einmal gerecht werden. „Das werden zwei Finalspiele. Unter diesem hohen Druck müssen wir unsere Leistung abrufen“, sagte Trainer Florian Kohfeldt.

Einige Fans waren etwas enttäuscht darüber, dass es kein Nordderby gibt. „Natürlich wäre das etwas Besonderes gewesen, aber Heidenheim spielt eine sehr gute Saison. Ich ziehe den Hut vor der Arbeit, die dort geleistet wird“, sagte Baumann. „Wir gehen demütig ins Spiel, ohne den Gegner zu unterschätzen. Trotzdem nehmen wir die Favoritenrolle an und wollen das Selbstvertrauen, das wir uns erarbeitet haben, nutzen. Die Relegation ist von enormer Bedeutung, daher glaube ich nicht, dass unsere Mannschaft nachlässig sein wird.“

Maximilian Eggestein freut sich auf das Wiedersehen mit einigen Ex-Bremern. „Ich kenne ein paar Jungs noch persönlich. Ich würde es ihnen eigentlich gönnen, aber das kann ich jetzt natürlich nicht“, sagte er mit Blick auf die Heidenheimer Marnon Busch, Norman Theuerkauf, Oliver Hüsing und Patrick Mainka, die eine Werder-Vergangenheit haben. „Wir kommen aus der ersten Liga und sind natürlich leichter Favorit“, unterstrich Eggestein. „Trotzdem kann Heidenheim frei aufspielen. Bei uns ist der Druck da, dass wir drin bleiben müssen. Dennoch ist es unser Anspruch, dass wir uns in den beiden Spiele durchsetzen müssen.“

Den Schalter umgelegt

Als Maximilian Eggestein diese Worte sprach, lächelte er. Derart glücklich hatte man den 23-Jährigen viele Wochen nicht gesehen. „Nach der Niederlage in Mainz hast du diese Leere greifen können. Ich habe das so auch noch nicht erlebt“, sagte Eggestein. „Es wussten einfach alle, dass man es jetzt nicht mehr in der eigenen Hand hat.“ Dieses Gefühl war hartnäckig, nur langsam ließ es sich vertreiben. „Selbst am Dienstag beim ersten Wiedersehen nach dem Mainz-Spiel war die Stimmung noch schlecht. Aber irgendwann haben wir für uns den Schalter umlegen können und uns gesagt, dass wir es den Leuten hier schuldig sind, dass wir zumindest unsere Aufgabe am letzten Spieltag erledigen.“

Und das taten die Bremer. Da zeitgleich Düsseldorf verlor, gibt es nun die Extraschicht gegen Heidenheim. „Wenn man unsere Saison sieht, dann muss man dankbar dafür sein, dass wir diese beiden Spiele jetzt noch haben“, sagte Eggestein. „Der Rest der Bundesliga ist schon in den Ferien, wir spielen darum, ob wir nächste Saison in der 1. oder 2. Liga sein werden. Das hat etwas Existenzielles.“

Eine der wichtigsten Aufgaben wird es nun sein, dass die gute Leistung aus dem Köln-Spiel bestätigt wird. Das weiß auch Trainer Kohfeldt: „Wir sind uns vollständig bewusst, dass wir nichts erreicht haben. Wir müssen die Spannung hochhalten.“ Die Relegation verspricht den ultimativen Nervenkitzel. Durch ihren Modus erinnert sie sogar ein wenig an glorreiche Europapokalnächte, in Wahrheit könnte sie kaum weiter davon entfernt sein. Für Werder geht es weiterhin um das sportliche Überleben, aber die Vorzeichen haben sich wieder verändert. „Der Unterschied ist jetzt, dass wir es in der eigenen Hand haben“, sagte Kohfeldt. „Aber das müssen wir jetzt in der richtigen Richtung beenden. Wir waren so häufig tot dieses Jahr. Jetzt sind wir für die beiden Spiele wieder im Rennen.“

Unterschätzen will Werder Heidenheim auf keinen Fall, auch wenn im Pokal ein müheloser Sieg gelang. „Im Vergleich zum Pokalspiel von damals ist es jetzt schon etwas anderes“, betonte Eggestein. „Natürlich ist es die gleiche Mannschaft, aber es sind zwei Spiele. Dann sind keine Zuschauer mehr da, für die Heidenheimer war das damals vor der Kulisse im Weserstadion auch nicht so einfach.“ Baumann betonte: „Man darf sich weder vom Pokalspiel noch von der Heidenheimer Niederlage gegen Bielefeld blenden lassen.“

Vertraglich wird alles geregelt

Der Sportchef bereitet sich schon seit einigen Wochen auf eine mögliche Relegation vor. Normalerweise laufen Spielerverträge am 30. Juni aus, die beiden Spiele gegen Heidenheim steigen jedoch im Juli. Die nötigen Formalien, damit alle Spieler trotzdem zur Verfügung stehen, habe Werder bereits eingeleitet und werde sie am Montag abschließen. „Alle werden dabei sein“, sagte Baumann. Das gilt sowohl für Claudio Pizarro, Fin Bartels und Sebastian Langkamp, deren Verträge auslaufen, als auch für die ausgeliehenen Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak, Michael Lang, Davie Selke und Kevin Vogt, der das Hinspiel gegen Heidenheim gelbgesperrt verpasst, aber im Rückspiel spielen darf. Nur Nuri Sahins Kontrakt endet normal am 30. Juni, weil er wegen einer Hüftverletzung nicht einsatzbereit ist.

Theoretisch stehen übrigens auch die Spieler, die Werder an andere Klubs verliehen hat, ab 1. Juli wieder in Bremen unter Vertrag, sie sind jedoch in der Relegation nicht spielberechtigt. Romano Schmid wurde kürzlich in Bremen gesichtet, ließ aber lediglich seine Adduktorenprobleme behandeln und spielt die Saison beim Wolfsberger AC zu Ende, ehe er zu Werder zurückkehrt. Auch Martin Harnik ist in Kürze wieder Bremer, wie Baumann bestätigte. „Die Kaufpflicht wäre nur bei einem Aufstieg des HSV in Kraft getreten. Martin steht ab Juli wieder bei uns unter Vertrag, alles Weitere werden wir dann besprechen.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+