Werder verliert 0:3 gegen Frankfurt

Bitterer Rückschlag im Abstiegskampf

Mit einem Sieg wäre Werder auf den Relegationsplatz 16 geklettert, doch die Bremer nutzen das Nachholspiel im Weserstadion nicht. Stattdessen kassieren sie gegen Frankfurt die zehnte Heimpleite der Saison.
03.06.2020, 22:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Bitterer Rückschlag im Abstiegskampf

Der erste Patzer: Am Ende leistete sich Werder drei Ungenauigkeiten und verlor klar gegen Frankfurt.

Nordphoto

Auf dem Weg zum Klassenerhalt bremst Eintracht Frankfurt Werder aus. Das Nachholspiel gewinnen die Frankfurter im Weserstadion mit 3:0 (0:0). Die drei Tore erzielen Silva und zweimal Ilsanker. Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen endet die kurze Bremer Erfolgsserie, Werder bleibt auf dem vorletzten Tabellenplatz. Für die Bremer ist es die zehnte Heimniederlage der laufenden Saison. Damit bleiben sie die heimschwächste Mannschaft der Liga.

Die Begegnung hatte einen langen Vorlauf. Ursprünglich am 1. März als 24. Spieltag angesetzt, musste sie verschoben werden, weil Frankfurts Spiel in der Europa League bei RB Salzburg aufgrund eines Orkans abgesagt und um einen Tag nach hinten verlegt wurde. Dann kam die Corona-Pause dazu, und so dauerte es schließlich drei Monate, bis das Spiel endlich angepfiffen werden konnte.

Für Werder sicher grundsätzlich kein Nachteil. Anfang März steckten die Bremer noch tief in der Krise, jetzt ist wieder Land in Sicht. Die Ergebnisse der letzten drei Spiele – sieben Punkte aus drei Partien – sind eine in dieser Saison einmalige Serie. Kohfeldt begründete sie auch mit einer anderen Personalauswahl, es sind nicht mehr so viele Spieler verletzt. Der Trainer nutzt das nun Woche für Woche, sämtliche Stammplatzgarantien sind ausgelaufen, selbst prominente Profis müssen auf die Bank.

Gegen Frankfurt waren das zunächst Milot Rashica, Leonardo Bittencourt und Ludwig Augustinsson. Dafür starteten überraschend Davie Selke, Yuya Osako und Fin Bartels. Bartels erstmals seit dem 9. Dezember 2017. Damals riss bei ihm im Spiel in Dortmund eine Achillessehne. Es folgten einige Kurzeinsätze in den vergangenen Monaten, bis Kohfeldt nach 907 Tagen wieder von Beginn eines Spiel auf Bartels setzte. Für Milos Veljkovic, nach überstandener Gelb-Sperre wieder in der ersten Elf, musste Sebastian Langkamp auf die Bank.

Dass Bittencourt nach seinen beiden Sieg-Treffern gegen Freiburg und Schalke zunächst zuschauen musste, lag an den Folgen einer Beckenprellung aus dem Spiel in Gelsenkirchen. Auch Rashica war vergangenen Sonnabend leicht angeschlagen vorzeitig vom Platz und deshalb gegen die Eintracht zunächst nur Ersatzspieler.

Die sportlichen Voraussetzungen waren klar wie lange nicht: Mit einem Sieg könnte Werder an Düsseldorf vorbeiziehen und auf den Relegationsplatz 16 klettern. Eine größere Motivation kann es für Werder aktuell nicht geben. Frankfurt hingegen könnte mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen, auch das eigentlich Anreiz genug.

Bartels war seine besondere Motivation anzusehen. Nicht mal zwei Minuten waren gespielt, da räumte er im Mittelfeld Frankfurts Gacinovic ab. Eine durchaus ruppige Aktion, die aus Bremer Sicht aber auch als Signal gewertet werden konnte, sich zu wehren. Schiedsrichter Ittrich zeigte Bartels die Gelbe Karte, was völlig in Ordnung war.

Beeindruckt war die Eintracht davon nicht, sie störten die Bremer früh und konsequent. Und robust dagegenhalten konnten sie ebenfalls. Nach Foul an Maximilian Eggestein sah Hinteregger nach rüdem Einsteigen ebenfalls die Gelbe Karte, eine knappe Viertelstunde war da gespielt.

Für den ersten sportlichen Höhepunkt sorgte kurz darauf Davy Klaassen. Osako blieb im Dribbling hängen, den Abpraller wuchtete Klaassen aus rund 20 Metern direkt auf das gegnerische Tor. Frankfurts Schluss Kevin Trapp musste sich mächtig strecken, um den Ball neben den Pfosten zu lenken. In der 23. Minute war es dann Selke, der von halbrechts in den Strafraum lief und ebenfalls an Trapp scheiterte. In dieser Szene wäre mehr drin gewesen als ein Eckstoß.

Ein Feuerwerk war es nicht, das Werders Offensive abbrannte, doch die Bremer taten mehr für das Spiel als der Gegner. Vielleicht weil sie mehr tun mussten, wie ein Blick auf die Tabelle belegt. Es war bis zu diesem Zeitpunkt ein kleinteiliges Spiel mit vielen Unterbrechungen und reichlich Nickeligkeiten.

Kurz darauf war es Schiedsrichter Ittrich und seine Kollegen aus aus dem Kölner Videokeller, die im Mittelpunkt standen. Nach einem hohen Ball in den Strafraum auf Klaassen sprang Frankfurts Kapitän Abraham der Ball an die Hand, die Bremer forderten sofort Strafstoß. Der VAR schaltete sich ein, rund drei Minuten dauerte die Unterbrechung. Am Ende entschied Ittrich, dass Klaassen zum Zeitpunkt des Abspiels im Abseits gestanden hatte. Und war korrekt, wie die Wiederholung zeigte.

Die letzte Szene vor der Halbzeit gehörte wieder Werder. Eine Kopfballverlängerung von Osako nahm Bartels auf, dribbelte parallel zur Straufgrenze und zog dann ab. Trapp bekam den Ball erst im Nachfassen richtig unter Kontrolle.

Dann war Halbzeitpause. Und Clemens Fritz, Werders Leiter Scouting, analysierte das Niveau der Partie im „Sky„-Interview knapp und präzise: „Das ist Abstiegskampf.“ Aus Bremer Sicht zufriedenstellend, dass die Defensive wieder sehr präsent und gut organisiert war. Eine klare Torchance für die Frankfurter gab es in der ersten Hälfte nicht. Werders Probleme liegen weiter in der Offensive, mit 30 Toren erzielten die Bremer die wenigsten Treffer ligaweit. Aber manchmal reicht ja auch nur ein Treffer, um ein Spiel zu entscheiden, wie zuletzt gegen Freiburg und Schalke.

Nach einem Tor sah es nach der Pause nicht unbedingt aus. Bis zur 59. Minute, als Moisander und Friedl sich nicht einig waren und Kohr den Ball ins Tor bringt. Per Videobeweis stellte sich heraus, dass Kohr beim Pass von Toure im Abseits stand. Dieser Treffer zählte nicht, eine Minute später aber ging Frankfurt dann regelkonform in Führung. Kostic flankte von links, in der Mitte waren es wieder Moisander und Friedl, die keine klar Zuordnung hatten und Silva konnte ungehindert zum 0:1 einköpfen.

Kohfeldt reagierte, in dem er Josh Sargent für Selke und Milot Rashica für Bartels brachte. Doch Werder steckte den Rückstand nicht so einfach weg, Frankfurt kam besser ins Spiel. Es war Gacinovic, der nach Fehlpass von Vogt plötzlich frei vor Pavlenka stand und die Partie entscheiden konnte, den Ball jedoch knapp am linken Pfosten vorbei legte.

In der 81. Minute dann die Vorentscheidung. 19 Sekunden nach seiner Einwechselung traf Ilsanker zum 0:2. Dost hatte eine Ecke per Kopf verlängert, sodass er aus kurzer Distanz nur noch den Ball über die Linie befördern musste. In der 90. Minute war es erneut Ilsanker, der nach einem Freistoß von de Guzman per Kopf zum 3:0 erhöhte und den Endpunkt setzte. Für Werder ein böser Dämpfer im Abstiegskampf!

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