Ersatzkeeper Der besondere Werder-Moment des Michael Zetterer

Gegen Augsburg feierte Michael Zetterer sein langersehntes Bundesliga-Debüt. Werders Ersatzkeeper konnte die Niederlage zwar auch nicht verhindert, trotzdem war es ein ganz besonderer Tag für den 27-Jährigen.
11.09.2022, 11:20
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Von kni

Als Michael Zetterer weit aus seinem Tor eilte und kurz vor der Pause mit einem spektakulärem Flugkopfball einen gefährlichen Augsburger Konter beendete, da tobten die Fans des SV Werder Bremen im Wohninvest Weserstadion. Der „Zetti“ ist in Bremen eben extrem beliebt – und jeder gönnte ihm, dass er nun im Alter von immerhin schon 27 Jahren sein langersehntes Bundesliga-Debüt feiern durfte.

Schließlich liegt eine komplizierte Karriere hinter dem gebürtigen Münchner mit Verletzungen, Ausleihen und dem Verlust des zwischenzeitlichen Stammplatzes. Doch angesichts der unerwarteten 0:1-Heimpleite gönnte sich Zetterer öffentlich nur ein bisschen Freude. Vielleicht ahnte er aber auch schon, dass er wahrscheinlich schon am nächsten Samstag in Leverkusen wieder auf die Bank muss. Denn die Verletzung von Keeper Jiri Pavlenka (Oberschenkelprellung) soll nicht so schlimm sein.

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„Es ist ein schöner Moment, wenn man ein paar Minuten in der Bundesliga sammeln darf. Ich habe mir natürlich gewünscht, dass wir mit einem Unentschieden oder einem Sieg aus dem Spiel gehen. Denn mit einer Niederlage zu starten, ist nicht schön. Es war aber auch kein gutes Spiel von uns“, urteilte Zetterer, der für seine klaren Worte bekannt ist. An ihm hatte es freilich nicht gelegen, dass Werder die zweite Heimniederlage in dieser Saison kassierte. Nach einer halben Stunde war er für den verletzten Pavlenka in die Partie gekommen – nach einer herzlichen Umarmung mit dem Tschechen. „Er hat mir viel Glück gewünscht.“

Das brauchte Zetterer dann auch einmal bei einer Bogenlampe, die auf der Latte landete, ehe er die Situation entschärfen konnte. Danach wirkte der Keeper sicher, beim Gegentor von Ermedin Demirovic war er machtlos. „Für das erste Spiel, vor allem wenn man reinkommt, bin ich damit zufrieden. Aber es gab schon ein paar Bälle, die ich sonst genauer spiele. Den Anspruch habe ich“, meinte Zetterer, der ein sehr gut mitspielender Keeper ist. Anders als Kollege Pavlenka, dessen Stärken eher im reinen Torwartspiel liegen. Deswegen wird viel diskutiert, wer besser für Werder ist.

Im vergangenen Sommer hatte Zetterer schon einmal von Pavlenkas Verletzungspech profitiert. Der damalige Coach Markus Anfang machte ihn in der 2. Liga zur Nummer eins, ließ ihn auch zwischen den Pfosten, als Pavlenka wieder fit war. Doch nach elf Partien ohne gravierenden Fehler, aber auch ohne herausragende Leistung, musste Zetterer zurück auf die Bank. Und daran änderte sich auch unter Anfangs Nachfolger Ole Werner nichts mehr. Ein herber Schlag für den ehemaligen Unterhachinger, der Anfang 2015 an die Weser gewechselt war. Dort sollte er zum Bundesligatorwart werden, doch mehrere Handverletzungen stoppten ihn. Die Karriere stand sogar auf dem Spiel. Aber Zetterer gab nie auf, überzeugte bei Ausleihen nach Klagenfurt und Zwolle – und blieb so auch bei Werder immer ein großes Thema.

Das bedeutet mir sehr viel. Ich spüre, dass sie hinter mir stehen
Zetterer über die Fans

Im vergangenen Sommer schien es dann so, als hätte sich der Keeper mit seiner Ersatzrolle abgefunden, er wirkte nicht mehr so engagiert im Training wie sonst. Es wurde jederzeit mit einem Wechsel von ihm gerechnet. Doch seit ein paar Wochen gibt Zetterer wieder Vollgas, zeigte im Training richtig starke Leistungen – und war damit bestens vorbereitet für sein Debüt. 53 Mal hatte er zuvor schon in der Bundesliga auf der Werder-Bank gesessen, nun durfte er endlich in Deutschlands Eliteliga ran. „Das Debüt war gefühlt schon weit weg, wenn man auch auf meine Verletzungshistorie zurückblickt. Es fühlt sich daher schon besonders an“, meinte Zetterer und zeigte sich beeindruckt von der Reaktion der Fans: „Das bedeutet mir sehr viel. Ich spüre, dass sie hinter mir stehen.“ 

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