So könnten die Geisterspiele laufen

Das Konzept, das allen helfen soll

Am Donnerstag steht die nächste DFL-Mitgliederversammlung an, auch bei Werder wird gespannt auf Vorgaben für mögliche Geisterspiele geblickt. Doch es gibt noch mehr Redebedarf, zwischen den Klubs brodelt es.
22.04.2020, 14:18
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger und Jean-Julien Beer
Das Konzept, das allen helfen soll

Maximal 300 Personen sollen sich nach dem Wunsch der DFL-Task-Force während der Geisterspiele auf dem Stadiongelände aufhalten.

nordphoto

Auf der Nordseite des Weserstadions hat es schon einige wichtige Ereignisse gegeben. In den Räumen der Geschäftsstelle wurden Transfers verhandelt, Verträge unterzeichnet und Werders Zukunft geplant. Am Donnerstag steht hoch oben im fünften Stock der nächste wichtige Termin an, in einem Konferenzraum kommen Präsident Hubertus Hess-Grunewald sowie Geschäftsführer Klaus Filbry und Sportchef Frank Baumann zusammen. Und gemeinsam wird das Trio auf einen Monitor blicken und schauen, was ab dem Vormittag bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) herauskommt. Schließlich steht einiges auf dem Spiel.

Zuletzt gab es recht positive Signale für den Profifußball. Die anvisierten Spiele ohne Publikum, mit denen die Saison doch noch regulär beendet und wirtschaftliche Sorgen der 36 Profivereine erst einmal minimiert werden könnten, erscheinen zeitnah möglich. Aus der Politik war sogar das konkrete Datum vom 9. Mai zu hören. Fixiert ist allerdings noch nichts - und das wird auch während der DFL-Versammlung nicht passieren. Einen exakten Termin für eine Fortsetzung des Spielbetriebs können die Klubs der 1. und 2. Bundesliga auch gar nicht festzurren, das wird weiter die Aufgabe der Politik sein. Doch der Ligaverband will optimal vorbereitet sein und deshalb am Donnerstag seine Pläne vorstellen, wie ihr Leistungssport in Zeiten von Corona überhaupt funktionieren soll.

Teils skurrile Empfehlungen

Folglich wird vor allem DFB-Chefmediziner Tim Meyer den Klubverantwortlichen eine Menge zu erklären haben. Er führt die DFL-Task-Force an, die „ein detailliertes verbindliches Konzept mit strengen Hygiene-Vorgaben, erforderlichen Testungen und permanentem Monitoring“ erarbeitet hat, wie der Ligaverband mitteilte. Um welche Empfehlungen es dabei im Detail geht, darüber hat im Vorfeld der Versammlung bereits der „Spiegel“ berichtet, dem das entsprechende Papier ebenso wie dem WESER-KURIER vorliegt. Demnach werde das Stadiongelände in drei Zonen unterteilt, in denen sich jeweils maximal 100 Personen zeitgleich aufhalten dürfen. Neben dem Innenraum des Stadions mit Spielern, Betreuern und Schiedsrichtern gebe es noch den Tribünenbereich sowie das Außengelände der Arenen. Letzterer ist vor allem aus Bremer Sicht nicht ganz unwichtig, Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat in der Vergangenheit bereits mehrfach signalisiert, dass er genau dort Verstöße von Fans gegen die Vorgaben fürchtet und auf den Einsatz von Polizeikräften verzichten will. Gut möglich also, dass die sogenannten Geisterspiele in Bremen beendet sind, bevor sie offiziell überhaupt hätten beginnen können.

Doch zurück zum DFL-Konzept: Neben allerlei grundlegenden Hygienehinweisen für Spieler oder Mitarbeiter der übertragenden Fernsehsender befasst es sich auch mit dem Fall einer Infizierung. Die betreffende Person solle demnach sofort isoliert werden, die Mitmenschen im direkten Umfeld getestet werden. Darüber hinaus gelte: „Beruhigung und Aufklärung des Teams über den Sachverhalt (keine Panik, strategische Ausrichtung des Teams, Kontrolle der Hygienemaßnahmen, etc.).“ Wesentlich skurriler kommt ein weiterer Aspekt daher. So werden die Vereine gebeten, positive Fälle nicht automatisch den Medien zu melden, „da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen“, heißt es. Ähnlich bizarr ist die Empfehlung an die Klubs, „frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale“ zu sorgen.

Querelen zwischen den Klubs

Und wie kommen derartige Ideen bei den Vereinen selbst an? Antwort: Man weiß es nicht. Aus den Vorstandsetagen ist wenig bis gar nichts zu hören, auch bei Werder wird im Vorfeld der Versammlung geschwiegen. Aus gutem Grund: Ligachef Christian Seifert hat den Klubs eine Art Maulkorb verpasst, erst im Anschluss an die Videokonferenz soll wieder öffentlich über dieses Thema gesprochen werden.

Dabei herrscht insgesamt gewaltiger Redebedarf. Auch aus anderem Grund. Die Stimmung zwischen den Vereinen ist nämlich mäßig. Und das hängt mit dem täglichen Training zusammen. Fortuna Düsseldorf beispielsweise kehrte Anfang der Woche in fast voller Mannschaftstärke auf den Platz zurück, während in Bremen und an anderen Standorten allenfalls in Kleingruppen trainiert wird. Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, zürnte in der „Bild“ bereits: „Die Klubs hatten sich über Gruppengröße und Zweikämpfe verständigt. Wenn sich da einige nicht dranhalten, finde ich das ärgerlich und nicht kollegial.“ Und damit nicht genug: „Ich prangere das sogar an. Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken. Wir müssen aufpassen, dass einige nicht Sachen propagieren, an die sie sich dann nicht halten“, monierte der 56-Jährige.

Folglich dürfte auch dieses Thema am Donnerstag auf den Tisch kommen, die DFL verschickte trotzdem lieber schon einmal eine Mitteilung, in der sie die Vereine ermahnte, „weiterhin verantwortlich mit der aktuellen Situation umzugehen. Insbesondere wäre es nicht im Sinne der Sache und erst recht nicht öffentlich vermittelbar, wenn vorzeitig ins reguläre Mannschaftstraining zurückgekehrt würde„, schrieb der Ligaverband. “Um individuelle Wettbewerbsvorteile mit Blick auf eine möglicherweise baldige Fortsetzung des Spielbetriebs zu erzielen, darf nicht die übergeordnete Perspektive ignoriert werden.“

Das Konzept der DFL bieten wir Ihnen hier zum Nachlesen an

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