Eilts über seine besonderen Bayern-Momente

„Den kriegen wir!"

Ein böser Tritt, ein überraschender Titelgewinn und eine schlimme Verletzung: Ehrenspielführer Dieter Eilts in seiner Kolumne über besondere Erlebnisse in Spielen gegen den FC Bayern.
19.11.2020, 17:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts
„Den kriegen wir!"
WESER-KURIER

Dass es jetzt 22 Niederlagen in Folge sind, die Werder gegen Bayern kassiert haben, ist bemerkenswert. Die meisten Begegnungen mit den Münchnern in meiner Karriere haben zu Zeiten stattgefunden, in den beide Klubs nahezu auf Augenhöhe waren. Es gibt einige Siege, an die ich mich erinnere, einige Niederlagen waren natürlich auch dabei. Aber die guten Erinnerungen überwiegen natürlich.

Eine stammt aus dem September 1990. Drei Spiele zuvor hatte ich mir den großen Zeh gebrochen, gegen die Bayern war es das erste Spiel, in dem ich wieder auf dem Platz stand. Es waren etwa zwei Minuten gespielt, als mir ein Bayernspieler mit voller Absicht und großer Wucht auf den gerade verheilten Zeh trat. Er schaute mich an und sagte: „Und, tut’s weh?“ Er wollte gerade grinsen, aber dazu kam es nicht. Uli Borowka stand nicht weit entfernt und hatte die Szene mitbekommen. „Dieter, ich hab’s gesehen“, rief mir Uli sofort zu. „Den kriegen wir!“ Von dem Bayernspieler, dessen Name ich nicht verrate, weil das nicht okay wäre, hat man in den 90 Minuten nicht viel gesehen. Das haben Uli und ich ganz gut hinbekommen. Das Spiel haben wir übrigens 1:0 gewonnen. Der Torschütze? Uli Borowka!

Die Verletzung hat mich die Teilnahme an der WM 1994 gekostet

Im November 1991 gab es ein sehr besonderes Spiel in München, das wir am Ende 4:3 gewonnen haben. Wir haben früh und hoch geführt. Die Bayern kamen zu einem kuriosen Tor, ein Eigentor durch Oliver Reck. Der Ball prallte von der Latte an seinen Kopf und landete dann im Tor. Am Ende ging die Partie an uns. So in München zu gewinnen, war schon geil.

In Erinnerung, wenn auch nicht in guter, ist mir auch das Spiel vom März 1994 in München geblieben. Fast direkt nach Anpfiff kam ein Pass zu mir, den ich nach Außen spielte. Ohne gegnerische Einwirkung habe ich mir dabei das Innenband im Knie gerissen. Wie das passiert ist, weiß ich bis heute nicht. Besonders bitter war, dass mich die Verletzung am Ende die Teilnahme an der WM 1994 in den USA gekostet hat. Und 0:2 verloren haben das Spiel am Ende auch noch.

Rehhagels Entlassung als besondere Motivation

Auch die Partie im Mai 1996 gehört zu denen, an die ich mich gut erinnere. Ende April hatten die Bayern Otto Rehhagel entlassen, Franz Beckenbauer übernahm. Das Spiel an sich war speziell, weil wir früh 0:2 zurücklagen, die Partie aber drehten und 3:2 gewannen. Viele von uns hat es gewurmt, wie sich die Bayern von Rehhagel getrennt hatten. Wir haben in Bremen verfolgt, was in München passierte während der Saison. Es gab einige Spieler, die ein sehr enges und inniges Verhältnis zu Otto hatten. Das war eine zusätzliche Motivation.

Und dann gibt es natürlich das gewonnene Pokalfinale 1999 in Berlin. Die Bundesligasaison lief überhaupt nicht gut, wir sind nur knapp dem Abstieg entgangen. Die Bayern sind Meister geworden. Haben aber kurz vor dem Spiel das Finale der Champions League gegen Manchester United verloren. Im Spiel hatte das keine Auswirkungen, die Bayern wirkten nicht mental angeschlagen. Aber wir hatten viel Zeit, uns auf das Spiel vorzubereiten. Und mit Thomas Schaaf einen neuen Trainer. Dass wir den Abstieg verhindert hatten, hat uns befreit und war sehr wichtig. Wir hatten also nichts zu verlieren, waren krasser Außenseiter. Wir sind früh in Führung gegangen durch Juri Maximow, das gab uns Sicherheit. Im Elfmeterschießen waren wir die etwas glücklichere Mannschaft. Matthäus und Effenberg haben verschossen, Frank Rost den entscheidenden Elfer verwandelt.

Am Sonnabend in München ist wichtig, dass Werder konsequent und mutig spielt, auch nach vorne. Und dass sie wirklich daran glauben, dass sie eine Chance haben, etwas zu holen. Dafür muss an dem Tag natürlich alles passen bei Werder und bei den Bayern das eine oder andere nicht. Die Erwartungen sind gering, auch darin liegt eine Chance. Und die müssen sie eben nutzen.

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