Die Kolumne von Dieter Eilts über Werder

Der feine Unterschied zu einstigen Wundern

Mit Wundern von der Weser kennt sich unser Kolumnist Dieter Eilts aus, er war ja selbst oft dabei. Nun aber sieht er die Lage von Werder anders, schreibt der Ehrenspielführer hier für den WESER-KURIER.
23.06.2020, 15:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Dieter Eilts
Der feine Unterschied zu einstigen Wundern

Klare Worte zu Werder: Ehrenspielführer Dieter Eilts.

wkf

Zum Ende dieser nicht so schönen Bundesligasaison hat man das Gefühl, dass einem die Wörter ausgehen. Über Werders Abstiegskampf scheint alles schon gesagt zu sein. Was fehlt, ist die offizielle Bestätigung, dass das Unvorstellbare wirklich passiert und Werder zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den bitteren Gang in die zweite Bundesliga antreten muss. Natürlich gibt es diese kleine Resthoffnung, dass Werder den Relegationsplatz durch glückliche Umstände noch erreicht. Und je näher das Heimspiel gegen Köln kommt, desto größer wird diese Hoffnung bei vielen Fans werden. Weil man es sich so sehr wünscht.

Was Werders Bundesligamannschaft betrifft, würde ich diese Woche bis zum Spiel gegen Köln anders einordnen als sonst. Nach 33 Spieltagen und diesem enttäuschenden Auftritt bei der Niederlage in Mainz sind große taktische Analysen jetzt eigentlich nicht mehr wichtig. Vielleicht wäre es besser, im Kopf einfach alles auf null zu stellen, die ganze Festplatte zu löschen und den Reset-Knopf zu drücken. Nur so kann man jetzt noch einen klaren Kopf behalten. Den Ballast abwerfen und völlig frei dieses letzte Spiel angehen – angesichts der emotionalen Situation wäre das vielleicht der beste Weg.

Viele Gelegenheiten nicht genutzt

In diesen Tagen habe ich oft von den berühmten „Wundern von der Weser“ gehört, und dass Werder auch jetzt wieder solch ein Wunder bräuchte. Ich kann schon verstehen, dass man daran denkt. Aber als jemand, der bei manchem dieser Wunder dabei sein durfte, sehe ich einen großen Unterschied zu damals. Bei den berühmten „Wundern von der Weser“ hatte es die Bremer Mannschaft immer selbst in der Hand, sie musste ihr Spiel gewinnen, manchmal auch sehr hoch. Aber Werder war dabei nie auf fremde Hilfe angewiesen. Das ist diesmal anders. Selbst wenn die Mannschaft von Florian Kohfeldt gegen Köln hoch gewinnen sollte, muss sie darauf hoffen, dass Union Berlin gegen Fortuna Düsseldorf ein gutes Ergebnis erzielt. Sonst wäre der eigene Sieg nichts wert. Es ist sehr schade, dass man es nicht mehr selbst regeln kann.

Das zeigt auch ein grundsätzliches Problem, das es in den nächsten Tagen und Wochen aufzuarbeiten gilt: Wenn Werder denn wirklich absteigen muss, dann wäre dieser Abstieg nicht am 33. oder 34. Spieltag passiert, sondern sehr viel früher. Fast die komplette Saison lang stand die Mannschaft im Keller und hat viele Gelegenheiten nicht genutzt, sich in eine bessere Ausgangsposition zu bringen.

Relegationsspiele waren oft eng

Im besten Fall würde Werder also die Relegationsspiele erreichen. Das wäre zunächst einmal ein kleiner Erfolg, aber auch dort muss man sich erst einmal behaupten. Ich kann nicht vorhersagen, dass Werder sich dort in jedem Falle durchsetzt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es dort oft spannende und knappe Auseinandersetzungen gab.

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