Rekordspieler Burdenski über den Abstieg 1980

„Haben geleistet, was die Möglichkeiten hergaben"

Werder taumelt dem Abstieg entgegen. Einer, der das schon mal erlebt hat, ist Dieter Burdenski. Werders Rekordspieler erzählt, warum es damals nicht gereicht hat – und wo die Unterschiede zu heute liegen.
22.05.2020, 17:16
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„Haben geleistet, was die Möglichkeiten hergaben
Von Christoph Sonnenberg
„Haben geleistet, was die Möglichkeiten hergaben"
Nordphoto

Es klang wie eine Beschwörungsformel, als Frank Baumann am Tag nach dem 1:4 gegen Leverkusen prophezeite, dass am Ende alles gut sein werde: „Die neun verbleibenden Spiele müssen ausreichen und werden auch ausreichen." Woher er diesen unverbrüchlichen Optimismus nimmt, fragen sich selbst härteste Werder-Fans mittlerweile. Außerhalb des Vereins ist die Zahl der Wunder-Gläubigen auf Minimalmaß geschrumpft. Die Beschwörungen der Verantwortlichen verfangen nicht mehr, der zweite Abstieg der Werder-Geschichte ist für viele bereits verbucht.

Einer, der das schon erlebt hat, ist Dieter Burdenski. 1980 war Burdenski so gut in Form, dass er in der Nationalelf im Tor stand, mit Werder aber in die 2. Liga abstieg. „Die Entscheidung fiel auch damals erst gegen Ende. Wir waren lange gut dabei, sind dann aber eingebrochen„, erinnert sich Burdenski. Anders als vor dieser Saison, in der die Europa League als Ziel ausgegeben wurde, stand Werder in den 1970'iger Jahren oft mit einem Bein in der Unterklasse. „Nachdem ich 1972 zu Werder gewechselt bin, haben wir in jedem Jahr gegen den Abstieg gespielt. Mit diesem ständigen Szenario musste Werder leben“, sagt Burdenski.

An den Klassenerhalt glaubt er nicht

Oft hat es kurz vor Ende der Saison gereicht für die Rettung. „Dass es irgendwann mal nicht klappt, war absehbar." Letztlich habe der Abstieg die finanziellen Mittel widergespiegelt: „Wir hatten damals kein individuell gut besetztes Team, wir mussten viel mit Kampfgeist kompensieren. Wir haben das geleistet, was die Möglichkeiten hergaben." Das sei immer noch mehr gewesen, als Werder in dieser Saison zustande bringt, sagt Burdenski: „Zehn Spiele hat Werder jetzt Zuhause nicht mehr gewonnen, das ist schon eine Leistung. Das gab es bei uns damals nicht."

616 Mal hat Burdenski für Werder gespielt, das ist mit weitem Abstand Rekord. Der gebürtige Bremer ist nach seiner Karriere zum Ehrenspielführer ernannt worden und war von 1997 bis 2005 Torwarttrainer. Viel mehr Werder als Burdenski geht nicht, trotzdem schenkt er den Beschwörungsformeln der Verantwortlichen keinen Glauben mehr: „Im Fußball haben wir schon die unglaublichsten Dinge erlebt. Möglich, dass Werder drei Punkte in Freiburg holt. Ich befürchte, dass die Spieler die vielen Misserfolge nicht aus dem Kopf kriegen. Darum fehlt mir der Glaube daran, dass Werder die Klasse hält."

Dank Assauer und Rehhagel zum Wiederaufstieg

Nach nur einem Jahr in der Zweitklassigkeit stieg Werder 1981 wieder auf. Ein Selbstgänger war das nicht. „Wir dachten, als Absteiger würden wir die 2. Liga dominieren. Zunächst gab es aber richtig auf die Nase.„ Dass es trotz einer finanziell angespannten Lage geklappt hat, lag zum einen an Manager Rudi Assauer, der gute Spieler günstig geholt hat. Und an Otto Rehhagel, der diese als Trainer besser gemacht habe. „Werder musste sich damals strecken – und kreativ sein.“ Damit hat es zu einem guten Ende gereicht.

Das ganze Interview mit Dieter Burdenski über die Fehler der Geschäftsführung und weshalb Florian Kohfeldt nicht mehr der richtige Trainer ist, lesen Sie morgen im WESER-KURIER.

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