Heimsieg am neunten Spieltag Jubel bei Werder: 3:0-Sieg über Heidenheim

Durchatmen bei Werder Bremen: Am neunten Spieltag der Zweitliga-Saison ist den Bremern ein 3:0-Heimsieg gegen den FC Heidenheim gelungen. Unser Spielbericht.
01.10.2021, 20:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander

Die Ultras wieder im Stadion, Werder Bremen wieder in der Erfolgsspur: Mit einem 3:0 (0:0) über den 1. FC Heidenheim hat sich der Bundesliga-Absteiger für zuletzt zwei schmerzhafte Niederlagen in Folge rehabilitiert. Gegen den zuvor dreimal in Folge siegreichen Gegner schossen Marco Friedl (50.) und Marvin Ducksch (52.) mit einem Doppelpack die Angst vor einer Bremer Krise weg, ehe Hoffenheims Denis Thomalla per Eigentor das 3:0 markierte (64.). Der Sieg wurde von 30 000 Zuschauern im Wohninvest-Weserstadion bejubelt und ausgiebig gefeiert. Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie gab es unter „2G“-Bedingungen keine Kapazitätsbeschränkungen mehr. 

Zwei personelle Veränderungen in der Startelf

Mit zwei personellen Änderungen in der Startelf hatte Trainer Markus Anfang auf die 0:3-Niederlage bei Dynamo Dresden nur fünf Tage zuvor reagiert. Die Hereinnahmen von Manuel Mbom (für Niklas Schmidt) und Lars Lukas Mai (für Anthony Jung) waren Teil eines recht umfangreichen Umbaus der Bremer Mannschaft. In der Viererkette verteidigte Mbom rechts, Mai innen neben Milos Veljkovic und Marco Friedl links. Mitchell Weiser rückte vor auf die rechte offensive Position, Eren Dinkci stürmte über links, dazwischen agierten Romano Schmid und Nicolai Rapp. Ganz vorne versuchte Marvin Ducksch die Lücken für die anderen zu reißen. Dass es nicht zur Doppelspitze mit Niclas Füllkrug kam, war vorher schon klar gewesen. Füllkrug stand jedoch nicht mal im Kader. Grund: Wadenprobleme bei dem Stürmer.

Anfangs Anfangself wurde so empfangen wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Eine volle Ostkurve, ein grün-weißes Fahnenmeer, ein Konfettiregen und die lange vermissten Gesänge der Ultras – im ersten „2G“-Spiel der Bremer Geschichte stimmte der Rahmen in jedem Fall. Doch das Spiel hielt zunächst nicht mit. Zwischen Werder und Heidenheim entwickelte sich ein zähes Ringen um Chancen. Und die kamen spät. Robert Leipertz kam für Heidenheim zum Abschluss, nachdem er sich gegen Friedl durchgesetzt hatte (23.). Wenig später waren die gleichen Personen in die nächste Aktion verstrickt: Leipertz wollte schießen, Friedl grätschte dazwischen – eine wichtige Rettung des Österreichers, denn ansonsten wäre es extrem gefährlich geworden für Werder (26.).

Werder zunächst im Glück

Mit den Ultras im Rücken hatte sich Coach Anfang eigentlich erhofft, dass der Funke von der Mannschaft zu den Fans und wieder zurück springt, „dann können wir richtig etwas bewegen“, sagte er. Aber so richtig viel bewegte seine Mannschaft erstmal nicht. Zwar stimmten diesmal die gegen Dresden so vernachlässigten Basics, und mitunter kombinierten die Bremer in der gegnerischen Hälfte auch ganz gefällig, aber Torgefahr sprang kaum dabei heraus. Die besten Szenen: Ein Konter über Schmid, der den mitgelaufenen Dinkci nicht bediente (31.) und ein Veljkovic-Kopfball nach Ducksch-Ecke (41.). Dass das Personal die Forderung des Trainers nach mehr Konsequenz vor des Gegners Kasten beherzigt hätte, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht behauptet werden. Doch das sollte sich noch ändern.

Zunächst konnte Werder aber glücklich sein, nicht mit einem Rückstand in die Pause zu müssen. Tim Kleindienst mit einem Kopfball an den Pfosten (38.) und Denis Thomalla mit einem Heber, der von Werder-Keeper Michael Zetterer runtergefischt wurde (44.), sorgten für kurze Panik-Momente bei den Fans im Weserstadion.

Ducksch macht den Unterschied

Kompletter Wandel der Emotionen dann in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit. Von wegen Panik – plötzlich bebte das Weserstadion vor Freude. Der Grund war ausgerechnet Marco Friedl, um den es in der Transferphase ein sehr großes, selbst verschuldetes Wechsel-Theater gegeben hatte. Doch als er einen Ducksch-Freistoß per Direktabnahme unter die Latte drückte, war das alles vergessen. 1:0 Werder, erstes Tor vor der vollen Ostkurve, erster gemeinsamer Jubelrausch von Team und Ultras. Und Friedl feierte bei all dem seine Versöhnung mit allen.

Ein bisschen überraschend kam die Führung für den SV Werder, der zuvor in zwei Spielen ohne eigenen Treffer geblieben war und eine Serie von 48 erfolglosen Torschüssen hingelegt hatte. Noch überraschender wurde es nur 76 Sekunden später. Ducksch schob zum 2:0 ein, nachdem Rapp einen Befreiungsschlag von Heidenheim-Schlussmann Kevin Müller nicht nur abgefangen, sondern auch gedankenschnell sofort auf Ducksch gepasst hatte – 2:0 (52.).

Nach den zwei vorgangegangenen Niederlagen und der rumpeligen ersten Hälfte war dieser schnelle Doppelschlag wie eine große Beruhigungsspritze für alle besorgten und aufgebrachten Bremer. Weil im Anschluss ein Kleindienst-Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht zählte (54.) und dann auch noch Thomalla den Ball nach einer Ducksch-Hereingabe ins eigene Tor lenkte (64.), war klar: Dieser Tag im Weserstadion war mal wieder ein Werder-Tag! Alles lief im Bremer Sinne. Nach zuvor nur vier von zwölf möglichen Heimpunkten war der Sieg allerdings auch bitternötig, damit sich nicht wieder ein Heimkomplex in den Köpfen der Werder-Profis einnisten kann.

Der Erfolg hätte am Ende auch locker noch höher ausfallen können. Doch mit den sich bietenden Räumen ging das Anfang-Team nachlässig bis schlampig um. Vor allem Romano Schmid traf ein ums andere Mal die falsche Entscheidung. Machte aber nichts, Werder hatte das Spiel längst gewonnen und kann nun wieder einen etwas entspannteren Blick auf die Tabelle werfen. Mit jetzt 14 Zählern rückt der Absteiger bis auf einen Punkt an den 1. FC Heidenheim auf Platz drei heran.

Die 2. Liga geht nach dem Wochenende in die Länderspielpause, danach folgen für Werder zwei Auswärtsspiele am Stück – erst bei Darmstadt 98 (17. Oktober), dann beim SV Sandhausen (24. Oktober). Das nächste Heimspiel steht erst am 30. Oktober gegen den FC St. Pauli an.

Der Liveticker zum Nachlesen: 

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