Die wichtigsten Fragen zum Saison-Finale

„Bis zur allerletzten Sekunde"

Wie geht man ein Spiel an, dass gewonnen werden muss? Und wie geht es weiter mit Florian Kohfeldt und Frank Baumann? Der WESER-KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem letzten Spiel der Saison.
27.06.2020, 08:22
Lesedauer: 4 Min
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„Bis zur allerletzten Sekunde
Von Christoph Sonnenberg
„Bis zur allerletzten Sekunde"
Nordphoto

Sie war lang, sie war ein quälendes Auf und Ab, aber jetzt naht das Ende einer Saison, die viele Werder-Fans wahrscheinlich gerne streichen würden. Eine kleine Chance besteht, doch noch die Relegation zu erreichen und die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. Nach 40 Jahren könnte Werder heute aber auch ein zweites Mal in der Geschichte in die 2. Liga absteigen.

Aber wie muss ein Spiel taktisch angegangen werden, in dem nur ein Sieg nützt? Brauchen die Spieler zusätzlichen Druck oder das Gegenteil? Und wie geht es weiter mit Florian Kohfeldt und Frank Baumann, falls die Rettung misslingt? Der WESER-KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie erreicht Werder die Relegation?

Möglich ist sie nur mit einem Sieg gegen Köln. Düsseldorf darf nicht bei Union Berlin gewinnen, besser wäre eine Niederlage. Gewinnt Fortuna, ist Werder abgestiegen. Bei einem Remis muss Werder mit mehr als vier Toren Unterschied gewinnen, um Platz 16 zu erreichen. Verliert die Fortuna und gewinnt Werder, ist der Sprung auf Platz 16 geschafft. Eine Konstellation gibt eine komplette Gleichheit von Toren und Punkten her: Werder gewinnt 4:0 und Düsseldorf spielt in Berlin 4:4. Dann würde der direkte Vergleich entscheiden, den Fortuna mit 3:1 zu 0:1 gewinnt.

Wie ein Spiel angehen, das zwingend gewonnen werden muss?

Alle Mann Attacke ist kein Rezept, auch wenn ein frühes Tor helfen würde. Es gehe darum, die Balance zu finden, sagt Kohfeldt. Denn es gibt zwei Szenarien: „Wir gewinnen und hoffen auf Schützenhilfe aus Berlin durch einen Sieg für Union. Oder es gibt ein Unentschieden in Berlin und wir müssen einen hohen Sieg landen."

Entsprechend hängt die Gangart auch vom Ergebnis in Berlin ab. Zeichnet sich ein Remis ab, muss Werder alles auf Offensive setzen, um Tore zu erzielen.

Wird Düsseldorfs Spiel verfolgt?

Selbstverständlich. „Jemanden wird neben der Bank einen Ticker verfolgen", sagt Baumann. Das wird per Handy sein, „Radio würde zu sehr ablenken vom Geschehen im Weserstadion", so der Sportchef. Ob, wann und wie das Ergebnis aus Berlin an die Spieler übermittelt wird, hängt davon ab, ob es sich zu Motivationszwecken nutzen lässt. „Das entscheiden wir im Spiel", sagt Kohfeldt.

Alles wie immer, oder alles anders?

Gedankenspiele gab es viele, um die Profis ein letztes Mal für die delikate Situation zu sensibilisieren: Kurz-Trainingslager, Treffen mit Fan-Klubs, Gespräche mit Mitarbeitern. „Das haben wir verworfen", sagt Kohfeldt. Alles nicht möglich durch die Corona-Auflagen.

Und doch war einiges anders, auf dem Trainingsplatz etwa. „Die Art und Weise der Einheiten war deutlich kürzer, aber deutlich intensiver. Weniger taktische Anteile„, sagt Kohfeldt. Dafür war alles „mit viel Spannung versehen“, denn darum gehe es ja.

Und so soll auch am Spieltag einiges anders sein, als die Spieler es kennen. „Wir haben uns einige Dinge überlegt, um die Emotionalität zu schüren und das noch mehr anzuheizen", sagt der Trainer. Was genau das ist, mag er nicht verraten.

Wie läuft der Spieltag ab?

Übernachtet wird wie immer im Park Hotel. Beim Frühstück, auch das bleibt gleich, sind die Zeiten flexibel. Jeder kann, aber niemand muss etwas essen. Pflicht ist dafür die sogenannte „Aktivierung“. Klingt komplex, kann aber auch ein einfacher Spaziergang durch den Bürgerpark sein, manchmal sind es Kraftübungen. Zweck ist, den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Der nächste feste Termin ist das „Pre-Match-Meal". Klingt auch imposant, dahinter steckt ein kohlenhydratreiches Mittagessen. Immer auf dem Speiseplan stehen dabei Nudeln mit Tomatensauce. Unabhängig vom Zeitpunkt des Anpfiffs wird drei Stunden vor Anpfiff gegessen, am Sonnabend also um 12.30 Uhr. Anschließend gibt es noch eine Besprechung. Gegen 14 Uhr ist in zwei Bussen Abfahrt zum Weserstadion. Geplante Ankunftszeit ist 14.15 Uhr. Um 15.30 Uhr wird angepfiffen.

Wie stehen die Chancen?

Nicht selbst die Fäden in der Hand zu halten, macht es komplizierter. Es bleibt nur, die eigene Aufgabe zu erledigen und zu gewinnen. Dafür sei er bereit, verspricht Kohfeldt: „Bis zur allerletzten Sekunde kämpfen und daran glauben, dass es funktioniert. Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass ich nicht gekämpft habe für diesen Verein, für diese Mitarbeiter. Darauf kann sich jeder verlassen." Das gilt hoffentlich auch für die Mannschaft.

Spannung erhöhen oder Druck nehmen?

Die Frage hat sich Kohfeldt zu Beginn der Woche auch gestellt. Eindeutig ist seine Antwort nicht. Einerseits müsse er der Mannschaft „Spannung nicht eintrichtern", andererseits muss er sagen, „worum es geht". Baumann spricht von „der richtigen Mischung aus Anspannung, aber auch Lockerheit, das Vertrauen in die eigenen Stärke und Qualität".

Geht es mit Kohfeldt und Baumann weiter?

Gute Frage, nächste Frage – so moderierte Kohfeldt das Thema auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Köln ab. Beide wollen sich zunächst auf das letzte Saisonspiel konzentrieren. „Alles was danach ist, was der Sonnabend mit uns macht, was eine Relegation mit uns macht, ein Verbleib in der Liga, ein Abstieg, all diese Dinge besprechen wir dann„, sagt Kohfeldt. Baumann will ebenfalls abwarten, sagt aber, dass er „zu jeder Zeit die Rückendeckung des Aufsichtsrates gespürt habe“. Der Sportchef hat zuletzt mehrfach angekündigt, auch im Falle des Abstiegs weiter an Bord bleiben zu wollen. Die Entscheidung über die Zukunft des Geschäftsführers Baumann trifft aber der Aufsichtsrat.

Wann fallen die Personal-Entscheidungen?

Nicht unmittelbar, aber zeitnah nach dem letzten Spiel – ob Liga oder Relegation. Es wird zunächst verschiedene Analysen der Saison geben. „Sie werden mit verschiedenen Personen, Gruppen und Gremien besprochen", erklärt Baumann. „Deswegen muss man davon ausgehen, dass nicht Sonntag oder Montag schon mit einem Ergebnis zu rechnen ist." Eher „Mitte oder Ende der nächsten Woche" dürfte es soweit sein, dass es Entscheidungen zu verkünden gibt. Spielt Werder Relegation am 2. und 6. Juli, dürfte der Prozess länger dauern.

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