Keine Hoffnung auf schnelle Hilfe bei Werder

Problemzone Mittelfeld

Dass das Mittelfeld die große Problemzone des SV Werder werden würde, zeigte sich beim 0:2 gegen Union Berlin sicherlich nicht zum ersten Mal, aber in dem Spiel am bislang deutlichsten.
04.01.2021, 20:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander
Problemzone Mittelfeld

Weder Yuya Osako (Foto) noch Leonardo Bittencourt oder Romano Schmid erwiesen sich gegen Union Berlin als tatsächliche „Macher“.

Carmen Jaspersen /dpa

Dass das Mittelfeld die große Problemzone des SV Werder werden würde, war spätestens mit dem unkompensiert gebliebenen Verkauf Davy Klaassens klar. Das Ausmaß der Schwierigkeiten, in denen die Mannschaft steckt, zeigte sich beim 0:2 gegen Union Berlin sicherlich nicht zum ersten Mal, aber in dem Spiel am bislang deutlichsten. Zwei unterschiedliche Ausrichtungen brachten ein und dasselbe Ergebnis: nichts! Hoffnung auf schnelle Hilfe für das Mittelfeld gibt es kaum, Sportchef Frank Baumann sieht auf dem gerade wieder eröffneten Transfermarkt allenfalls eine Mini-Chance für Werder, und auch ein alter Bekannter kommt nicht infrage.

Gegen Union Berlin war es so: Die Aufstellung verriet die Absicht. Werder-Trainer Florian Kohfeldt beorderte drei Akteure in die Startelf, die grundsätzlich als Spielmacher angesehen werden können, weil ihre im Profil verankerte Hauptposition das zentrale offensive Mittelfeld ist. Werder wollte also die spielerische Linie verfolgen, gewissermaßen den Kohfeldt-Stil. Das Problem war aber, dass sich weder Yuya Osako noch Leonardo Bittencourt oder Romano Schmid als tatsächliche „Macher“ erwiesen. Niemand von ihnen gestaltete die Partie, die auch deshalb völlig gegen Werder lief. Der spielerische Ansatz des Trainers – er scheiterte.

Das vollständige Dilemma offenbarte sich aber erst, als Kohfeldt die Linie änderte und in Jean-Manuel Mbom und Davie Selke mehr physische Power für Mittelfeld und Angriff brachte. Jetzt sollte es wuchtiger werden, brachialer. Doch auch das nutzte nichts, und die Bremer hatten gegen das simple, aber konsequente Spiel des 1. FC Union Berlin kein Mittel. Business as usual, denn verzweifelte Versuche, irgendwie in den Bereich einer Torchance zu kommen, hat man von Werder in der laufenden Saison schon unzählige gesehen.

Die einen schreiben das dem nicht zu leugnenden Mangel an Kreativität zu, die anderen rätseln, ob das wirklich der Kern des Problems ist. Wie Sportchef Frank Baumann. Bei Radio Bremen sagte er: „Ich weiß nicht, ob es am kreativen Kopf liegt. Union ist ein ganz gutes Beispiel, wie es auch ohne kreative Köpfe geht. Union hat es uns vorgemacht. Das ist einfacher Fußball.“ Werders Fußball war auch einfach – einfach zu verteidigen.

Woher Besserung kommen soll? Vielleicht aus dem eigenen Team, wenn durch die Rückkehr von Niclas Füllkrug und Davie Selke Anspielstationen im Sturm entstehen, die den Mittelfeldspielern das Leben erleichtern. Oder Mbom und Schmid, die 20-Jährigen mit dem Zukunftspotenzial, machen plötzlich und ganz schnell riesige Sprünge nach vorn. Doch das ist mehr Wunschdenken als eine tatsächlich erwartbare Entwicklung. Auf frischen Input vom Transfermarkt zu setzen, verbietet sich dagegen aus den bekannten finanziellen Gründen. Frank Baumann sagt im Gespräch mit der DeichStube zunächst, was er immer sagt: „Wir müssen eher Spieler abgeben. Dabei muss der Preis stimmen, und wir müssen es sportlich verkraften können, sodass wir keinen Ersatz holen müssen.“ Es sind Aussagen, die möglicherweise maßgeschneidert sind für Yuya Osako (siehe Bericht unten). Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Verkauf von Spieler X genug Ertrag bringt, um doch über einen Neuzugang, über einen echten Problemlöser, nachzudenken. Doch wer sollte der Goldesel sein im Team? Aktuell gibt es da niemanden. Baumann bespricht deshalb ein theoretisches Modell, wenn er sagt: „Wenn wir Ersatz holen müssten, müsste es sportlich passen.“

Ziemlich sicher wird es aber mit den vorhandenen Bordmitteln weitergehen – und zu diesen gehört im weiteren Sinne auch Philipp Bargfrede, das im Sommer ausgemusterte und dann doch für die U23 zurückgeholte Bremer Ur-Gestein. Er steht – oder besser: stand – für einfachen, konsequenten und aus dem defensiven Mittelfeld heraus vorgetragenen Fußball. Dass der 31-Jährige noch mal eine Renaissance in der Bundesliga erleben wird, ist bei Werder aber nach wie vor nicht angedacht. Hätten die Bremer dem im Laufe seiner Karriere von Verletzung schwer gebeutelten Bargfrede eine weitere Saison in der Bundesliga zugetraut, hätten sie ihn im Sommer nicht in die Vertragslosigkeit ziehen lassen. Die Gründe damals haben weiter Bestand. Eine Rückkehr ist nach Informationen der DeichStube deshalb ausgeschlossen.

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