Fritz über den geplanten Gehaltsverzicht

„Die Mannschaft hat nichts abgelehnt“

Bislang konnten sich Werders Geschäftsführung und die Spieler nicht auf einen Gehaltsverzicht einigen. Leiter Profifußball Clemens Fritz hofft trotzdem, dass das Thema bis zum Saisonstart erledigt ist.
09.09.2020, 14:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Christoph Bähr
„Die Mannschaft hat nichts abgelehnt“

Die Werder-Spieler sollen nach dem Wunsch der Geschäftsführung auf Gehalt verzichten, doch eine Einigung darüber gab es bislang nicht.

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Es ist ein Thema, das schnell für viel Aufregung sorgen kann. Entsprechend emotional reagierte Clemens Fritz am Mittwoch, als es in einer Medienrunde um einen möglichen Gehaltsverzicht der Werder-Profis ging. „Es ist völliger Quatsch, dass die Mannschaft etwas abgelehnt hat", betonte der Leiter Profifußball und dementierte damit Berichte verschiedener Medien, die genau das vermeldet hatten. Bestätigt hat Fritz hingegen, dass das Thema komplex ist und zu einer Belastungsprobe zwischen Mannschaft und Klub werden kann, wenn es nicht bis zum Start der Saison geklärt ist.

Wie berichtet, sind die bisherigen Gespräche zwischen der Geschäftsführung und den Wortführern der Mannschaft nach WESER-KURIER-Informationen kompliziert und ergebnislos verlaufen. „Bei 25 Spielern hat jeder eine andere Auffassung zu dem Thema und eine andere Wahrnehmung für bestimmte Probleme", verdeutlichte Fritz. Profis, deren Verträge nur noch ein Jahr laufen und deren weitere Zukunft offen ist, dürften sich schwerer tun, zu verzichten. Bei anderen Spielern wird Einfluss aus dem Umfeld geübt, sei es über die Familie oder Berater. Wieder andere haben die Dimension der Einbußen durch die Corona-Pandemie noch immer nicht begriffen und wollen deshalb keine Einbußen akzeptieren. Am Ende müssen aber alle Spieler einem Vorschlag zustimmen, was es so kompliziert macht.

„Es ist ein ein Prozess, der etwas länger dauert"

Während der Corona-Zwangspause hatten die Werder-Profis von sich aus einen Gehaltsverzicht für die Zeit ohne Spiele angeboten, ein Teil des Geldes wurde gestundet. Es kam damals zu einer relativ zügigen Einigung. Für die neue Saison ging die Initiative von der Geschäftsführung aus. Sportchef Frank Baumann kündigte entsprechende Gespräche frühzeitig öffentlich an. Was zumindest in Teilen der Mannschaft nicht gut ankam, weil sie das als öffentlichen Druck empfunden haben. Das ist ein Grund, weshalb die Spieler dem Thema Gehaltsverzicht nicht mehr so offen gegenüber stehen wie noch wie vor einigen Monaten. „Es gibt keine Absage und auch keine Zusage. Es gibt einen Austausch. Es ist eben ein Prozess, der etwas länger dauert", sagte Fritz, der in seiner Funktion als Leiter Profifußball sowohl eng an der Mannschaft als auch der Geschäftsführung und Trainer-Team ist.

In seiner Funktion nimmt Fritz wahr, dass bei den Spielern durchaus Verständnis für die Lage des Vereins vorhanden ist. Fritz: „Es ist ein guter, vernünftiger, kommunikativer Austausch da. Da sollte von außen nicht zu viel hineininterpretiert werden." 30 Millionen Euro fehlen Werder nach eigenen Angaben durch die Corona-Krise. Da in Bremen bis auf Weiteres ohne Zuschauer gespielt werden muss, dürften in der Folge die Verluste weiter ansteigen und sich Werders finanzielle Schieflage vergrößern.

Es ist Zeitdruck vorhanden

„Wenn ich in Bremen durch das Viertel fahre, sehe ich auch einige Geschäfte, die zu sind. Auch uns hat Corona wirtschaftlich getroffen", sagt Fritz und wirbt damit um Verständnis für einen Gehaltsverzicht. „Die Wirtschaft ist angeschlagen. Das ist ein Thema, über das man spricht." Aber das geht eben nicht von heute auf morgen, die Gespräche brauchen Zeit. „Das wird nicht innerhalb von drei, vier Tagen abgehandelt."

Und doch ist ein gewisser Zeitdruck vorhanden, wie Fritz selbst einräumen muss. Am Sonnabend startet für Werder die Saison mit dem Pokalspiel in Jena, eine Woche später geht die Bundesliga los. „Das ist ein Thema, das man nicht unbedingt mit in die Saison nehmen möchte„, sagt Fritz. „Alle sind Profi genug und müssen andere Dinge ausblenden können. Aber es ist natürlich ein Vorteil, wenn zum Saisonstart alles erledigt ist und sich alle zu 100 Prozent auf den Fußball konzentrieren können und nicht nur zu 99.“

Dass es so kommt, davon ist Fritz überzeugt. „Wir arbeiten an einer Lösung, da sind alle mit im Boot. Deshalb glaube ich, dass wir eine vernünftige Lösung finden werden."

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