Dieter Eilts über Werders Abstiegskampf

„Das Ergebnis ist erschreckend"

Die Erwartung, dass es nach der Pause besser läuft bei Werder, hatte auch Dieter Eilts. Die Anzahl der gemachten Fehler haben den Ehrenspielführer überrascht – er glaubt jetzt nicht mehr an den Klassenerhalt.
20.05.2020, 20:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Dieter Eilts
„Das Ergebnis ist erschreckend"
Weser-Kurier

Wer die Berichterstattung vor dem Spiel gegen Leverkusen verfolgt und die Aussagen der Verantwortlichen gehört hat, hatte die Hoffnung, dass sich etwas bei Werder verändert hat. Betrachtet man dann die 90 Minuten gegen Leverkusen – auch wenn das eine Mannschaft ist, die Ambitionen hat, in die Champions League zu kommen –, muss ich feststellen, dass sich zur Situation vor der Pause nichts verändert hat. Der Mannschaft fehlt Aggressivität, Mut, Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, Kompaktheit, das Miteinander in entscheidenden Situationen, es fehlt Geschwindigkeit. Wenn dann noch solche eklatanten Fehler in der Defensive gemacht werden, wenn dem Gegner so viel Raum gelassen wird, dass er zu so einfachen Toren kommt, muss man sagen: So kann man in der Bundesliga nicht bestehen.

Das Spiel war ein Spiegelbild all dessen, was schon vor der Unterbrechung nicht gut gelaufen ist. Auch wenn nicht alle Spieler einsatzfähig waren, dürfte es der beste Kader gewesen sein, der Florian Kohfeldt in dieser Saison zur Verfügung gestanden hat. Das Ergebnis ist erschreckend und macht mich sprachlos.

Zu viele Fehler werden immer wieder gemacht

Durch die Pause hatten alle Spieler Abstand zur Lage in der Liga. Sie konnten dem Hamsterrad entkommen, dieser langen Negativ-Serie. Da habe ich schon gedacht, dass das der Mannschaft guttut. Als sie die Leverkusener Führung postwendend ausgeglichen haben, geraten sie sofort wieder in Rückstand. Und kassieren wieder nach einem Standard ein Tor. Sie stehen beim Verteidigen im Raum, sind aber nicht eng am Gegenspieler dran. Es wird auf den Ball gewartet, anstatt in den Ball hineinzugehen. Gut zu sehen war das beim 1:3. Weiser läuft von hinten mit Schwung rein, während Vogt nicht zum Kopfball hochkommt, weil er auf den Ball wartet. In der Gesamtheit sind es so viele Fehler, die immer wieder gemacht werden, dass über die gesamte Saison die Erstligatauglichkeit fehlt.

Das Ziel war, die anderen Mannschaften im Tabellenkeller mit einem Sieg gegen Leverkusen unter Druck zu setzen. Die ärgsten Konkurrenten um den Klassenerhalt konnten keine Dreier einfahren. Das Vorhaben, ein Zeichen zu setzen, ist vollkommen misslungen. Es ist nicht nur eine Niederlage, es ist eine Niederlage mit einer wirklich schlechten Leistung. Und das macht etwas in den Köpfen der Spieler. Bei Werder befürchte ich, dass beim ersten Negativ-Erlebnis während des nächsten Spiels gleich wieder alles kippt. Jetzt geht es nach Freiburg, die beim 1:1 in Leipzig ein gutes Spiel gemacht haben, die selbstbewusst sind, die frei aufspielen können

Keine Hinweise, dass sich die Leistung verbessert

Nach dem Spiel gegen Leverkusen sehe ich keine Gründe, die Anlass geben zu glauben, dass sich bei Werder noch etwas ändert. Es gibt keine Hinweise, dass sich die sportliche Leistung der Mannschaft entscheidend verbessert.

Jetzt beginnt auch wieder die Diskussion um den Trainer. Aber die Verantwortlichen haben sich klar positioniert und Florian Kohfeldt den Rücken gestärkt. Sie würden, auch im Falle eines Abstiegs, mit ihm in der 2. Bundesliga weiterarbeiten. Von Florian selbst ist zum Thema 2. Liga allerdings noch nichts zu hören, es gibt kein klares Bekenntnis seinerseits. Für Außenstehende sind dennoch Fragen erlaubt. Ist Florian der richtige für die Mannschaft in der derzeitigen Situation? Erreicht er die Mannschaft noch? Kann er mit seinen Mitteln das Ruder noch herumreißen? Beantworten können und müssen diese Fragen die Verantwortlich. Als wir 1999 in einer ähnlich schweren Situation waren, haben die Verantwortlichen gehandelt und noch einmal einen Trainerwechsel vorgenommen. Wir konnten mit dem neuen Trainer Thomas Schaaf den Abstieg verhindern und nach Beendigung der Saison sogar noch das Pokalfinale gegen die Bayern gewinnen. Ein Trainerwechsel gibt aber keine Garantie auf Erfolg.

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