Sieben Fragen und Antworten zum Saisonfinale

Wie kann sich Werder retten? Wann steht der Abstieg fest?

Die letzten zwei Spieltage werden hart für alle Werder-Fans. Schon am Sonnabend könnten die Bremer absteigen, auch die Rettung ist aber noch möglich. Wir beantworten die wichtigsten Fragen vor dem Saisonfinale.
19.06.2020, 08:09
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger, Jean-Julien Beer und Christoph Bähr
Wie kann sich Werder retten? Wann steht der Abstieg fest?

Der drohende Abstieg schwebt wie dunkle Wolken über dem Weserstadion, aber noch kann Werder den Klassenerhalt schaffen.

gumzmedia/nordphoto

Resignation, Wut, Trotz – die Gefühlswelt der Werder-Fans hat sich am Mittwochabend radikal verändert. Da der FSV Mainz 05 überraschend in Dortmund gewann und Fortuna Düsseldorf durch eine späte Aufholjagd in Leipzig ein 2:2 erkämpfte, sind die Konkurrenten im Abstiegskampf wieder entrückt. Die Mainzer haben als Tabellen-15. ein Sechs-Punkte-Polster auf die Bremer angehäuft und haben die um acht Treffer bessere Tordifferenz. Die Fortunen liegen um einen Punkt und zwei Tore vorn. Es wird also ganz eng für Werder – die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Saisonfinale.

Kann Werder am Sonnabend schon abgestiegen sein?

Wenn es ganz schlecht für die Bremer läuft, dann ist der Nachmittag des 20. Juni 2020 ein historischer. Sollte Werder das direkte Duell in Mainz nicht gewinnen, wäre der selbsternannte „Karnevalsverein“ definitiv nicht mehr einzuholen. Schlägt Düsseldorf zeitgleich den FC Augsburg, ist im Falle einer Bremer Niederlage auch die Relegation futsch und der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte wäre perfekt. Nur wenn die Rheinländer nicht gewinnen, darf sich die Elf von Trainer Florian Kohfeldt eine Niederlage leisten, um dann vielleicht am letzten Spieltag den Rückstand noch aufzuholen.

Wie kann sich Werder noch retten?

Keine Frage: Siege müssen her. Zumindest dann, wenn nicht zu sehr auf die anderen Vereine geschaut werden soll. Gewinnt Werder in Mainz, muss auch der FSV bis zuletzt zittern. Zugleich würden die Bremer die Düsseldorfer unter Druck setzen – unabhängig davon, wie deren Spiel gegen Augsburg ausgeht. Dennoch: Die direkte Rettung erscheint nach den jüngsten Ergebnissen unwahrscheinlich, für Werder geht es in erster Linie um das Erreichen der Relegation. Besonders bitter: Selbst zwei relativ knappe Siege könnten nicht reichen, wenn Düsseldorf ebenfalls doppelt gewinnt und Mainz am letzten Spieltag bei Bayer Leverkusen nicht zu hoch verliert oder mindestens einen Punkt holt.

Machen die Hinspiele gegen Mainz und Köln Mut?

Leider überhaupt nicht. Gegen beide Mannschaften war Werder in der Hinrunde völlig chancenlos. Gegen Mainz setzte es beim 0:5 eine der schlimmsten Heimniederlagen der jüngeren Vereinsgeschichte. Eigentlich sollte damals der Hexenkessel Weserstadion ordentlich brennen, die Verantwortlichen bei Werder waren sicher, in diesem Spiel erlösende drei Punkte einzufahren. Doch dann brannte nur Werders Abwehr lichterloh. Eine Woche später in Köln, im letzten Spiel vor Weihnachten, war Werder körperlich völlig unterlegen und verlor sang- und klanglos mit 0:1. Immerhin ist Vizekapitän Davy Klaassen zuversichtlich, „dass man die Spiele nicht vergleichen kann. Wir stehen jetzt viel stabiler als in der Phase im Dezember“. Der Beweis dafür muss nun erbracht werden.

Haben Dortmund und Leipzig Werder im Stich gelassen?

Auch wenn es verlockend ist, sich jetzt darüber aufzuregen, dass Topteams wie der BVB oder RB offenbar Punkte verschenken: Werder hat seine prekäre Lage selbst verschuldet. Die Heimniederlagen gegen die beiden verbliebenen Abstiegskonkurrenten Düsseldorf (1:3) und Mainz (0:5) schmerzen nun doppelt. Selbst gegen die Aufsteiger Union (0:2) und Paderborn (0:1) kassierte Werder peinliche Heimpleiten. Und überhaupt: Wer bei den Gegentoren nach Kopfbällen oder Standards lauter Negativrekorde aufstellt und (bisher) nur ein Heimspiel gewonnen hat, wer in dieser existenziell wichtigen Rückrunde nur ein mickriges Tor im eigenen Stadion erzielte (und das beim 1:4 gegen Leverkusen), der kann dem Fußballgott danken, dass er nach 32 Spieltagen überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt hat. Werder hat sich und seine treuen Fans bisher nur selbst im Stich gelassen, vor allem im Weserstadion.

Wie oft hat sich der Tabellen-17. in den vergangenen Jahren an den letzten beiden Spieltagen noch gerettet?

In den vergangenen sechs Jahren ist die Mannschaft, die nach dem 32. Spieltag auf dem vorletzten Platz lag, am Ende immer direkt abgestiegen. Blickt man etwas weiter zurück, gibt es aber auch Teams, die es geschafft haben. 2013 lag Hoffenheim zwei Partien vor Schluss auf Rang 17, holte einen Zwei-Punkte-Rückstand noch auf und rettete sich in der Relegation gegen Kaiserslautern. 2011 schaffte Gladbach in dieser Konstellation ebenfalls den Klassenerhalt und setzte sich in der Relegation gegen Bochum durch. 2010 kletterte Hannover an den letzten zwei Spieltagen sogar von Rang 17 auf 15 und feierte den direkten Klassenerhalt, allerdings musste der Klub auch nur einen Punkt Rückstand wettmachen.

Wer könnte der Gegner in der Relegation sein und wie oft sind die Erstligisten in der Relegation noch abgestiegen?

Noch ist völlig offen, wer am 2. und 6. Juli in der Relegation aufeinandertrifft. Die Bremer müssen erst einmal Düsseldorf von Rang 16 verdrängen, um überhaupt bei der Saisonverlängerung dabei sein zu dürfen. Eine Etage tiefer steht der Aufstieg von Spitzenreiter Arminia Bielefeld bereits fest, dahinter hat aktuell der VfB Stuttgart (55 Punkte) die besten Karten im Rennen um Rang zwei, der Hamburger SV (54) und der 1. FC Heidenheim (52) lauern auf ihre Chance. Bliebe es bei dieser Reihenfolge, könnte es in der Relegation also tatsächlich zum Nordderby zwischen Werder und dem HSV kommen. Seit der Wiedereinführung der Entscheidungsspiele in der Saison 2008/2009 hat sich in elf Duellen gleich achtmal der Erstligist durchgesetzt. Kein schlechtes Omen also, falls Werder nachsitzt.

Drohen bei einem Abstieg Fan-Aufstände in Bremen?

Möglich ist alles, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch eher gering. Durch die Corona-Krise gibt es momentan ohnehin eine räumliche Distanz zwischen dem Verein und seinen Anhängern, Versammlungsverbote und Hygienevorschriften tun ihr Übriges. Darüber hinaus ist bei den Fans zwar ein großes Maß an Enttäuschung und Wut über Spielverläufe und Leistungen zu spüren, es überwiegt jedoch auch das Wissen, dass sich der Verein in den vergangenen Monaten selbst in diese frustrierende Situation gebracht hat. Das dokumentieren zahlreiche Äußerungen in den sozialen Netzwerken. Dort lebt die Hoffnung zwar bis zuletzt weiter, aber auch das Gefühl, dass ein Abstieg schlicht und ergreifend verdient wäre.

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